Mi., 13.09.2017

Oberste Kulturfrau Monika Grütters vier Jahre im Amt

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU)ist seit vier Jahren im Amt.

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU)ist seit vier Jahren im Amt. Foto: Maurizio Gambarini

Kulturpolitik ist in Deutschland Sache der Länder. Trotzdem werden auch die kulturellen Aufgaben des Bundes immer wichtiger. Wie hat Staatsministerin Monika Grütters ihre Sache gemacht? Eine Bilanz zur Wahl.

Von dpa

Berlin (dpa) - «Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien» - der Titel ist sperrig, aber das Amt findet Monika Grütters wunderbar. Seit vier Jahren ist die umgängliche und offenbar stets gut gelaunte CDU-Politikerin Deutschlands oberste Kulturfrau.

Und möchte nach der Bundestagswahl am 24. September nur allzu gern wieder in ihr Büro im Kanzleramt einziehen. «Vier Jahre sind einfach sehr kurz, wenn man viele Ziele hat», sagt die 55-jährige Münsteranerin in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Die Bilanz ihrer Amtszeit kann sich durchaus sehen lassen. Grütters ist in der Szene bestens vernetzt. In ihrer kommunikativen Art plaudert sie mit Hollywoodstars genauso locker wie mit dem Museumswärter. Und sogar mit den Bundesländern, die in Deutschland peinlich genau auf ihre Kulturhoheit achten, hat sie einen praktikablen Weg des Dialogs gefunden.

Den größten Respekt holte sich die studierte Literatur- und Kunstwissenschaftlerin vielleicht ausgerechnet mit dem Thema, für das sie die meisten Prügel einstecken musste. Im vergangenen Jahr setzte sie das Gesetz zum besseren Schutz von Kulturgütern durch. Es soll national wertvolle Kunst vor der Abwanderung ins Ausland schützen und den illegalen Handel mit Kunstschätzen aus Kriegs- und Krisengebieten eindämmen.

Auch das Trommelfeuer der Kritik von Sammlern und Händlern und sogar die Konfrontation mit Künstlerstar Georg Baselitz ließen sie nicht einknicken. Inzwischen ist der Widerstand verstummt. «Wenn ich zu einer Überzeugung gekommen bin und glaube, sie gut begründen zu können, dann bleibe ich auch dabei», sagt sie. 

Das heißt allerdings auch, dass sie gelegentlich eine Beharrlichkeit an den Tag legt, die an Kompromisslosigkeit grenzt - wie etwa bei den mühseligen Verhandlungen zum Hauptstadtfinanzierungsvertrag. Das auf zehn Jahre angelegte Millionenpaket kam trotzdem unter Dach und Fach. Der Bund wird danach künftig die Berliner Philharmoniker und die Opernstiftung mit unterstützen.

Internationale Aufmerksamkeit erregte die CDU-Politikerin, als sie nach dem spektakulären Fund der Gurlitt-Sammlung in München 2015 das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg ins Leben rief - ein Zeichen, dass Deutschland mit der Erforschung von NS-Raubkunst seine historische Verantwortung ernst nimmt.

Ein Lieblingskind der Kulturobersten bleibt nach wie vor der Film. Mit rund 180 Millionen hat sich der jährliche Förderetat in dieser Legislaturperiode mehr als verdoppelt. «Es waren vier gute Jahre», sagt Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, der Spitzenorganisation der Bundeskulturverbände.

Die im Wahlkampf konkurrierende SPD spricht dagegen von einer «durchwachsenen Bilanz». Grütters habe den Koalitionsvertrag zwar ordentlich abgearbeitet, aber keine langfristig wirkenden Konzepte entwickelt, sagt die stellvertretende SPD-Fraktionschefin und Kulturexpertin Eva Högl. «Das ist eine vertane Chance.»

Tatsächlich stehen die ganz großen Bewährungsproben noch aus. So ist zwar für das Museum der Moderne in Berlin mit dem Schweizer Starduo Herzog & de Meuron ein prestigeträchtiges Architekturbüro gekürt, aber die Umsetzung des 200-Millionen-Euro-Projekts birgt noch viele Fallstricke.

Auch das von Grütters wenig geliebte Denkmal zur Erinnerung an die deutsch-deutsche Wiedervereinigung, von Berlinern Einheitswippe genannt, harrt noch seiner Vollendung. Der Bundestag hatte sich im vergangenen Jahr ein entwürdigendes Hin- und Her darum geliefert. Trotz zehnjähriger Debatte gibt es bis heute nicht einmal einen Termin zur Grundsteinlegung.

Und schließlich fehlt für das Humboldt Forum im Berliner Schloss noch das vielbeschworene «Konzept aus einem Guss». Schon ist für das ambitionierteste Kulturprojekt des Bundes (Kosten: 600 Millionen Euro) ein Start in Etappen im Gespräch. Und die neu aufgebrochene Debatte um den Umgang mit der kolonialen Vergangenheit der dort geplanten völkerkundlichen Sammlung zeigt, wie viel bis zum Starttermin 2019 noch zu tun ist.

Freilich: Ob Grütters diese Aufgaben stemmen kann und darf, hängt zunächst vom Ausgang der Wahl ab. Als neue Vorsitzende der zerstrittenen Berliner CDU ist sie zwar wieder Spitzenkandidatin der Partei. Doch weil den Umfragen zufolge dieses Mal mehr Parteien in den Bundestag einziehen, kann es mit der Liste eng werden.

Und Kulturbeauftragte ohne Bundestagsmandat? Das gab es nach der Schaffung des Amtes 1998 mit Michael Naumann, Julia Nida-Rümelin und Christina Weiss bereits drei Mal. Grütters' unmittelbarer Vorgänger Bernd Neumann (CDU) hat aber bewiesen, dass Erfahrung im parlamentarischen Strippenziehen höchst hilfreich sein kann.

Und schließlich müsste die neue Regierungskoalition ja auch noch so aussehen, dass die Union überhaupt Anspruch auf das Amt erheben kann. Viele Fragezeichen. Grütters gibt sich gelassen: «Ich werde der Kultur treu bleiben, keine Sorge.»

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