Di., 19.02.2013

Pferdefleisch-Skandal Experten sehen durch Etikettenschwindel das Vertrauen der Verbraucher erschüttert

Pferdefleisch-Skandal : Experten sehen durch Etikettenschwindel das Vertrauen der Verbraucher erschüttert

 Mit Billig-Lasagne fing alles an. Dann gerieten auch andere Fertiggerichte in den Verdacht, Pferdefleisch zu enthalten – entgegen den Angaben auf dem Etikett. Foto: dpa

düsseldorf - 

Mit Billig-Lasagne fing alles an. Dann gerieten auch andere Fertiggerichte in den Verdacht, Pferdefleisch zu enthalten – entgegen den Angaben auf dem Etikett. Mit Kaiser’s Tengelmann, der Metro-Tochter Real, Edeka, Rewe, Lidl sowie Aldi Nord und Aldi Süd nahmen große Lebensmittelhändler einzelne Produkte vorsorglich aus den Regalen.

Von Volker Danisch

Aldi Nord wies gestern darauf hin, dass aktuell nichts auf ein gesundheitliches Risiko für die Verbraucher hinweise. Aber das Vertrauen in Billigprodukte könnte nach Expertenmeinung leiden. Die Händler gehen mit den bisher sehr erfolgreichen Eigenmarken auch das Risiko ein, dass ihr Image bei Problemen Kratzer bekommt.

Bei den Verbrauchern entsteht nach Ansicht des Markenberaters Frank Dopheide in der Pferdefleisch-Debatte der Eindruck, dass nicht ein Einzelner einen Fehler gemacht habe, sondern ein Systemfehler vorliege. „Dass man nicht mehr die Kontrolle über die gesamte Produktionskette hat. Dass es im Zweifel nur noch um billig, billig, billig geht.“ Die tiefe Verunsicherung der Verbraucher betreffe deshalb nicht ein einzelnes Unternehmen oder ein einzelnes Produkt, sondern die Eigenmarken der Handelskonzerne insgesamt. Der eine oder andere Verbraucher werde künftig möglicherweise nicht mehr zu dem allerbilligsten Produkt greifen.

Bei Kaiser’s Tengelmann war es eine unter Verdacht stehende Tiefkühl-Lasagne der Eigenmarke „A&P“, die am 6. Februar aus dem Regal genommen wurde. Real rief eine Woche später Lasagne Bolognese der Eigenmarke „TiP“ zurück. Edeka nahm Lasagne Bolognese der Eigenmarke „Gut & Günstig“ aus dem Verkauf. Bei Lidl wurde unter anderem ein Tortelloni-Produkt gestoppt. Bei Aldi Süd waren es ein Gulasch und Ravioli Bolognese in der Dose. Bei Aldi Nord neben Dosen-Gulasch Penne Bolognese. Und Rewe nahm aufgrund eines Verdachtes Chili con Carne und Spaghetti Bolognese, die den Namen Rewe tragen, aus dem Verkauf.

Nach Daten der GfK-Konsumforscher geben die deutschen Verbraucher jeden vierten Euro im deutschen Lebensmittelhandel für Eigenmarken der Handelsunternehmen in der untersten Preislage aus. Handelsexperte Wolfgang Adlwarth von der GfK beobachtet aber seit Längerem einen Trend zu mehr Qualität. Premium-Eigenmarken seien im Kommen. Das hätten neben den Supermärkten auch die Discounter gezeigt, die im Weihnachtsgeschäft mit zeitlich befristeten Angeboten wie „Aldi Gourmet“ und „Lidl Deluxe“ erfolgreich gewesen seien. Mit den Eigenmarken haben die Supermärkte den Discountern Aldi und Lidl nach Ansicht der Experten erfolgreich die Stirn geboten – nach dem Motto „billig können wir auch“.

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