Mo., 11.09.2017

Debatte über fehlende Hebammen und überfüllte Kreißsäle in NRW Grüne wollen Angebote verbessern

Reichen die Hilfen für Babys und junge Eltern?

Reichen die Hilfen für Babys und junge Eltern? Foto: dpa

Düsseldorf - 

In kleinen Gemeinden werden für werdende Eltern die letzten ­Meter zum Kreißsaal oft sehr lang, bis eine Geburtsklinik erreicht ist. Und in den Städten wird es auf diesen letzten Metern oft eng, weil die Kreißsäle überfüllt sind oder Hebammen gleich mehrere Geburten parallel betreuen müssen. Die Grünen-Fraktion im Landtag reagiert alarmiert auf solche Berichte, die sich nach ihren An­gaben besonders in Großstädten häufen.

Von Hilmar Riemenschneider

„Schwangere und Neugeborene müssen überall bestmöglich versorgt, Hebammen in ihrer ver­antwortungsvollen Arbeit unterstützt werden“, sagt Vize-Fraktionsvorsitzende Josefine Paul (Münster). „Erfreulicherweise werden auch in NRW wieder mehr Kinder geboren: Schon jetzt haben aber werdende Eltern Pro­bleme, eine Hebamme vor Ort zu finden.“

Modell der Hebammen-Kreißsäle

Weil aber immer wieder Kliniken ihre Geburtsabteilungen schließen, wollen die Grünen die Unterstützung des Landes für hebammengeleitete Kreißsäle erreichen. Im Modell der Hebammen-Kreißsäle werden gesunde Schwangere vor und während der Geburt, anschließend im Wochenbett von einer Hebamme begleitet. Sobald Komplikationen auftauchen, werden die Fach­abteilungen der Klinik eingeschaltet. Bundesweit gibt es 17 solcher Hebammen-Kreißsäle, sieben liegen in NRW – in Bonn, Düsseldorf, Gütersloh, Herdecke, Köln, Paderborn und Velbert. Auch in Osnabrück wird das Modell angeboten.

Am Freitag Beratung über den Antrag

Am Freitag – zum Ende der Sitzungswoche – wird der Landtag über den ­Grünen-Antrag beraten. Darin fordern sie eine Aufwertung der Hebammen, dazu gehört eine bessere am Zeit aufwand orientierte Bezahlung. Zugleich soll als Personalschlüssel in Kliniken eine Eins-zu-Eins-Betreuung während der Geburtsphase festgeschrieben werden.

Jede dritte Geburt per Kaiserschnitt

Dass in NRW mit 32,8 Prozent jede dritte Geburt per Kaiserschnitt erfolgt (Bund: 31,8), schreiben die Grünen mangelnder Beratung zu. Medizinisch sei der Kaiserschnitt nur in zehn Prozent der Fälle erforderlich. Offen ist, ob der Vorstoß das Pro­blem vieler Mütter lösen würde, die keine Hebamme für die Begleitung nach der Geburt finden. Zwar arbeiten nach Angaben des Deutschen Hebammenverbandes bundesweit rund 23.000 Hebammen, 70 Prozent von ihnen freiberuflich. Doch fast 73 Prozent der angestellten Hebammen sind nur in Teilzeit beschäftigt.

Laumann wundert sich

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann wundert sich jedoch über den Grünen-Antrag, der „mit den eigenen Versäumnissen hart ins Gericht“ gehe: „Das ist Heldenmut nach Ladenschluss“, rügt er. Rot-Grün habe es versäumt, eine Verbesserung zu erreichen. Die will der CDU-Politiker jetzt mit Einsetzung einer Projektgruppe zur Geburtshilfe angehen. „Ich erwarte von ihr, dass sie konkrete Maßnahmen zu Sicherstellung der Versorgung und der Qualität in der Geburtshilfe erarbeitet.“ Dabei werde es auch um den Hebammen­beruf gehen.

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