Mo., 04.04.2016

Literatur Promi-Geburtstag vom 4. April 2016: Helme Heine

Helme Heine wird 75.

Helme Heine wird 75. Foto: Tobias Hase

Helme Heine erzählt Geschichten mit wenigen Zeichenstrichen. Seine Bilderbücher mit Millionenauflage sind legendär. Das Älterwerden, Freundschaft, Philosophie sind seine Themen. Und jetzt die Dummheit.

Von dpa

Bangkok (dpa) - Seine Illustrationen zieren Poster, Kalender und Bücher mit Millionenauflage . Figuren wie Tabaluga und der dicke Waldemar sind vielen Familien vertraut wie liebe Verwandte.

Der preisgekrönte Bilderbuch-Künstler Helme Heine mit Übersetzungen in 35 Sprachen bleibt aber selbst lieber im Hintergrund, wie er der Deutschen Presse-Agentur erzählt. Er lebt seit 25 Jahren am Meer in Neuseeland . Am 4. April wird er 75 Jahre alt.

Dass Kinder seine Klassiker mögen, freut ihn: zum Beispiel «Das Elefanteneinmaleins» über das Älterwerden oder die Freunde-Serie, aus der 2009 der Film «Mullewapp» entstand. Aber den Stempel «Kinderbuchautor» mag er nicht. «Da sagen Leute: Der hat das Kind in sich bewahrt - das ist doch Unsinn», sagt Heine. «Ich mache Bücher, die ich auch selbst kaufen würde.» Starke Geschichten kämen dann auch bei Älteren, Vätern und Müttern an. «Es muss ein bisschen doppelbödig sein, hinterhältig, nicht alles ausgeleuchtet» - das ist sein Rezept.

Heine sieht sich als Übersetzer von komplizierten Dingen an. «Und das versteht dann jedes Kind», sagt er. Sein neuestes Buch heißt «Oh...diese Philosophen» und ergründet prägnant und subtil bebildert, was alte Denker uns heute noch zu sagen haben. Aristoteles im Ölbad ist darin, ebenso wie Sokrates mit seiner nervenden Frau Xanthippe.

Von für Kinder weich gespülten Geschichten, wo alles gut und niemand fies ist, hält er wenig. «Dass man den Kleinen nicht so viel zumuten kann, ist falsch», sagt er. «Bilder und Geschichten müssen kraftvoll sein, wie bei den Brüdern Grimm.» Gerecht-Ungerecht, Liebe-Tod - Kinder könnten damit gut umgehen.

Elementare Geschichten brauchten auch kein modernes «Trallala» wie Handys oder Computerspiele, um bei der heutigen Jugend anzukommen. «Meine Figuren haben ja noch nicht einmal Kleidung, denn daran würde man erkennen, wie sie altern», sagt Heine.

Heine stammt aus Berlin. Er studierte Betriebswirtschaft und Kunst, reiste viel und wanderte nach Südafrika aus. Er war Bühnenbildner und Regisseur mit eigenem Kabarett. 1976 entstand das erste Bilderbuch, kein weiter Sprung von der Bühne, findet er: «Bilderbücher sind inszenierte Geschichten.» Er kehrte für zwölf Jahre nach Deutschland zurück, ehe er 1990 mit seiner Frau Gisela von Radowitz nach Russell in Neuseeland auswanderte. Kinder und Enkel leben in Europa.

«Wenn man in Europa mit Freunden redet, geht es immer um die Sorgen, was morgen kommt: Renten, Krieg, Flüchtlinge», sagt Heine. «Hier im asiatisch-pazifischen Raum lebt man mehr im Jetzt. Man hat mehr Zeit kreativ zu sein.» Das tut Heine gerne auf seiner Holzsegeljacht «Kikitoo». «Da fahre ich zwei Tage raus und denke nach», sagt er. «Figuren zu entwickeln dauert manchmal Jahre. Das ist ein Reifungsprozess wie bei Sauerkraut.»

Die Figuren füllt er mit Leben, ohne, dass die Details später im Buch vorkommen. «Was für Musik würde Waldemar hören, was für Bücher würde Johnny Mauser lesen?» Seine eigene Lieblingsfigur? «Immer die, an der ich gerade arbeite», sagt Heine. Seine Vorname «Helme» ist übrigens ein Kunstprodukt. Den Ursprung kennt Heine nach eigenen Angaben nicht. «Ich wurde schon als Kind immer Helme gerufen, das habe ich beibehalten.» Welcher Name in seinem Pass steht, verrät er nicht.

Nicht, dass ihm die europäischen Probleme gleich sind. Jedes Jahr verbringt er drei Monate in Europa. Zum Thema Flüchtlinge könnte er sich auch ein Buch vorstellen. «Selbstverständlich ist jedes Bilderbuch politisch», sagt er.

Im Moment hat er aber andere Projekte, darunter einen neuen Tabaluga-Film, der ab Sommer in Deutschland und Kanada produziert wird. Den kleinen Drachen dachte sich Peter Maffay seinerzeit für eine Kinderplatte aus. Die Figur gestaltete Heine. Ein weiteres Projekt ist auch in der Pipeline: «Das Dummgeheuer» - ein Buch über die Dummheit. Mehr will Heine noch nicht dazu verraten.

Ein Ende seiner Bilderbuch-Karriere, wie er sein Leben nennt, ist für Heine undenkbar. Ist er jemals ohne Zeichenstift unterwegs? «Nie» sagt er spontan. Den Geburtstag will er auf seiner Jacht verbringen. «Schwimmen, tauchen, angeln» sind seine Pläne. Seine Philosophie: «Ich weiß, dass meine Lebenszeit begrenzt ist, dafür bin ich dankbar, denn sie lässt mich bewusster leben.»

Leserkommentare

Google-Anzeigen

karriere.ms Anzeigen

Ihr Jobportal für unbefristete und befristete Stellenangebote aus dem Münsterland

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3908411?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F1806699%2F