Co-Produktion von ARD und Sky
So gut ist die neue Serie «Babylon Berlin»

Berlin -

Ist sie der Beginn einer neuen Ära für das deutsche Fernsehen? Die Erwartungen an die Freitagabend startende Serie «Babylon Berlin» sind riesig. Zu Recht? Eine Antwort in acht Teilen.

Freitag, 13.10.2017, 12:10 Uhr

Der Kommissar und die aufstrebende Sekretärin: Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries).
Der Kommissar und die aufstrebende Sekretärin: Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries). Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017

Berlin (dpa) - Die Erwartungen an «Babylon Berlin» sind hoch. Endlich die ganz große Fernsehserie aus Deutschland. Eine, die international mithalten soll, der Beginn einer neuen Ära. Sie ist mit 38 Millionen Euro rekordverdächtig teuer.

«Babylon Berlin» ist eine Bestsellerverfilmung. Die Krimis von Volker Kutscher haben viele Fans. Ihnen sind die Figuren und Geschichten aus dem 20er- und 30er-Jahre-Berlin ans Herz gewachsen.

1. Ist die Serie gut geworden?

Um es kurz zu machen: Ja. Aber sie funktioniert nicht, wenn man beim Fernsehen bügeln will. Man muss aufpassen und das Handy ein paar Stunden beiseite legen. Dann hat «Babylon Berlin» den Sog, den Serienliebhaber so mögen. Ob sie auch etwas für Fernsehzuschauer ist, die um 20.15 Uhr lieber «Um Himmels willen» gucken, wird sich zeigen. Denn die Serie ist ähnlich komplex wie das 500 Seiten dicke Buch. Wer «Babylon Berlin» schon vor der Premiere sehen durfte, wurde gebeten, nicht zu «spoilern», also zuviel zu verraten. Hauptdarsteller Volker Kutscher findet die Serie «wunderbar». Man habe das Gefühl, im alten Berlin auf der Straße zu sein, den Verkehr zu hören und die Atmosphäre zu spüren. Das könnten viele Zuschauer ähnlich sehen.

2. Worum geht es?

«Babylon Berlin» beginnt im Jahr 1929 mit dem ersten Band, «Der nasse Fisch», der in den zwei Staffeln mit 16 Folgen erzählt wird. Kommissar Rath verschlägt es aus Köln nach Berlin zur Sittenpolizei. Er bekommt es dort mit einem Pornoring zutun - und muss erst noch seine Rolle bei den neuen Kollegen finden.

Natürlich geht es um mehr als den illegalen Pornoring: etwa um das Elend in den Armenvierteln, die Exzesse im Nachtleben und die Arbeit der Polizei in einer Stadt, die brodelt, um historische Ereignisse wie die Straßenschlacht im «Blutmai». Rath hat ein Kriegstrauma, er braucht gegen das Zittern die kleinen Ampullen in seiner Tasche. Seine Kollegin Charlotte Ritter erfährt davon - sie hat aber selbst auch ein Geheimnis.

So sieht „Babylon Berlin“ aus

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  • Die Verfilmung des Bestsellers „Babylon Berlin“ startet am 13. Oktober auf Sky.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) ermittelt...

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  • ...im Berlin des Jahres 1929.

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  • Dabei geht es auch um die Exzesse im Nachtleben.

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  • Auch ein Thema: Die blutig endenden Demonstrationen der Arbeiterbewegung am 1. Mai 1929.

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  • Der Aufwand bei „Babylon Berlin“ war gewaltig.

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  • Hunderte Statisten wurden gesucht.

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  • Mit 38 Millionen Euro ist „Babylon Berlin“ rekordverdächtig teuer.

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  • Eine wichtige Rolle: Liv Lisa Fries als aufstrebende Sekretärin Charlotte Ritter

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  • Auf der Suche nach Arbeit ist die junge Greta (l., Leonie Benesch) in Berlin gestrandet. Dort bittet sie ihre Freundin Charlotte um Hilfe.

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  • Bruno Wolter (Peter Kurth) ist Oberkommissar bei der Sittenpolizei und hält sich nicht immer an die Vorschriften.

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  • Auch Benno Fürmann gehört zum Cast.

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  • Für die Produktion haben sich Sky und das Erste erstmals zusammengeschlossen.

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  • Am 13. Oktober starten zwei Staffeln im Bezahlfernsehen, immer zwei Folgen im Doppelpack.

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  • Ein Jahr später läuft „Babylon Berlin“ in der ARD.

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  • Ins Ausland verkauft sich der Stoff recht gut.

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  • 60 Länder hätten die 16-Stunden-Serie bereits erworben, teilte die Vertriebsfirma Beta Film, die auch an der Produktion beteiligt ist, am Donnerstag in München mit.

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  • Darunter befänden sich unter anderem die USA, Australien, Spanien, Italien, Frankreich, Russland, alle skandinavischen Länder, die Niederlande, Belgien, Kasachstan, Aserbaidschan und die Ukraine.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Sky möchte den Serienboom nutzen: Von Juli bis September hat der Pay-TV-Sender nach eigenen Angaben 90.000 Kunden im deutschsprachigen Raum hinzugewonnen.

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  • Der Konzern baut dabei das Angebot an Eigenproduktionen wie „Babylon Berlin“ weiter aus.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Im Schnitt seien vier Neustarts pro Quartal in diesem Jahr geplant.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Grundlage für die ersten beiden Staffeln ist das 500 Seiten starke Buch „Der nasse Fisch“.

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  • Hauptdarsteller Volker Kutscher findet die Serie „wunderbar“. Man habe das Gefühl, im alten Berlin auf der Straße zu sein, den Verkehr zu hören und die Atmosphäre zu spüren.

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  • Das Team drehte die Serie „Babylon Berlin“ in 180 Tagen an 300 verschiedenen Locations.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Im Potsdamer Studio Babelsberg entstand die „Neue Berliner Straße“, eine beeindruckende Außenkulisse, die viele Impressionen der Stadt zu jener Zeit wiedergibt. Szenenbildner Uli Hanisch (“Das Parfum“, „Ein Hologramm für den König“) entwarf für das Studio einen kompletten Straßenzug.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017

3.  Wo läuft die Serie?

Um das Schwergewicht von Serie zu stemmen, haben sich Sky und das Erste erstmals zusammengeschlossen - ein Wagnis. Am 13. Oktober starten zwei Staffeln im Bezahlfernsehen, immer zwei Folgen im Doppelpack. Wer die Serie antesten will: Über das Streaming-Angebot "Sky Ticket Entertainment" kann man auch «Babylon Berlin» bis Ende November für einen Euro pro Monat verfolgen. Das gilt allerdings nur für Neukunden, alle anderen zahlen 9,99 Euro im Monat für das Online-Angebot, TV-Kunden müssen das Entertainment-Paket von Sky abonnieren.

2018 läuft «Babylon Berlin» in der ARD . Die Erwartungen sind so hoch geschürt, dass ein Flop ein Rückschlag für Deutschland als Fernseh-Land wäre. Die Gefahr ist, dass es wie bei der RTL-Serie «Deutschland 83» läuft: Auch wenn die Kritiken gut sind, garantiert das noch nicht den Erfolg im Fernsehen.

4. Bleibt es bei zwei Staffeln?

Die Serie kann an die sechs Staffeln lang werden, die dritte soll nächstes Jahr entstehen. Die Regisseure Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries sitzen bereits am Drehbuch. Kutscher hat sechs Bücher geschrieben, er plant bis zum Jahr 1938.

Mehr zur Serie

5. Wie ist Volker Bruch («Unsere Mütter, unsere Väter») als Kommissar Gereon Rath?

Die Besetzung passt. Die Figuren der Serie haben bis in die Nebenrollen Tiefgang. Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries), die aufstrebende Sekretärin, ist eine Frauenfigur mit ähnlich hohem Sympathiefaktor wie Peggy in «Mad Men». Ebenfalls stark: Peter Kurth als undurchsichtiger Partner von Gereon Rath oder in den Nebenrollen Fritzi Haberlandt als Pensionswirtin und Jördis Triebel als kommunistische Ärztin.

6. Wie sind Optik und Sound?

Der Aufwand bei «Babylon Berlin» war gewaltig. Hunderte Statisten wurden gesucht, die möglichst ausgemergelt aussehen sollten, passend zu den Jahren rund um die Weltwirtschaftskrise. Im Studio Babelsberg wurden extra Kulissen gebaut - die «Neue Berliner Straße». Kostümbildner, die Maske, Tänzer und Musiker tobten sich aus: Die Serie sieht gut aus und hat einen tollen Sound. Den Ehrgeiz der Macher merkt man schon am Vorspann. Der hat die Coolness der Bauhaus-Schule.

7. Taugt die Serie auch fürs Ausland?

Das deutsche «Tanz auf Vulkan»-Gefühl vor der Nazi-Zeit, das ist dem internationalen Publikum seit «Cabaret» mit Liza Minnelli vertraut. Von finsteren Hinterhöfen bis zum verruchten Varieté «Moka Efti» mit Tänzerinnen im Bananen-Rock: Sehr Berlin ist das alles. Das funktioniert auch im Ausland. «Babylon Berlin» ist nach Angaben der Vertriebsfirma Beta Film schon an 60 Länder verkauft.

8. Wie viel Berlin steckt in der Serie?

Die Stadt zehrt noch heute von Marlene Dietrichs Zeiten - die Serie auch. Die drei Regisseure, Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries, haben den Berlin-Mythos geschickt umgesetzt und auch einiges aus dem Buch geändert. Der Schnodderton der Stadt ist gut getroffen: «Gereon? Wo kommen Sie denn her, aus dem Mittelalter?», fragt Charlotte, als sich der Kommissar mit Namen vorstellt. Nur manche Straßenszene und Autofahrt sehen ein bisschen nach Kulisse aus. Online bietet Sky eine "historische" Berlin-Karte an, auf dem die fiktiven Spielorte der Serie markiert sind.

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