So., 26.11.2017

Niederdeutsche Bühne feiert mit „Dat Geld ligg up de Bank“ eine muntere Premiere Alter Knacker will’s noch mal wissen

Was für ein Erfolg zum 80. Geburtstag: Kunstschlosser Kühne (Hannes Demming) zählt die Scheine aus dem geknackten Tresor. Seine Söhne (Ulrich Tarner, links, und Eckhard Frehe) bestärken den Alten in seiner Freude.

Was für ein Erfolg zum 80. Geburtstag: Kunstschlosser Kühne (Hannes Demming) zählt die Scheine aus dem geknackten Tresor. Seine Söhne (Ulrich Tarner, links, und Eckhard Frehe) bestärken den Alten in seiner Freude. Foto: Oliver Berg

Münster - 

Münsters Sparer müssen sich Sorgen machen: Ein eifriger Tresorknacker geht um. So erzählt es die Niederdeutsche Komödie „Dat Geld ligg up de Bank“. Am Samstag feierte die Niederdeutsche Bühne Premiere im fast komplett gefüllten Kleinen Haus des Theaters Münster.

Von unseremMitarbeiterAndreas Hasenkamp

Um einen Harkenzinken hätte der Kommissar ihn damals gefasst, den „Kunstschlosser“ Kühne (voller Energie: Hannes Demming), der ein leidenschaftlicher Tresor-Handwerker mit Arbeitsethos ist. Mit dem Versprechen vor Gott, 40 Jahre Tresoren fernzubleiben, rettet sich Kühne, Ehemann und Vater zweier von ihm „angelernter“ Söhne.

Schlicht ist die Kulisse, Wohnzimmer und Treppe, Heimstatt des schwer sein Geld verdienenden Kunstschlossers. Sie bleibt über die versprochenen vier Jahrzehnte Abstinenz Heimstatt. Kanzler kommen und gehen vom Deutschen Herbst mit Helmut Schmidt bis zu Angela Merkels „Wir schaffen das!“ Die Kulisse bleibt, der Kunstschlosser bleibt und langt schließlich im digitalen Zeitalter an.

Bis zum 80. Geburtstag hat der Ehrenmann sein Wort gehalten, nun will er wieder „eine kleine, süße Bank“ angehen – mit seinen Söhnen (Ulrich Tarner und Eckhard Frehe). Diese, inzwischen in bürgerlichen Berufen arriviert, hätten da eine Bank für ihren alten Herrn, linken ihn mit einem Diebstahl, der keiner ist – beziehungsweise nur ein gefahrloser. Das schaffen sie auch, bis der aufs Medienecho noch immer erpichte Papa erfährt, was wirklich lief, und sich in die Sparte „Deutschlands dümmste Einbrecher“ einsortiert sieht. Schon ist er wieder in voller Fahrt und, inzwischen digitalisiert, nicht zu bremsen – für die nächste Runde, die nicht die letzte sein muss. Er weiß die Bankdirektorin (Heike van Schrick) für sich einzusetzen, ebenso den Alarmanlagen-Vertreter (typgerecht: Bernd Artmann). Ob ihm des Kommissars Sprössling (Franz Strukamp), mit seiner Tochter investigativ verbandelt, ihm in die Suppe spuckt? An Spannung ist das Stück reich, immer wieder kommt Überraschendes um die Ecke – obwohl die Regie den Zuschauer mehr wissen lässt als den einzelnen Akteur. Mit Liebe zum schauspielerischen Detail malen die Darsteller ihre Rollen aus. Das genaue Hinschauen und Hinhören lohnt sich.

Das Publikum der Premierenvorstellung ist aufmerksam, auch etliche junge Gäste können offensichtlich gut folgen, es reagiert flink und mit freudigem Lachen und auch mal mit Zwischenapplaus. Der Schlussapplaus ist lang. Er schwillt noch einmal an für einen 40-Jährigen mit Brechstange – dann auch für Regisseur Cornelius Demming und sein Team, und ihre erste Inszenierung für die Niederdeutsche Bühne.

Curth Flatows turbulentes Theaterstück, das seine Erstaufführung 1968 in Berlin feierte, erlebt hier eine behutsame Modernisierung mit Blick für das Wesentliche. Wie immer treffsicher ins Münsterländer Platt übertragen hat es Hannes Demming.

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Nächste Aufführungen: 3., 10. und 28. Dezember  | www.niederdeutsche- buehne-muenster.de

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