Vorbild Deutschland
Di., 14.02.2012
OECD, Ratingagentur und Wissenschaftler loben die deutsche Wirtschaftspolitik
(Symbolbild)
Berlin/Bochum -
Das Lob für Deutschland kommt aus vielen Richtungen: Gestern sprach die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von einer vorbildlichen Wirtschaftspolitik in den vergangenen Jahren und bestätigte die Wachstumsprognose für dieses Jahr. Auch die Ratingagentur Moody‘s verschonte bei ihrem Rundumschlag gegen sechs Euroländer erneut die Bundesrepublik und bestätigte die Einschätzung AAA+. Deutschland – das wirtschaftspolitische Vorbild zumindest für Europa?
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Der Arbeitssoziologe Ludger Pries von der Bochumer Ruhr-Universität bejaht dies. Deutschland verfüge über mehrere Trümpfe. „Es ist die gute Mischung aus weichen Faktoren wie zum Beispiel die duale Berufsausbildung, die technologische Innovationsfülle und die Regierungspolitik ohne extreme Ausschläge. So bleibt das System verlässlich.“
Zudem sei das System der Arbeitsbeziehungen zwischen den Tarifparteien optimal. „Die Konflikte werden zumeist nicht durch Arbeitskämpfe und Streiks geregelt.“ Konkret wurde das bei der Aktivierung der Kurzarbeit nach 2008 deutlich. Dies ermöglichte unter anderem auch der deutschen Industrie, nach der Krise durchzustarten.
In Zahlen: Im Dezember 2011 beschäftigte das verarbeitende Gewerbe knapp 5,2 Millionen Menschen und damit rund 177 600 oder 3,6 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor. Andere Länder – zum Beispiel Großbritannien – erlebten in den vergangenen Jahren dagegen eine Deindustrialisierung.
Während die EU-Kommission am Dienstag ein Dutzend Volkswirtschaften wie zum Beispiel Frankreich, Spanien und Großbritannien als „nicht stabil“ einstufte, gilt diese für Deutschland nicht. EU-Währungskommissar Olli Rehn und seine Experten nahmen Lohnstückkosten oder Handelsbilanzdefizite unter die Lupe.
Dennoch fordert die OECD Deutschland auf, sich nicht auf seinem Lorbeeren auszuruhen. „Der Dienstleistungssektor und die Binnennachfrage solle angekurbelt werden. „Angesichts der alternden Gesellschaft muss auch die Beschäftigung von Frauen und Älteren ausgebaut werden“, sagte OECD-Generalsekretär Gurría.
(mit Material von dpa)
