Do., 01.12.2016

Expedition ins All Roger Goula: Einmal Erde und zurück

Expedition ins All : Roger Goula: Einmal Erde und zurück

Foto: AdriaGoulaPhoto

Roger Goula hat sich vor allem als Filmkomponist einen Namen gemacht, für «Overview Effect» driftete er nun ins All ab - auch dazu könnte man gut einen Film drehen.

Von dpa

Berlin (dpa) - Mit Roger Goula kann man abheben und schweben: Der britische Filmkomponist («The Frankenstein Chronicles») hat sich für sein Solodebüt «Overview Effect» in die Rolle eines Astronauten versetzt, der seinen Blick über den Blauen Planeten und die unendliche Leere des Raumes schweifen lässt.

Und was sagt ein Fachmann zu diesem «Overview Effect» - dieser Wahrnehmungsverschiebung? Was macht das mit uns? «Wenn man da oben auf der Raumstation schwebt und runterschaut auf den kleinen blauen Planeten, und wenn man dann sieht, wie viel Schwarz da herum ist, dann wirkt es grotesk, dass sich Menschen bekriegen oder Wälder abbrennen, die wir zum Überleben brauchen», sagt der Astronaut Alexander Gerst.

Ähnlich formuliert es Roger Goula: Der Blick auf die Dinge, die jenseits des Planeten liegen, «hilft uns, unsere menschliche Lage besser zu verstehen, sagte er dem «Cone Magazine». Der Blick in die Ferne sei dabei immer auch der Blick auf uns selbst. Und Musik könne dieselbe Wirkung haben.

Dabei geht es dem Multiinstrumentalisten um den Dialog - mit der Erde und mit sich selbst. Dazu bedient er sich eines schlichten, aber sehr schönen Kunstgriffes: Die elektronischen Passagen seiner Kompositionen stehen für das All, die eingebetteten akustischen Elemente für die Erde. Als Inspiration dienten Goula auch Bilder aus dem All

In sein spaciges Ambient-Abenteuer, das sich durchweg durch eine herbstliche Schwerelosigkeit auszeichnet, startet Goula mit wabernden und dunkel gefärbten Klangflächen, die aus der Ferne des Alls herüberzuwehen scheinen. «Soon Will Wake Up» heißt dieser Aufbruch in eine unbekannte Welt, bei der plötzlich die Gitarrentöne über dem elektronischen Unterbau zu tanzen beginnen. Ein Gefühl von Erhabenheit und Neugierde stellt sich ein.

Oder auch von Ehrfurcht, denn auf die Erweckung folgt der Track «Awe», durch den ein dunkler Synthie fast körperlichen spürbar dröhnt. Ein Streicherquartett schwebt elegisch darüber, ein verhalten einsetzender Rhythmus befeuert eine neue Dynamik - darüber entfesseln sich kurzweilig die Geigen zu einer atemlosen Spannung, die «Overview Effect» im allgemeinen auszeichnet.

Und was wäre «Overview Effect» ohne einen echten Raumfahrer. Eine Ansprache aus dem Weltraum des Kosmonauten Juri Gagarin, dem ersten Menschen im All, sorgt in «Cognitive Shift» für das rechte Orbit-Feeling - leicht melancholisches Gitarrenspiel holt einen aber schnell wieder auf die Erde zurück. Und im Hintergrund scheint die Uhr zu ticken, bis «Cognitive Shift» in andere Sphären abdriftet. Ganz irdisch geht es in «Something About Silence» zu, das mit einem knarrenden Schiffsseil unterlegt ist.

Mit seiner Kombination aus Minimal Music, Klassik-Elementen, elektronischer Grundierung und absonderlichen Geräuschen dockt Roger Goula musikalisch bei Neoklassikern wie Nils Frahm oder Ólafur Arnalds an - verdankt aber mit seiner entspannt-angespannten Atmosphäre und einer ganz eigenen Handschrift auch viel dem Ambient-Pionier Brian Eno. Und ein Hauch von Pink Floyd weht da ebenfalls hindurch.

Und auch wenn man den philosophisch-gesellschaftlichen Überbau nicht unbedingt mitgehen mag und muss - «Overview Effect» ist für sich allein schon ein meditatives Erlebnis von großer emotionaler und düsterer Kraft.

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