„Frühstück bei Monsieur Henri“: Premiere im Boulevard Münster
Schmackhafter Bühnen-Cocktail

Münster -

Das Boulevardtheater bleibt seinem Erfolgsrezept der letzten Jahre treu. Einmal mehr setzt Chefin und Regisseurin Angelika Ober auf den bittersüßen Charme einer erfolgreichen Kinokomödie und lässt den krachledernen Boulevard-Humor alter Schule außen vor. Warum auch nicht? „Frühstück bei Monsieur Henri“ hat das Herz auf dem rechten Fleck – und bietet außerdem jene frivole Prise „Oh là là“, die eben nur französischen Autoren wie Yvan Calbérac aus der Feder fließt. Was auf der Leinwand prächtig funktionierte, funktionierte am Freitag ebenso auf der Bühne in der Königspassage. Viel Begeisterung für das Ensemble und die Regisseurin.

Sonntag, 18.03.2018, 15:03 Uhr

Studentin Constance (Miriam Hornik) hat Ravioli aus der Dose gemacht. Da kann die verhasste Schwiegertochter (Sylvia Agnes Muc) nur die Nase rümpfen. Paul (Magnus Heithoff) ahnt nicht, was sein Vater (Roland Heitz, l.) im Schilde führt.
Studentin Constance (Miriam Hornik) hat Ravioli aus der Dose gemacht. Da kann die verhasste Schwiegertochter (Sylvia Agnes Muc) nur die Nase rümpfen. Paul (Magnus Heithoff) ahnt nicht, was sein Vater (Roland Heitz, l.) im Schilde führt. Foto: Peter Pittermann

Er ist ein griesgrämiger Misanthrop, dieser Monsieur Henri (Roland Heitz). Seit dem Tod seiner Frau hat er sich 30 Jahre lang eingeigelt und verpanzert. Zu lange, findet sein Sohn Paul (Magnus Heithoff) – der ihm die frech-fröhliche Studentin Constance (Miriam Hornik) auf die Bude hetzt, die so verzweifelt auf Wohnungssuche ist, dass sie auch den alten Grantler in Kauf nimmt.

Dass die junge Frau den Grantler-Panzer durchbrechen und Henris Herz zum Schmelzen bringen wird, ist von dem Moment an klar, als Constance ihre vorwitzige Nase durch den Türspalt steckt. Aber auf dem Weg dorthin gibt es etliche überraschende Schlenker. Der graue Filou erkennt nämlich, dass ihm ein Joker in die Hände gespielt wurde, um noch mal kräftig Schicksal zu spielen. Wer ein echter Patriarch ist, gibt sich nicht mit einer nervigen Schwiegertochter wie jener zufrieden, die ihm der Blässling Paule ins Haus geschleppt hat.

Ganz klar: Hätte der brave Filius mehr Selbstbewusstsein, hätte er sich mit der Plaudertasche Valérie (schön affektiert: Sylvia Agnes Muc) nie abgefunden. So macht Henri Constance ein unmoralisches Angebot: Wenn sie seinen Sohn bezirzt und dessen Ehe auseinanderbringt, spart das Pleite-Fräulein sechs Monate Miete. Oh là là!

Was im echten Leben eine Katastrophe ergäbe, ergibt auf der Boulevard-Bühne einen schmackhaften Cocktail aus Sehnsüchten, geplatzten Träumen und neuen Hoffnungen. Einmal mehr drückt Roland Heitz einer Rolle seinen persönlichen Stempel auf, Miriam Hornik setzt ganz auf sympathisch mädchenhaften Charme. Der Kinofilm punktete übrigens mit dem aparten, sehr französischen Soundtrack von Laurent Aknin.

Kein Wunder, dass Angelika Ober diesen zwischen den Szenen ebenfalls einspielt. Oh là là!

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