Mo., 09.10.2017

Klage gegen neue Leverkusener Brücke Gift für die Brückenpläne

Der Neubau der maroden Leverkusener Brücke sorgt in der Region nicht überall für Begeisterung.

Der Neubau der maroden Leverkusener Brücke sorgt in der Region nicht überall für Begeisterung. Foto: dpa

Leverkusen - 

Der Stau-Stammplatz im Verkehrshinweis ist Leverkusen noch auf einige Jahre gesichert. Seit die marode Autobahnbrücke über den Rhein chronisches Sorgenkind der Statiker ist und nur noch Pkw drüber fahren dürfen, knubbelt sich der Verkehr rund ums Nadelöhr Leverkusen mehr denn je.

Von Hilmar Riemenschneider

Die Neubaupläne sind beschlossen, die Ausschreibungen laufen, damit eine Seite der neuen Brücke ab 2020 befahren werden kann. Drei Jahre später soll die zweite Seite fertig sein. Im für die Planer besten Fall jedenfalls. Für viele Leverkusener Bürger wäre das indes der schlimmste Fall: Sie haben gegen die Baupläne geklagt, weil für das Fundament der neuen Brückenpfeiler auch eine alte Sondermülldeponie, die Dhünn­aue, geöffnet werden müsste. Hier lagern giftige Chemie-Altlasten der benachbarten Bayer-Werke.

Ein Tunnel unter dem Rhein neben einer generalüberholten alten Brücke – für die Kläger wäre es die Ideallösung, die Lärm und Feinstaub verhindere. Für Pendler, für Logistikunternehmen, ebenso für den Bund als Bauherrn und die Planer wäre das ein Drama, weil dann der jetzt schon nicht schöne Zeitplan für den Brückenersatz Makulatur wäre. Und die von der Bundesregierung bereit gestellten 740 Millionen Euro für das gesamte Neubauprojekt zwischen Autobahnkreuz Leverkusen West und Köln Niehl müssten verdreifacht werden. Vor der Leipziger Entscheidung sind deshalb die Nerven angespannt.

Die neue Autobahnbrücke soll doppelt so breit werden wie die jetzige, die mit mehr als 120.000 Fahrzeugen am Tag an ihre Grenzen gekommen war. Nach Angaben von Straßen NRW haben rund 150 Probebohrungen zu der Einschätzung geführt, dass die Risiken beim Öffnen der Deponie beherrschbar seien. Für Lärmschutz soll Flüsterasphalt sorgen.

Dass die Entscheidung für eine Stelzenbrücke statt eines Tunnels am Ende einer neutralen Prüfung gefallen ist, zieht ein WDR-Bericht vom Sonntag in Zweifel: Danach hat der oberste Autobahnplaner bei Straßen NRW im November 2015 in einer internen E-Mail an Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) geraten, intern die Brückenpläne zu verfolgen, aber nach außen den Tunnel als erstrebenswert zu benennen. Groschek stellt dagegen klar, die Planungen „waren sehr ergebnisoffen, obwohl der Brückenneubau lange überfällig ist“. Sein Parteifreund Karl Lauterbach, zu dessen Bundestagswahlkreis Leverkusen gehört, hält den Tunnel noch für realistisch: „Dafür muss gekämpft werden.“ Der Verband der Chemischen Industrie hat laut WDR erfolgreich dagegen gekämpft, weil viele Güter nicht durch den Tunnel fahren dürften.

Auch die 55 Kilometer rheinabwärts bei Duisburg stehende Zwillingsbrücke der A40 muss erneuert werden. Seit sie im Sommer wegen Schäden zeitweise gesperrt war, tickt auch hier die Uhr. 2026 soll spätestens ein Ersatzbau stehen. Je nach Gerichtsentscheidung könnte man dann dort vor Leverkusen fertig sein.

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