Mi., 31.05.2017

Germanicus-Ausstellung im Römermuseum Haltern In Rom regnete es Rosenblätter

Rosenblätter regnen auf das römische Pflaster: Der Museumsbesucher kann sich im Römermuseum Haltern in den Triumphzug für den vermeintlichen Germanenbezwinger Germanicus einreihen. Münzen und Reliefs zeigen, wie ein solcher Triumphzug vor 2000 Jahren ablief.

Rosenblätter regnen auf das römische Pflaster: Der Museumsbesucher kann sich im Römermuseum Haltern in den Triumphzug für den vermeintlichen Germanenbezwinger Germanicus einreihen. Münzen und Reliefs zeigen, wie ein solcher Triumphzug vor 2000 Jahren ablief. Foto: Thorsten Arendt

Haltern - 

Das Römermuseum in Haltern ist kaum wiederzuerkennen. Der Besucher begibt sich gewissermaßen auf das Straßenpflaster Roms. Es regnet Rosenblätter, die Menschenmenge jubelt dem triumphierenden Feldherrn zu. Der Triumphzug, um den sich die gut 1,3 Millionen teure, vom Atelier Hähnel-Bökens brillant inszenierte und lohnende Schau im Römermuseum dreht, ging am 25. Mai des Jahres 17, vor genau 2000 Jahren, über die Bühne. Dr. Rudolf Aßkamp, Leiter des Museums, weiß um die Zwiespältigkeit dieses Triumphzuges; denn es war ein „Triumph ohne Sieg“. Germanicus hatte versucht, unter den Germanenstämmen östlich des Rheins aufzuräumen. Mehr als verlustreiche Schlachten und Teilerfolge kam dabei nicht heraus. Die Römer verzogen sich wieder hinter den Rhein. Die Region an Ems und Weser versank für Jahrhunderte wieder im Dunkel. Welch wundersamen kulturellen Wandel hätte es hier geben, was hätte aus dem Legionslager Aliso alles werden können? Auch darüber gibt die Ausstellung Auskunft.

Von unseremRedaktionsmitgliedJohannes Loy

Doch der Reihe nach: Zunächst wird der Besucher im ersten Teil Zuschauer des Triumphzuges des Germanicus in Rom. Schlaglichtartig werden die damit verbundenen Ereignisse im Wortsinn beleuchtet. Antike Darstellungen von Triumphzügen und die fliegenden Rosenblätter tauchen rechts und links des Weges fast wie real auf großen bedruckten Textilwänden auf. Ausgewählte Exponate erklären das Thema „Triumph“, ob es sich nun um die Miniatur eines Siegesdenkmals aus der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin handelt oder um Darstellungen von Triumphwagen auf Münzen. Tonnenschweres und auch inhaltlich gewichtigstes Exponat ist ein Baufragment des postum errichteten Germanicus-Bogens am Circus Flaminius. Auch auf einem 200 Jahre später unter Septimius Severus entstandenen Marmorplan der Urbs ist der Germanicus-Bogen verzeichnet. Man darf dem Triumphzug im Zickzack bis zur Schlachtung der Opfertiere nachgehen, kann aber auch zwischendurch „abbiegen“ und sich Hintergrundinformationen über die militärischen und politischen Entwicklungen in Germanien und die Zeit vor dem vermeintlichen Sieg des Germanicus holen. Funde aus den römischen Lagern entlang der Lippe von Haltern bis Anreppen sowie zahlreiche Exponate von weiteren Fundplätzen in Germanien veranschaulichen das Bemühen der Römer, komplett in Germanien Fuß zu fassen.

Teil drei der Schau führt zurück zum Festumzug und zu solch wichtigen Fragen, wer eigentlich wie und wann in Rom einen solchen Triumphzug abhalten durfte. Figuren und Reliefs zeigen, wie das ablief. Zuerst kamen im Zug Beute und Gefangene, dann der Triumphator mit Opfertieren und Behördenvertretern (Lictoren und Staatsbeamte), und schließlich zog die die Armee mit. Ein Beispiel für die Rezeptionsgeschichte des damaligen Dauerkonflikts zwischen Römern und Germanen entpuppt sich als Produkt der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts. Wir sehen die blonde, stolze Thusnelda, die Ehefrau des Varus-Bezwingers Arminius, auf einem Gemälde von Carl Theodor von Piloty 1869/70, wie sie im Triumphzug des Germanicus zur Schau gestellt wird.

Historiker sollen zwar eigentlich nicht kontrafaktisch denken, in diesem Fall aber ist die Blickrichtung spannend. Wie also wäre die Geschichte weitergegangen, wenn Rom sich doch dauerhaft östlich des Rheins und nördlich der Lippe festgesetzt hätte? Dann hätte sich, so spekuliert Museumsleiter Dr. Rudolf Aßkamp, Aliso, das heutige Haltern am See, vermutlich zu einem Zen­trum der Region entwickelt, mit repräsentativen Bauwerken, Kunst und Kultur. Haltern als zweites Bonn oder Xanten? Gut möglich.

Draußen kann der Besucher im Anblick des 2016 aus stabiler westfälischer Eiche teilrekonstruierten imposanten Befestigungswalls und mit Blick auf die schon erforschte Gräberstraße des damaligen Legionslagers nachempfinden, wie stark die Römer hier schon auftrumpften. „Zwei Thesen halten wir mittlerweile für sehr wahrscheinlich“, resümiert Rudolf Aßkamp. „Das antike Aliso ist mit dem heutigen Haltern am See identisch. Und der Fundort im Osnabrücker Land bei Kalkriese ist nicht der Ort der Varusschlacht, sondern geht auf die Ereignisse des Jahres 15 n. Chr. rund um Germanicus zurück.“

Zum Thema

„Triumph ohne Sieg“. Roms Ende in Germanien. LWL-Römermuseum Haltern, 2. Juni bis 5. November, Di bis Fr 9 bis 17 Uhr, Do bis 19 Uhr, Sa, So und Feiertage 10 bis 18 Uhr  | www.lwl.org/ triumph-ausstellung

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