Und ewig brummt das Cello
„Wir töten Stella“: Familiendrama mit Martina Gedeck

Die ersten Aufnahmen nach dem Vorspann zeigen ein bleiches und sichtlich nach innen blickendes Frauengesicht, über das sich die sanfte Stimme der Erzählerin hebt, die bis zum Schluss literarische Texte sprechen wird. Gesicht und Stimme gehören Martina Gedeck, die im beklemmenden Familiendrama „Wir töten Stella“ die in Rückblenden entstehende Geschichte der Titelheldin erzählt. Zu Cello-Musik.

Freitag, 09.02.2018, 10:02 Uhr

Martina Gedeck wird mal wieder mit einer unsichtbaren Wand konfrontiert.
Martina Gedeck wird mal wieder mit einer unsichtbaren Wand konfrontiert. Foto: Epo-Film

Studentin Stella (Mala Emde, „Katharina Luther“) ist zu Beginn bereits tot, hat sich in ihrem knallroten Mantel vor einen LKW geworfen. Wie es dazu kam, berichtet die vor der Schreibmaschine sitzende Anna (Gedeck ), Mutter von zwei Kindern und Frau des Anwalts Richard (Matthias Brandt), die Anna neun Monate im Haushalt ihrer Wiener Vorstadtvilla beherbergen. Als Richard Anna verführt, beginnen Ereignisse, die zu ihrem Tod führen und die Familie zerstören.

„Wir töten Stella“ ist nach der existenziellen Parabel „Die Wand“ die zweite Verfilmung eines Werks der 1970 gestorbenen österreichischen Autorin Marlen Haushofer, die ihre Novelle über die Seelenlage einer Hausfrau in diskreter Kaschmir-Garderobe 1958 schrieb. Die Geschichte in die heutige Zeit zu versetzen, ist ein Wagnis, an dem Regisseur Julian Pölsler, der auch „Die Wand“ inszenierte, scheitert.

Was nicht an der textgetreuen Rezitation von Gedeck liegt, sondern am Fehlen von der Erzählung adäquaten Bildern. Statt Kinovisionen gibt es matt ausgeleuchtete TV-Aufnahmen. Zwar stößt Anna wieder vor eine gläserne Wand, tauchen wieder die Krähen auf, die Anna in „Die Wand“ liebte. Aber es will sich wegen der Rückblenden, der Überlagerung durch den Text und zu diskret agierenden Schauspielern keine Dramatik, keine seelische Spannung und keine existenzielle Schieflage einstellen.

Alles bleibt leer und steril, gewollt wie die Szene, in der Anna die zerfressene Leiche von Stella umkreist, und ohne jene Seelenlandschaften aus der Natur, die „Die Wand“ auszeichnen. Es fehlt buchstäblich an Tiefe. Und ewig brummt das Cello.

 

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