So., 28.06.2015

Westfälischer Heimatbund feiert 100. Geburtstag / Plädoyer für Willkommenskultur Menschen eine Heimat geben

Hoffnungsfroher Nachwuchs: Einer von zwei Innovationspreisen des Heimatbundes ging an die Kinder- und Jugendgruppe im Heimatverein Recke. Dr. Rolf Gerlach, Vorsitzender des Kuratoriums (links im Hintergrund), freute sich mit den Preisträgern.

Hoffnungsfroher Nachwuchs: Einer von zwei Innovationspreisen des Heimatbundes ging an die Kinder- und Jugendgruppe im Heimatverein Recke. Dr. Rolf Gerlach, Vorsitzender des Kuratoriums (links im Hintergrund), freute sich mit den Preisträgern. Foto: Martin Albermann

Münster - 

Heimat – in unserer Zeit der Flüchtlingsströme ein unzulässig romantisierender, ja vielleicht sogar anachronistischer Begriff? Die nordrhein-westfälischer Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, Angelika Schwall-Düren, fand am Samstag vor rund 600 Mitgliedern westfälischer Heimatvereine bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Westfälischen Heimatbundes in Münster die richtige Balance zwischen dem Lob heimatlicher Traditionspflege und grenzüberschreitender Willkommenskultur: „Sollte es uns nicht gerade heute gelingen, den Menschen, die unter Flucht und Verfolgung leiden, ein Angebot für ein neues Zuhause und eine neue Heimat zu machen?“ Da brandete unter den Heimatfreunden im Großen Haus herzlicher Applaus auf.

Von unseremRedaktionsmitgliedJohannes Loy

200 Jahre Westfalen , 100 Jahre Westfälischer Heimatbund : Es gab gute Gründe dafür, den Westfalen-Tag nach Münster zu legen. Denn genau hier wurde vor 100 Jahren der Westfälische Heimatbund aus der Taufe gehoben, und zwar von „38 honorigen Herren“, die sich im Dezember 1915 im Provinzialmuseum für Kunst und Kulturgeschichte am Domplatz versammelten. „Ihr Wunsch war es, die in Westfalen bereits bestehenden Heimat-, Geschichts- und Denkmalpflegevereine unter einem Dach zusammenzuschließen“, erläuterte Landesdirektor Dr. Matthias Löb bei der einleitenden Mitgliederversammlung.

Die Idee, sich für Geschichtsforschung, Sprachpflege und die Bewahrung lokaler und regionalen Traditionsguts und Brauchtums einzusetzen, hat an Zugkraft gewonnen. Wie die Geschäftsführerin des Westfälischen Heimatbundes . Dr. Edeltraud Klueting, mitteilte, entwickelt sich der Westfälische Heimatbund vielversprechend. Gehörten ihm vor 30 Jahren 443 Heimatvereine an, so zählt er heute 549. Die Zahl der Mitglieder stieg in diesem Zeitraum von 80 000 auf heute 130 000 Heimatfreundinnen und Heimatfreunde.

Beim Blick ins Große Haus dominierte freilich deutlich die Generation 65 plus, doch draußen, auf Foyer und Gängen, tummelte sich auch der hoffnungsfrohe Heimatvereinsnachwuchs. Da passt es ins Bild, dass der Vorstand des Heimatbundes in weiser Voraussicht und mit Blick auf neue Herausforderungen und demografischen Wandel einen Innovationspreis ins Leben gerufen hat. Als wegweisend zeichnete Dr. Rolf Gerlach als Vorsitzender des Kuratoriums des Heimatbundes zwei Heimatvereine aus. Der Heimatverein Neheim-Hüsten wurde für die denkmalpflegerische Bestandsaufnahme „Strohdorf“ geehrt. Das Projekt wecke Bewusstsein für die Denkmalpflege und gebe Empfehlungen für künftige Baumaßnahmen, so Gerlach. Der Nachwuchspreis, ebenfalls mit 4000 Euro dotiert, ging an das Projekt „Jugendarbeit im Heimatverein Recke“. Kinder und Jugendliche werden dort schon seit vielen Jahren vorbildlich und altersgerecht mit Aufgabe der Heimatpflege vertraut gemacht.

Die 600 Tagungs- und Festakt-Teilnehmer fühlten sich in Münster wohl. Waren am Morgen noch Regularien abzuwickeln, wurde nachmittags in sieben Exkursionen die Stadt erkundet. Das Angebot reichte vom Picasso-Museum bis zum „Westfälischen Frieden“.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

flohmarkt.ms Anzeigen

Schnäppchen und Angebote aus Ihrer Umgebung

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3354849?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F