Mi., 05.08.2015

Interview Yemane Gebreab: "Eritrea würde Hilfe begrüßen"

Interview : Yemane Gebreab: "Eritrea würde Hilfe begrüßen"

Yemane Gebreab (links) und Peter Schwidtal (rechts). Foto: Ulrich Coppel

Mit Yemane Gebreab, Vorsitzender der Einheitspartei Eritreas, sprach unser Mitarbeiter Ulrich Coppel während eines Besuchs in Asamra.

Gibt es Erfolge für die Bevölkerung Eritreas , die aus politischen Entscheidungen und erlassenen Gesetzen resultieren?

Gebreab: Trotz des schwierigen externen Umfeldes, mit dem sich Eritrea in den vergangenen 15 Jahren konfrontiert sah, hat das Land eine Reihe bedeutsamer Erfolge erzielt. Es ist friedlich, stabil und sicher in einer Region, die unter Radikalisierung, Terrorismus , gewaltsamen Konflikten und Zersplitterung leidet. Die eritreische Gesellschaft ist vielfältig und doch vereint; neun ethnische Gruppen ebenso wie Christen und Moslems leben hier harmonisch zusammen. In den vergangenen zehn Jahren hat Eritrea konsequent in die Landwirtschaft und dabei besonders in den Erhalt und Schutz von Boden und Wasser investiert. Ergebnis dieser Anstrengungen ist eine wachsende Nahrungsmittelproduktion, die Eritrea in die Lage versetzt, Hunger und eine Abhängigkeit von Lebensmittelhilfe zu vermeiden. Ein weiterer Grundpfeiler der eritreischen Entwicklungsstrategie ist der Ausbau von Humanressourcen. Bildungsmöglichkeiten haben zugenommen, auch für Mädchen, und die Einwohner Eritreas haben Zugang zu kostenloser Bildung vom Kindergarten bis zur Universität. Nach Jahren voller Schwierigkeiten befindet sich die eritreische Wirtschaft im Wachstum und hat gute Aussichten darauf, der jungen Generation Arbeits- und Geschäftsmöglichkeiten zu bieten.

Würde Eritrea westliche Entwicklungshilfe akzeptieren – oder bleibt es bei seiner strikten Ablehnung? 

Gebreab: Eritrea begrüßt Partnerschaften zu beiderseitigem Nutzen mit allen, auch westlichen, Ländern ebenso wie mit multinationalen Institutionen wie der Abteilung für Entwicklungshilfe der Vereinten Nationen . Unsere Entwicklungspartner bestätigen gerne, dass sie mit jedem Euro, den sie zur Verfügung stellen, mehr erreichen als in jedem anderen Land. Sie sehen die vorteilhafte Wirkung ihrer Zusammenarbeit an den Einwohnern Eritreas ebenso wie an der Wirtschaft. Gegenwärtig gibt es eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit der EU , die sich schwerpunktmäßig auf erneuerbare, saubere Energien, Landwirtschaft und wirtschaftliche Steuerung konzentriert.

Können Sie sich den Beginn eines neuen Dialoges mit Deutschland vorstellen, und was könnte dafür die Grundlage sein?

Gebreab: Deutschland ist die politische und wirtschaftliche Machtzentrale Europas, und natürlich ist Eritrea sehr daran interessiert, in einen umfassenden Dialog mit Berlin zu treten. Wir bauen auf erfolgreiche partnerschaftliche Erfahrungen. Darüber hinaus gibt es eine bedeutende eritreische Gesellschaft in Deutschland, die Beziehungen unserer beiden Länder pflegt. Eritreas strategische Lage am südlichen Teil des Roten Meeres, das sehr kritisch für die internationale Seefahrt ist, und seine konstruktive regionale Rolle ist eine weitere Dimension des Dialoges und einer Partnerschaft. Eritrea würde einen Beitrag Deutschlands in allen Bereichen des Aufbaus des Landes begrüßen.

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