Do., 13.07.2017

Fabrizio Ventura: Abschied des Generalmusikdirektors Nächtlicher Spuk und heller Morgen

Zwischen Theater und Aasee: Für Fabrizio Ventura sind in Münster die Tage des Abschieds gekommen. Am kommenden Samstag dirigiert er bei den AaSeerenaden Ottorino Respighis Rom-Triptychon.

Zwischen Theater und Aasee: Für Fabrizio Ventura sind in Münster die Tage des Abschieds gekommen. Am kommenden Samstag dirigiert er bei den AaSeerenaden Ottorino Respighis Rom-Triptychon. Foto: Jürgen Christ

Münster - 

Es waren zehn gute Jahre für Münsters Kultur-, Theater- und Musikszene. In diesen Tagen stehen für Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura die letzten Konzerte mit dem Sinfonieorchester an. Im Theater Münster und bei den AaSeerenaden. Vorerst aber bleibt der gebürtige Römer, der zunächst frei arbeiten wird, der Stadt Münster weiterhin verbunden.

Von unseremRedaktionsmitgliedHarald Suerland

Gustav Mahler, der grandiose Opernkapellmeister, hat selbst keine Oper geschrieben. In seinen Sinfonien aber scheinen sich mitunter ganze Szenen vor dem Ohr des Zuhörers abzuspielen – gerade in Stücken, die nicht auf die menschliche Stimme zurückgreifen. Fabrizio Ventura hat es jetzt in seinem letzten Sinfoniekonzert als Generalmusikdirektor mit Mahlers Siebter noch einmal auf begeisternde Weise vorführte.

Nächtliche Szenen sind es in diesem Stück, weshalb ihm ja auch gern der Titel „Lied der Nacht“ angeheftet wird. Und dass die erste der beiden zentralen „Nachtmusiken“ mit ihren Hornrufen und Vogelstimmen tatsächlich Rembrandts faszinierend-geheimnisvolle „Nachtwache“ heraufbeschwören kann, wurde im gestischen Spiel des Orchesters deutlich, in dem Ventura die verschiedenen musikalischen Gestalten prägnant von­einander abheben ließ.

Eigentlich ist Fabrizio Ventura ja ein Freund der klar strukturierten, gern auch straffen Tempi, wie er gleich zu Beginn in den rhythmisch akzentuierten Streicherfigurationen des Kopfsatzes zeigte: Da war kein dunkles Raunen zum Solo des Tenorhorns, sondern Deutlichkeit und Biss. Selbst bei den Trompetensignalen, die die große Traumsequenz einleiten, behielt Ventura diese Strenge noch bei – erst mit dem Aufrauschen der Harfen ließ er zu Mahlers Anweisung „sehr breit“ der schwelgerischen Stimmung Raum. Doch nach der mächtigen Wiederkehr des Hauptthemas strebte der Satz geradezu unerbittlich seinem Finale entgegen,

Für sein letztes Sinfoniekonzert (neben der Respighi-Aufführung am Samstag bei den AaSeerenaden) hatte sich Ventura eine satte Orchesterbesetzung auf dem Klangfundament von acht Kontrabässen gegönnt – das Sinfonieorchester Münster wurde vom Orchester der Musikhochschule perfekt ergänzt. Das bühnenfüllende Ensemble sorgte für genügend Wucht und, wo nötig, deftigen Bombast: Mahler hat ja seinen taghell gleißenden Finalsatz, den Spötter schon als „Operettenfinale“ bezeichnet haben, mit der vielsagenden Bezeichnung „Allegro ordinario“ versehen. Doch vor diesem herrlichen Tschingderassa stehen ja noch das schattenhafte Scherzo und die zweite Nachtmusik. In beiden Sätzen führte Fabrizio Ventura seine detailbewusste Interpretationslinie der ersten Nachtmusik fort, hob etwa im Scherzo die volkstümelnde Melodik der Streicher hervor – erneut mochte man sich als Zuhörer fragen, welche nächtlichen Gestalten da wohl über die Klangbühne huschen. Und in der zweiten Nachtmusik waren Mandoline und Gitarre deutlicher zu vernehmen als in manch anderer Interpretation. Zusammen mit dem extrem fein spielenden Orchester sorgten sie für einen lieblich-heiteren Serenadenton, den Ventura zäsurlos in das Pomp-Finale übergehen ließ – eine kleine Reminiszenz auch an Mahlers populäre Fünfte.

„Der Satz ist theatralisch: So blau ist nur der Bühnenhimmel über der allzu benachbarten Festwiese“, schrieb der große Mahler-Bewunderer Adorno einst. Mit den augenzwinkernden Meistersinger-Anklängen und einem hingebungsvoll ausgekosteten Schluss-Ritardando sorgte Fabrizio Ventura für imaginäres Theater in orchestralen Klängen und zugleich für einen tollen Ausklang seiner zehnjährigen Amtszeit als münsterscher Generalmusikdirektor. Seiner Aufforderung zum Sektempfang im Foyer kam eine große Zahl der begeistert applaudierenden Zuhörer nach.

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Bei den AaSeerenaden (14. bis 16. Juli) ist das Sinfonieorchester mit einem Respighi-Programm am Samstag um 21 Uhr zu hören.

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