Fr., 08.01.2016

Stadtheimatbund Sie führen die Heimat im Schilde

Das Torhaus am Neutor in Münster ist das Domizil des Stadtheimatbundes Münster: Stadtheimatpfleger Heinz Heidbrink und Stadtheimatbund-Vorsitzende Ursula Warnke zeigen hier ein Bild aus der aktuellen „Momente“-Ausstellung von Christel Gorschlüter, die mit einem Fahrrad den „heimatlichen Bezug“ zu Münster darstellt.

Das Torhaus am Neutor in Münster ist das Domizil des Stadtheimatbundes Münster: Stadtheimatpfleger Heinz Heidbrink und Stadtheimatbund-Vorsitzende Ursula Warnke zeigen hier ein Bild aus der aktuellen „Momente“-Ausstellung von Christel Gorschlüter, die mit einem Fahrrad den „heimatlichen Bezug“ zu Münster darstellt. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Heinz Heidbrink (70) trägt einen Titel, der das Wort „Heimat“ einschließt. Der pensionierte Lehrer und Schuldezernent bekleidet seit 2011 das Amt des Stadtheimatpflegers in Münster. Was tut ein Stadtheimatpfleger, wofür steht ein Stadtheimatbund? „Nach dem Prinzip der Subsidiarität fördern wir Initiativen an der Basis!“, sagt Heidbrink beim Gespräch im winterlich-kühlen Torhaus am Neutor in Münster, wo der Stadtheimatbund seit über zehn Jahren seine Heimstatt hat.

Von Johannes Loy

38 Vereine zählen in Münster zum Stadtheimatbund, und nur ein Teil von ihnen führt die „Heimat“ im Schilde. So gibt es einen Landwirtschaftlichen Verein, die Niederdeutsche Bühne, den „Verein Porzellanmuseum Münster“ oder auch den „Sudetendeutschen Volkstanzkreis“. Ihnen allen aber ist gemein, dass sie sich mit Heimat-, Sprach- und Brauchtumspflege befassen.

Dem Stadtheimatbund kommt es zu, die Aktionen zu begleiten und zu bündeln. Darüber hinaus wird er aber auch selber aktiv. Als Veranstalter von Ausstellungen im Torhaus, als Förderer des Niederdeutschen, als Dachverband mit eigenem medialen Auftritt mit der Postille „Torhaus aktuell“ und im Internet sowie mit dem alljährlichen Historienspiel zum Westfälischen Frieden, das jeweils am 25. Oktober die Aussendung der Friedensreiter von 1648 nachempfindet. „Das ist unser Beitrag zum Friedensgedanken“, erläutert Heinz Heidbrink und deutet damit auf eine Akzentverschiebung moderner Heimatvereinsarbeit hin. Einige Heimatvereine, wie etwa der in Münster-Handorf, haben längst begriffen, was die Stunde geschlagen hat. Die Handorfer laden Flüchtlingskinder aus der örtlichen Containersiedlung ein, um ihnen ihre neue Umgebung näher zu bringen und sie zu integrieren. „Sie identifizieren sich mit ihrem Umfeld und wollen die Neuankömmlinge daran teilhaben lassen“, erläutert Peter Horstmann. Zusammen mit Dr. Christopher Görlich arbeitet er seit sechs Wochen daran, Münster-Führungen für Flüchtlinge anzubieten. Noch im Januar soll das Angebot umgesetzt werden.

Online-Special

In einer Serie widmet sich unsere Zeitung dem Thema Heimat. Weitere Geschichten finden Sie in unserem  Online-Special.

„Heimat ist Tiefe, nicht Enge“, bringt der stellvertretende Vorsitzende Peter Kaenders das neue Anliegen der Heimatfreunde mit einem Zitat des österreichischen Kulturpolitikers und Volkskundlers Hanns Koren auf den Punkt. Auch Ursula Warnke, die Vorsitzende des Stadtheimatbundes, weiß, dass viele mit „Heimatvereinen“ vorwiegend ältere Semester und etwas Rückwärtsgewandtes verbinden. „Wir müssen etwas dafür tun, dass sich junge Leute engagieren. Dass sie für Projekte ansprechbar sind, haben wir im Historienspiel 2015 gesehen. Eine Tanzgruppe der Ballettschule Heidi Sievert und ein Chor des Kant-Gymnasiums waren mit Eifer bei der Sache.“

Dass sich junge Leute häufig schwer damit tun, sich ehrenamtlich zu betätigen, ist ein Phänomen, dass die Heimatvereine ebenso wie andere Institutionen kennen. „Wir haben es auch mit einem Wandel in der Arbeitswelt zu tun“, erklärt Kaenders. Mit anderen Worten: Viele junge Leute zieht es in die Welt, häufige Arbeitsplatzwechsel lassen heimatliche Verwurzelung nur zeitlich begrenzt zu. Prägten früher Institutionen wie Kirchen, Sportclubs und Vereine die Freizeit, so zählen heute eher personelle Verflechtungen.

„Wirkliche Heimat zeigt sich in sozialen Bezügen“, bestätigt Ursula Warnke. „Es geht auch um eine Verknüpfung der Sinne“, fügt Heinz Heidbrink hinzu. Zum heimatlichen Ort gehören für ihn bekannte Menschen, manchmal sei es auch ein Geruch oder ein Glockenklang, der heimatliche Gefühle wachrufe. Natürlich gelten auch Kindheit und Jugend als prägend. „Ich besuchte kürzlich ein Klassentreffen in Kevelaer, und wir waren alle schnell wieder miteinander vertraut – fast so, als sei die Zeit stehengeblieben“, erzählt Peter Kaenders. 

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