Oben Mensch, unten Pferd
„Die Flügel der Menschen“: Bildmächtiges kirgisisches Märchen

Wenn vom kirgisischen Kino die Rede ist, ist fast immer auch die Rede von Regisseur und Autor Aktan Arym Kubat. Zumindest das, was es aus diesem Land in unsere Kinos schafft, und das ist nicht viel, wurde entweder von ihm inszeniert („Der Dieb des Lichts“) oder geschrieben („Nomaden des Himmels“). Meistens spielt er dann auch noch die Hauptrolle.

Freitag, 29.12.2017, 12:12 Uhr

Centaur (Aktan Arym Kubat, r.) mit seiner Familie (Nuraly Tursunkojoev und Zarema Asanalieva)
Centaur (Aktan Arym Kubat, r.) mit seiner Familie (Nuraly Tursunkojoev und Zarema Asanalieva) Foto: Neue Visionen Filmverleih

Sein neuer Film, auf der Berlinale prämiert, erzählt ein Märchen und lässt es auf die Anfechtungen der Moderne prallen. Irgendwo in den kargen Bergen hoch über der Hauptstadt Bischkek lebt ein in die Jahre gekommener Ex-Filmvorführer (gespielt vom Regisseur selbst), den alle nur „Centaur“ nennen, weil er nichts mehr liebt als Pferde, denen in Kirgisien einst die titelgebende Metapher verpasst wurde: „Flügel der Menschen“. Doch aus dem einstigen Land der über die Steppe reitenden Nomaden ist ein ganz normal kapitalistischer Staat geworden, in dem Pferde vor allem als Statussymbole gehandelt oder zu Rennpferden hochgezüchtet werden. Centaur hält nichts davon. Er stiehlt sie nachts, reitet auf ihnen umher – und gibt sie dann zurück.

Wie Centaur, der mit einer taubstummen Frau verheiratet ist und sich ein bisschen in eine Straßenhändlerin verliebt, dann doch in eine Falle tappt, das erzählt Kubat in getragenem Tempo und unter Einsatz zauberschöner Landschaftspanoramen. Selbst die Schikanen der neuen (Dorf-)Gesellschaft werden fast wie nebenbei abgehandelt. Wo der natur- und filmverrückte Centaur sich auf Traditionen (und sowjetische Kinoklassiker) beruft, muss er sich mit Gier und religiöser Repression herumschlagen, aus seinem alten Kino ist eine Moschee geworden, und der Imam will den in Ungnade Gefallenen nach Mekka zwingen. Centaur aber möchte lieber ganz bei sich bleiben, vor den Bergen, mit den Pferden. Schlicht und schön.  

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