TV-Kritik zum Zweiteiler "Gladbeck"
Beklemmender Auftakt

Münster -

Die handwerklichen Qualitäten sind nicht von der Hand zu weisen: Regisseur Kilian Riedhoff rekonstruierte das Geiseldrama von 1988 im ersten Part des ARD-Zweiteilers "Gladbeck" detailreich in quasi-dokumentarischer Optik. Es gab aber auch Momente mit der Kitsch-Dramaturgie Hollywoods.

Donnerstag, 08.03.2018, 07:03 Uhr

TV-Kritik zum Zweiteiler "Gladbeck": Beklemmender Auftakt
Die Entführer in der Kölner Innenstadt - eine Szene des ARD-Zweiteilers "Gladbeck". Foto: Martin Valentin Menke/ARD Degeto/Ziegler Film/dpa

Eine Straße, Schüsse, MP-Geknatter: Der Vorspann des Fernseh-Dramas "Gladbeck" hätte kaum plakativer sein können. Zu Beginn des ersten Teils aber offenbarten sich die rein handwerklichen Qualitäten des Films, der das Geiseldrama von Gladbeck aus dem Jahr 1988 nacherzählt: Regisseur Kilian Riedhoff und sein Team stürzten sich nicht nur mit Inbrunst auf eine möglichst getreue Ausstattung, sondern erzeugten mit Effekten wie der Wackelkamera und dramatischen Reißschwenks eine quasi-dokumentarische Optik.

Geiseldrama von 1988: ARD-Zweiteiler "Gladbeck"

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  •  Ein Geiseldrama als bizarres Spektakel: Fotografen und TV-Teams umringen die Gladbeck-Entführer in der Kölner Innenstadt.

    Foto: ARD Degeto/Ziegler Film/Martin Valentin Menke
  • Ein Geiseldrama als bizarres Spektakel: Fotografen und TV-Teams umringen die Gladbeck-Entführer in der Kölner Innenstadt.

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  • Der Gladbeck-Entführer Hans-Jürgen Rösner (Sascha Alexander Geršak) droht mit der Waffe.

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  • 16. August 1988: Maskierte überfallen in Gladbeck eine Bankfiliale.

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  • Die Medien berichten über die spektakuläre Geiselnahme: Dieter Degowski (Alexander Scheer) liest über sich in der BILD-Zeitung

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  • Der Innenminister von NRW (August Zirner)

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  • Der NRW-Einsatzleiter (Ulrich Noethen) weiß schon bald, wie gefährlich die Bankräuber sind.

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  • Rösners Freundin Marion Löblich (Marie Rosa Tietjen) wird Teil der Bande.

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  • Rösner (Sascha Alexander Geršak) hat nichts zu verlieren: Der Geiselnehmer inszeniert sich vor den Medienvertretern als knallharter Verbrecher.

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  • Der brutale Rösner (Sascha Alexander Geršak) wirkt auch auf die Polizisten angsteinflößend.

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  • Das Verbrecher-Duo Rösner (Sascha Alexander Geršak) und Degowski (Alexander Scheer, li.) bringt in Bremen einen Bus und die Fahrgäste in seine Gewalt.

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  • Unvorstellbar! Ein Presse-Fotograph (Albrecht A. Schuch) vermittelt zwischen den gereizten Entführern und der abgetauchten Polizeiführung.

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  • Kollektives Versagen: Bremens Kripo-Chef (Martin Wuttke, re.) ist ratlos.

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  • Eine verpasste Chance bei der Rettung der Geiseln: Bremens Innensenator (Stephan Kampwirth) verhindert finale Rettungsschüsse.

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  • Rösners Freundin Marion Löblich (Marie Rosa Tietjen) bewacht die Geiseln.

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  • Geiselnehmer Degowski (Alexander Scheer) ist eine tickende Zeitbombe.

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  • Der NRW-Innenminister drängt seine Mitarbeiter (Ralf Dittrich) auf eine gewaltsame Lösung.

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  • Ein Boulevardjournalist (Arnd Klawitter) steigt zu Geiselnehmer Rösner (Sascha Alexander Geršak) ins Auto.

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  • Journalisten umringen in Köln das Geiselnehmer-Auto mit Rösners Freundin Marion Löblich (Marie Rosa Tietjen).

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  • Die Schattenseite des Sensationsjournalismus: Medienvertreter nehmen keine Rücksicht auf das Schicksal der Geisel Ines (Lilli Fichtner)

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  • Geiselgangster Rösner (Sascha Alexander Geršak) im Fokus der Medienvertreter.

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  •  Ein Boulevardjournalist (Arnd Klawitter) bietet den Geiselnehmer Rösner (Sascha Alexander Geršak) und seiner Freundin und Komplizin Marion Löblich (Marie Rosa Tietjen) an, das Geiselfahrzeug aus der Kölner Innenstadt zu lotsen.

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  • Geiselgangster Rösner (Sascha Alexander Geršak) erzeugt auf der Kölner Domplatte ein bizarres Medienereignis.

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  • Ein Boulevardjournalist (Arnd Klawitter) übernimmt auf der Kölner Domplatte das Kommando.

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  • Degowski (Alexander Scheer) bedroht die Geisel Silke (Zsa Zsa Inci Bürkle) mit geladener Waffe.

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  • Geiselnehmer Degowski (Alexander Scheer) ist unberechenbar.

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  • Der Schwerverbrecher Rösner (Sascha Alexander Geršak) ist bereit zu töten.

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  • Geiselnahme in Gladbeck: Ein Verhandler spielt auf Zeit.

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  • Scharfschützen nehmen die Gladbecker Geiselnehmer ins Visier – dürfen aber nicht abdrücken.

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  • Sensationsgierige Journalisten berichten von der Geiselnahme.

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  • Vom Bus in den PKW: An der niederländischen Grenze wechseln die Geiselnehmer das Fahrzeug.

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  • Polizisten eilen zu einem Banküberfall im nordrhein-westfälischen Gladbeck

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  • Der Gefängnisausbrecher Hans-Jürgen Rösner (Sascha Alexander Geršak) ist brandgefährlich.

    Foto: ARD Degeto/Ziegler Film/Martin Valentin Menke

Autor Karsten Schmidt stellte die widerstreitenden Einschätzungen der Polizeikräfte und Einsatzleiter auf dramatisch wirkungsvolle Weise dar: Die ständige Frage, ob ein Zugriff auf die beiden Räuber möglich sei, ohne ihre Geiseln in der Bank oder später im Auto zu gefährden, war der rote Faden dieser ersten 90 Minuten. Und tatsächlich wurden die Filmemacher auch ihrem Anspruch gerecht, die Situation der Geiseln ins Zentrum zu stellen: Welch beklemmende Szene, als die Bankangestellten allein im Auto saßen, aber von Furcht gelähmt nicht zu fliehen wagten.

Sensationslüsterne Presse

Der dokumentarische Anstrich wurde allerdings in jenen Momenten durchbrochen, die die späteren Opfer des realen Dramas einführten. In den geradezu neckischen Episoden um die junge Frau Silke Bischoff, deren Schicksal im heutigen zweiten Teil zentral sein wird, herrschte die bewährte Kitsch-Dramaturgie Hollywoods: Vor dem Hintergrund glücklicher Stimmungen wirkt das nachfolgende Grauen um so schrecklicher.

Angedeutet wurde zudem jene fatale Rolle, die ein besonders sensationslüsterner Teil der Presse seinerzeit spielte. Man kann befürchten, dass unter solchen Vorzeichen der zweite Teil von "Gladbeck" (heute um 20.15 Uhr im Ersten) deutlich plakativer ausfallen wird und damit eher dem reißerischen Vorspann entspricht als der gestern ausgestrahlte Beginn.

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