„Die Farbe des Horizonts“: Halbgarer Mix aus Romanze und Katastrophendrama
Verliebt in den Wirbelsturm

Menschen, auf sich allein gestellt, im existenziellen Kampf gegen die Urgewalt der Natur: Das Kino liebt solche Survival-Geschichten, und zuletzt versank die Leinwand dafür gerne mal in den Weiten des Ozeans. Das brillant-konsequente Drama „All is Lost“ wurde zur One-Man-Show des rüstigen Rentners Robert Redford, in „Vor uns das Meer“ segelte Colin Firth solo ins Verderben. „Die Farbe des Horizonts“ erzählt nun von vergleichbaren Kalamitäten, obgleich die Tatsache, dass der Film auf einem Erlebnisbericht der Hauptbeteiligten Tami Ashcraft basiert, schon darauf hindeutet, dass die Sache diesmal, zumindest für Ashcraft, glimpflich ausging.

Freitag, 13.07.2018, 12:28 Uhr

Richard (Sam Claflin) und Tami (Shailene Woodley) ahnen noch nichts vom Hurrikan.
Richard (Sam Claflin) und Tami (Shailene Woodley) ahnen noch nichts vom Hurrikan. Foto: Tobis

Der isländische Regisseur Baltasar Kormákur ist in ex­tremsportlichen („Everest“) wie in maritimen Stoffen versiert – tatsächlich hat er mit „The Deep“ einen prämierten Film gedreht, in dem ein aus seinem gekenterten Boot gekippter Fischer im Nordmeer überleben muss. Im neuen Film sind wenigstens die Temperaturen höher.

Tami, gespielt von der charismatischen Shailene Woodley („Die Bestimmung“), lässt sich durch die Welt treiben: Sie reist durch ferne Länder, hangelt sich von Aushilfsjob zu Aushilfsjob und ist anno 1983 auf Tahiti angekommen. Dort lernt sie den attraktiven Richard (Sam Claflin aus „Ein ganzes halbes Jahr“) kennen: Als er die schmucke Luxusyacht eines Bekannten nach Kalifornien segeln soll (fast 4000 Seemeilen), geht sie als verliebte Begleiterin mit an Bord. Leider geraten sie mitten in einen Hurrikan.

Kormákur schneidet das Kennenlernen von Tami und Peter und die Zeit bis zum Aufbruch aufs Meer parallel gegen die desaströsen Vorkommnisse danach, was zu einem steten Wechsel zwischen Südsee-süßer Liebelei und panischem Tumult führt: Hier erwacht Tami aus mehrstündiger Ohnmacht auf der zerstörten Yacht, muss das Schiff (fast) eigenhändig nach Hawaii umlenken, dort sieht man für Kormákur-Verhältnisse überraschend Kitsch-versoßte Szenen einer Romanze vor exotischer Kulisse.

Das geht nicht immer gut zusammen und wirkt in seiner Lebensmetaphorik etwas bemüht: Tami treibt durchs Leben und sucht einen Hafen, der Originaltitel lautet „Adrift“. Zum Glück gibt Woodley alles. Ihrer starken Performance wegen hinterlässt das nicht allzu spannende Drama mehr Eindruck als erwartet.  

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