Die Opernpremiere „Don Carlo. Ein Requiem“ bot ein weitgehend stimmiges Experiment
Abgesang auf einen Mächtigen

Münster -

Buhrufe fürs Regieteam? Die sind eher selten in Münsters Opernpremieren. Umso bemerkenswerter, dass sie ausgerechnet dem Intendanten Dr. Ulrich Peters und seinen Ausstattern nach Verdis „Don Carlo“ entgegenschallten. Was hatten sie getan?

Sonntag, 08.10.2017, 14:10 Uhr

Don Carlo (Garrie Davislim, l.) zückt das Schwert gegen den eigenen Vater König Philipp (Stephan Klemm). Das geht nicht gut aus.
Don Carlo (Garrie Davislim, l.) zückt das Schwert gegen den eigenen Vater König Philipp (Stephan Klemm). Das geht nicht gut aus. Foto: Oliver Berg

Als der neue Generalmusikdirektor Golo Berg zu Beginn im dunklen Orchestergraben den Taktstock hob, erklang zunächst gar nicht Verdi : Glockenklänge leiteten den fernen Chorgesang eines Requiems ein. Geschrieben hat es der russisch-deutsche Komponist Alfred Schnittke einst als Schauspielmusik für Schillers „ Don Karlos“, und in Münster verklammerte und verwob das Duo Peters /Berg die Oper mit Elementen dieser Totenmesse. „Don Carlo. Ein Requiem“ ist der Abend folglich betitelt – als Abgesang des scheinbar allmächtigen spanischen Königs Philipp II. auf seine Ideale und die geliebten Menschen, die er opfert. Am Ende steht sein kirchlicher Gegenspieler, der finstere Großinquisitor, in herrischer Geste am Grabhügel des Bühnenbildes.

Das Theater Münster in Bildern

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  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Szene aus "Gloria".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Theater um 1956

    Foto: Erwin Schwarzer (Wiesbaden), Städtische Bühnen Münster
  • Götz Alsmann beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Szene aus dem Stück "Gloria"

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Beim 10. Sinfoniekonzert am 5. Juli 2016 im Theater Münster spielen das Sinfonieorchester Münster, das Philharmonische Orchester Hagen, der Konzertchor Münster und die Capella Vocale Münster unter der Leitung von Fabrizio Ventura die Sinfonie Nr.2 c-Moll von Gustav Mahler.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Theater von außen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Generalmusikdirektor Golo Berg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 30. März 2013 ist der Sänger Tim Fischer mit seinem Programm "Zarah ohne Kleid" zu Gast im Großen Haus des Theaters Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Podiumsdiskussion am 29. April 2013 im Kleinen Haus des Theaters Münster zum Auftakt der Diskussionsreihe "Wie viel Kultur braucht eine Stadt - und wozu?" (von links): Kathrin Tiedemann (Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Forum Freies Theater, Düsseldorf), Prof. Dr. Ulrike Haß (Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Theaterwissenschaft,
    Ruhr-Universität Bochum), Prof. Ulrich Khuon (Intendant des Deutschen Theaters Berlin/Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein), Stefan Keim (Westdeutscher Rundfunk/WDR, Köln), Dr. Hans-Georg Küppers (Kulturreferent der Stadt München/Vorsitzender des Kulturausschusses des Deutschen Städtetags), Matthias Lückertz (Vorsitzender der Kaufmannschaft Münster/Vorsitzender der »Initiative Starke Innenstadt Münster e.V.«) und Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg (Direktor der Katholisch-sozialen Akademie Franz Hitze Haus, Münster/ MDL).

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 20. Mai 2013 geben Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys ein Konzert im Theater Münster, Großes Haus. Das Programm trägt den Titel "Musik für schwache Stunden...".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der damalige Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2015.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Neujahrskonzert am 1. Januar 2015 mit Götz Alsmann und der Alsmann-Band, der Sopranistin Henrike Jacob, Fabrizio Ventura und dem Sinfonieorchester der Stadt Münster im Theater Münster / Großes Haus.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Neujahrskonzert am 1. Januar 2015 mit Götz Alsmann und der Alsmann-Band, der Sopranistin Henrike Jacob, Fabrizio Ventura und dem Sinfonieorchester der Stadt Münster im Theater Münster / Großes Haus.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 22. Oktober 2015 ist Frank Goosen mit dem Programm "Durst und Heimweh - Geschichten von unterwegs" zu Gast im Kleinen Haus des Theater Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 24. Oktober 2015 ist Ulrike Kriener mit dem Programm "Und wenn es Liebe wär'..." im Kleinen Haus des Theaters Münster zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nur noch Formsache waren im August 2015 die Unterschriften unter dem Vertrag: Bis Ende der Spielzeit 2021/22 bleibt Dr. Ulrich Peters (l.) Generalintendant in Münster. 

    Foto: Presseamt Münster/ MünsterView / Witte
  • Beim 10. Sinfoniekonzert am 5. Juli 2016 im Theater Münster spielen das Sinfonieorchester Münster, das Philharmonische Orchester Hagen, der Konzertchor Münster und die Capella Vocale Münster unter der Leitung von Fabrizio Ventura die Sinfonie Nr.2 c-Moll von Gustav Mahler.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Beim 10. Sinfoniekonzert am 5. Juli 2016 im Theater Münster spielen das Sinfonieorchester Münster, das Philharmonische Orchester Hagen, der Konzertchor Münster und die Capella Vocale Münster unter der Leitung von Fabrizio Ventura die Sinfonie Nr.2 c-Moll von Gustav Mahler.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der damalige Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der damalige Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Gebäude bei Nacht im Februar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Gebäude bei Nacht im Februar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Robert Atzorn liest mit Angelika Atzorn "Arthur und Adele", Kleines Haus im Theater Münster am 10. Februar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Thorsten Schmid-Kapfenburg, 2. Kapellmeister am Theater Münster,

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Dr. Ulrich Peters beim Pressegespräch im Theater Münster am 1. März 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Pressegespräch im Theater Münster am 1. März 2017. Hintere Reihe v.l. Intendant Dr. Ulrich Peters, Schauspieldirektor Frank Behnke, Julia Dina Hesse (Leiterin Junges Theater), Generalmusikdirektor Golo Berg (ab Saison 2017/18)
    Vordere Reihe v. l. Hans Henning Paar (Künstlerischer Leiter Tanztheater), Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann, Operndirektorin Susanne Ablass

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Stefan Veselka, 1. Kapellmeister am Theater Münster

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Gebäude um 1956.

    Foto: © Stadtmuseum Münster, Sammlung Heller
  • Linn Sanders (oben), Bálint Tóth, Carolin Wirth in "Ronja Räubertochter".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Claudia Hübschmann, Linn Sanders, Andrea Spicher in "Demut vor deinen Taten, Baby".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Ilja Harjes und Hubertus Hartmann in "La Révolution #1 - Wir schaffen das schon".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Christian Bo Salle und Bálint Tóth, Statisterie in "La Révolution #1 - Wir schaffen das schon".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Mirko Roschkowski, Gregor Dalal und Sebastian Campione in "Der Freischütz".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Foto: Oliver Berg
  • Foto: Oliver Berg
  • Maria Bayarri Pérez und Keelan Whitmore in "Back, Immortalis".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster

Es ist ein Experiment, das weitgehend stimmig wirkt und mit dem das Haus zudem einen Gegenentwurf zur legendären „Don Carlo“-Produktion von Humburg und Hilsdorf bietet, die so fest im kollektiven Gedächtnis des münsterschen Opernpublikums sitzt. An einer Stelle jedoch, nämlich nach dem Autodafé-Bild des zweiten Akts, dämpft Schnittkes Musik die Finalwirkung Verdis erheblich. Ansonsten sind die Passagen des Requiems als innere und äußere Stimmen, die den König bedrängen, passend eingefügt.

Das fantastische Bühnenbild von Rifail Ajdarpasic erweist sich ebenfalls für diese große Chorszene als schwierig: Der geheimnisvolle Einheitsraum, dessen wuchtige Türen sich gefängnisgleich schließen können und dessen Lichtschächte ein wenig an das grandiose Skulpturprojekt in der Eissporthalle erinnern, engt diese Szene merklich ein. Regisseur Ulrich Peters reagiert darauf, indem er Chor und Sänger fast wie für eine konzertante Darbietung positioniert. Ohnehin führt der bekennende Sänger-Fan Peters die Darsteller so, dass sie immer optimal zum Dirigenten und zum Publikum stehen.

Sie danken es ihm mit durchweg erfreulichen Leistungen. So ist Stephan Klemm als König von Spanien, der die Geliebte seines Sohnes geheiratet hat und den Freiheitskämpfer Rodrigo bewundert, nicht nur szenisch Zentrum der Aufführung: Mit samtener Bass-Fülle und feiner Dynamik zeichnet er ein bewegendes Porträt des zweifelnden Machtmenschen. Christoph Stegemann ist mit schlankerem Klang (und ebensolcher Statur) der ideale Gegenspieler.

Der Titelheld dieser Oper hat, zumal in der auch hier gewählten vier-aktigen Version, das Problem, viel singen zu müssen, aber nicht die effektvollsten Nummern zu bekommen (die gehören eher den tiefen Stimmen): Garrie Davislim als neuer Tenor des Hauses macht aus dieser Not eine Tugend und musiziert, auch im Zusammenspiel mit Sopran-Partnerin Kristi-Anna Isene, mit seiner homogen durchgebildeten Stimme variantenreich, ohne zu protzen. Isene singt vor allem die große Arie der Elisabeth sehr bewegend, und es war in der Premiere generell eine Freude zu hören, wie sorgsam Dirigent Golo Berg mit den Möglichkeiten umging, das Verdi-Orchester blitzen und donnern zu lassen: Die Sänger mussten nie dagegen ankämpfen. Eine gute Voraussetzung auch für Bariton Filippo Bettoschi als Rodrigo, der stets mit so großem Engagement spielt und singt, dass man Gefahren für die Stimme ahnt. Monika Walerowicz als Eboli brillierte noch am meisten mit flammenden Spitzentönen, für die es prompt Jubel gab („O don fatale“).

Ein Hingucker sind die farblich sprechenden Kostüme von Ariane Isabell Unfried und, mehr noch, manche Frisuren: Die Haartracht der Hofdamen scheint wild aus dem strengen Hofzeremoniell auszubrechen, und die weiße Mähne des Großinquisitors lässt ihn wie einen Todesengel daherkommen.

Termine

Nächste Aufführungen am 12., 15., 18. und 31. Oktober 2017.

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Sollten die Buhs also nicht der Szene, sondern dem Experiment Verdi/Schnittke gegolten haben, so muss auch Dirigent Golo Berg daran teilhaben, der zunächst Beifall erntete und sich später gemeinsam mit Ulrich Peters zeigte. In einem Punkt jedoch herrschte komplette Übereinstimmung: Der von Inna Batyuk einstudierte Chor machte seine Sache gerade in der Requiem-Musik fabelhaft.

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