Fr., 13.10.2017

Zwischen Kunst und Leben „Der letzte Vorhang“ wird im Borchert-Theater umjubelt

Das alternde Schauspielerpaar (Monika Hess-Zanger und Jürgen Lorenzen) träumt von früheren Erfolgen.

Das alternde Schauspielerpaar (Monika Hess-Zanger und Jürgen Lorenzen) träumt von früheren Erfolgen. Foto: Tanja Weidner

Münster - 

Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst. Aber wo sich Kunst und Leben leidenschaftlich verschränken, können sogar Schiller-Zitate ins Leere laufen. Auch auf der Bühne des Borchert-Theaters, wo ein Schauspieler-Paar an der Schwelle zum Herbst des Lebens ein letztes Mal mit dem Erfolgsstück seiner Jugend auftreten will. Und das hatte was: Schauspieler, die Schauspieler spielen; ein Stück im Stück; abrupte Rollenwechsel und Sprünge zwischen Kunst und Leben. „Der letzte Vorhang“ heißt das Stück der preisgekrönten niederländischen Autorin Maria Goos; unter der bewährten Regie Meinhard Zangers feierte es umjubelte Premiere. Dafür garantierten, hinreißend auftrumpfend, Monika Hess-Zanger und Jürgen Lorenzen.

Von unseremMitarbeiterArndt Zinkant

Die ergrauten Borchert-Mimen prangten, jugendlich gemalt, auf einem „Hollywood-Plakat“ in der Pose Clark Gables und Vivien Leighs (Bühne: Ebenfalls Meinhard Zanger). Kein Wunder, ist ihre Liebe doch längst vom Winde verweht, und oben fragt die Schrift: „Wer hat Angst vor dem Schmerz?“ Es hätte auch „Virginia Woolf“ heißen können, denn der Verweis auf das Parade-Stück des Paares Taylor/Burton ist überdeutlich. Wie im echten Leben einst Richard Burton ist auch Richard van Berkhoven ( Jürgen Lorenzen) ein Mime, dessen Karriere ziemlich den alkoholischen Bach runtergegangen ist. Seine Trunksucht manifestiert sich auf der Bühne in zig leeren Flaschen.

Diesen Ruhm soll seine langjährige Bühnenpartnerin Lies Tinberge ( Monika Hess-Zanger) neu entfachen. Nachdem zwei mediokre Miminnen (die Hess-Zanger kurz und knackig ebenfalls spielt) von Richards Zynismus vergrault wurden, lässt Lies sich überreden, mit ihm jenes Stück zu spielen, mit dem beide schon auf der Schauspielschule glänzten. Lies ist mittlerweile mit einem Kunst sammelnden Frauenarzt verheiratet (dessen bourgeoise Attitüde Lorenzen göttlich parodiert). Das Zusammentreffen des Bühnenpaars, das im Leben nie wirklich zusammenkam, entfacht einen Strudel der Gefühle: Was ist im Leben von Wert? Gibt es doch noch eine letzte Chance die eine große Liebe?

Dass all das nicht neu ist, weiß die Autorin Goos genau und konzentriert sich ganz auf die präzise Personen-Zeichnung und die galligen Dialoge. Hier schenken sich der pompöse Ironiker Jürgen Lorenzen und die lästernde Melancholikerin Monika Hess-Zanger nichts. Pralles Theater mit Witz und Tiefgang.

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