Mi., 19.10.2016

Medien Hirngespinster

Medien : Hirngespinster

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Wie viel Wahnsinn verträgt der Mensch? Oder anders gefragt: Ab wann wird die Schizophrenie in einem Menschen gefährlich für ihn selbst und für andere? Spannendes Thema für einen Fernsehfilm.

Von dpa

Berlin (dpa) - Eine kleine Familie mit zwei Kindern irgendwo in Deutschland. Alles scheint friedlich zu sein im netten Eigenheim. Doch das trifft leider nicht ganz zu.

Mit dem Vater stimmt etwas ganz und gar nicht. Darum geht es in dem Familiendrama «Hirngespinster». Der Film über Schizophrenie läuft am Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten.

«Wenn Du dem Wahnsinn entkommen willst, dann musst Du ihm vorauseilen», sagt der fast 23-jährige Simon (Jonas Nay) zu Beginn des Filmes, und er fügt noch hinzu: «Ich lebe in einem Irrenhaus». Genauer ist damit sein Vater Hans (Tobias Moretti) gemeint, der unter Verfolgungswahn leidet.

Anfangs demoliert er nur die Satellitenschüssel auf dem Dach des Nachbarhauses (weil er glaubt, dass man ihm «mit Strahlen Ideen klaut»). «Knusper knusper Knäuschen, wer knabbert an meinem Häuschen», sagt er daraufhin zu dem Nachbarn, der mit der Polizei anrückt. Die kann zunächst nichts machen. Aber dann geht Hans auf Handwerker und die eigene Familie los, zu der noch seine Frau Elli (Stephanie Japp) und seine kleine Tochter Maja (Ella Frey) gehören. Vor ihren Augen und denen der Nachbarn wird Hans abgeführt und in die Psychiatrie eingeliefert, mit der späteren Diagnose Schizophrenie.

Simon liebt seinen Vater sehr und stellt sich immer wieder vor ihn. Doch gleichzeitig hat er Angst, dass er auch die Krankheit seines Vaters in sich trägt. Er bemüht sich, die Familie zusammenzuhalten, aber Hans, der sich von Elli hintergangen fühlt, droht nach seiner Entlassung aus der Klinik mit der Scheidung, was die Familie endgültig sprengen würde. Dann lernt Simon die etwas jüngere Verena (Hanna Plaß) kennen, und er verliebt sich in sie. Bisher hat er sich seinem Leben kaum gestellt, doch nun muss er eine Entscheidung treffen: Will er weiterhin für andere da sein, oder will er endlich seinen eigenen Weg gehen?

Jonas Nay (26, «Deutschland '83», «Homevideo») zeigt hier einmal mehr, was er auf dem Kasten hat. Die innere Zerrissenheit seiner Figur macht er - mit stellenweise leeren Blicken und dann wieder kämpferischen Momenten - geradezu beängstigend deutlich. Hier das Verantwortungsgefühl für seinen Vater, dort sein erstes Verliebtsein. Am Ende trifft er die dringend notwendige Entscheidung für seine Zukunft selbst.

Kürzlich verkündete der Schauspieler und Musiker das Ende seiner Band «Northern Lights», doch jetzt hat er sich mit seinen drei Kumpels unter dem Namen «Pudeldame» neu aufgestellt. Mit der ersten Single «Der Erbe» gehen sie musikalisch und visuell neue Wege.

Aber auch Tobias Moretti (57, «Im Namen meines Sohnes», «Das ewige Leben») liefert eine Glanzvorstellung ab, von leisen Momenten bis hin zu lauten Ausrastern, die noch eine ganze Weile nachwirkt. Er erhielt für seine Rolle des Hans den Bayerischen Filmpreis als bester Darsteller, während Jonas Nay für seine Rolle als Simon mit dem Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet wurde - beide völlig zu Recht. Fast könnte man sich beim Anschauen des packenden Filmes (Regie: Christian Bach) die Frage stellen: Wie viel Wahnsinn steckt wohl in uns allen?

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