Di., 04.07.2017

Kirchenrechtler Ulrich Rhode erläutert die Kurienreform Es wird noch länger dauern

Ulrich Rhode im Juridicum in Münster

Ulrich Rhode im Juridicum in Münster Foto: Johannes Loy

Münster - 

Nein, einen „Durchbruch“ hat es bei der Kurienreform im Vatikan noch nicht gegeben. Der seit 2013 tagende neunköpfige Kardinalsrat, dem auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, angehört, wird weiter tagen. Immerhin ein kleines, wenn auch nur wenig euphorisierendes Resümee zog der Kirchenrechtler und Jesuit Ulrich Rhode, Professor an der Gregoriana in Rom, gestern vor einer überschaubaren Schar Theologen und Juristen im Juridicum in Münster: Der Finanzapparat des Vatikans werde nun aufwendiger und gründlicher kontrolliert. Effizienter als früher arbeite auch die zur Glaubenskongregation zählende neu aufgestellte Fachabteilung zur Aufklärung von Missbrauchsfällen durch Kleriker.

Von unseremRedaktionsmitgliedJohannes Loy

Sichtbar ist nach Auskunft Rhodes, dass der Papst die Kurie effizienter gestalten will. Dazu wurden schon etliche Dienste zu größeren Dikasterien zusammengefügt. So entstand ein neues „Ministerium“ für Laien und Familie, vier Ämter mit unterschiedlichen Facetten der Caritas wurden ebenfalls zu einer neuen Behörde zusammengefügt. Vorteil: Die Arbeit werde gebündelt, Zusammenkünfte der Leiter mit dem Papst könnten in kürzeren Abständen stattfinden. Eindeutig ist nach Rhodes Ausführungen die Zielrichtung des Papstes, Laien und vor allem auch Frauen in die Leitungsebene der Kirche zu holen. Wo früher automatisch Kleriker das Sagen hatten, sollen künftig auch Laien die Schalthebel bedienen dürfen.

Bei alledem mahnte der Jesuit und Kirchenrechtler aus Rom abschließend auf entsprechende Fragen zur Nüchternheit: „Die Reform der Kirche ist ein anderes Thema. Dazu gehört ein jeder von uns!“ Die Kurienreform, so die Quintessenz des Vortrags, sei ein vor allem an praktischen Fragen der Effizienz orientiertes Vorhaben: Man dürfe auch Kurienmitarbeitern nicht per se einer Kurie als „Hofstaat“ zurechnen, warb der Referent um Verständnis. Gerade die von den Ortskirchen nach Rom gesandten Mitarbeiter seien motiviert und stünden den Reformen des Papstes mit Sympathie gegenüber. Wie überall gebe es in der Kurie individuelle Unterschiede, meinte er mit Blick auf die bekannten medialen Berichte über Bremser im Vatikan.

Ob das Prinzip der Rotation nach fünf Jahren bei Kardinal Gerhard Ludwig Müller jetzt konsequent angewendet wurde und dessen Entlassung Teil der Reform sei? Bei dieser Frage setzte der Referent in Kenntnis der Berichte über ein tieferes Zerwürfnis zwischen Franziskus und Müller sein Pokerface auf. Rotation könne frischen Wind bringen, allerdings könne auch Erfahrungswissen verloren gehen. Die Frage, wie mehr Laien in Rom Verantwortung übernehmen können, scheitert aus deutscher Perspektive vielfach schon an der Aussicht, dort deutlich weniger zu verdienen und familiär in die Bredouille zu geraten.

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