Personeller Neustart bei der SPD
Kippeliger Proporz

düsseldorf -

Knapp und nüchtern, ohne Euphorie und viele Worte hat die SPD-Fraktion den personellen Neuanfang eingeleitet. Nach langen Wochen, in denen sich alle potenziellen Kandidaten still zu belauern schienen, haben am Dienstag der bisherige Fraktionsgeschäftsführer Marc Herter (Hamm) und Fraktionsvize Thomas Kutschaty (Essen) ihre Kandidatur für den Fraktionsvorsitz angemeldet. Mehr nicht. 

Dienstag, 17.04.2018, 19:04 Uhr

Der ehemalige nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty (l.) und der bisherige Fraktionsgeschäftsführer Marc Herter haben ihre Kandidatur für den Fraktionsvorsitz der SPD im Landtag angemeldet.
Der ehemalige nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty (l.) und der bisherige Fraktionsgeschäftsführer Marc Herter haben ihre Kandidatur für den Fraktionsvorsitz der SPD im Landtag angemeldet. Foto: dpa

Auf Bewerbungsreden habe man verzichtet, weil elf der 69 Abgeordneten nicht an der Sitzung teilnehmen konnten, erklärte Noch-Fraktionschef Norbert Römer trocken. Immerhin habe man „offiziell Klarheit über die Kandidaturen bekommen“, sagte der 71-Jährige.

Die Bewerbungsreden beider Kandidaten wurden auf kommende Woche vertagt, wenn die Fraktion Römers Nachfolger bestimmt. Der meinte dazu: „Selbstverständlich hat die Fraktion zunächst einmal das Recht, die beiden zu hören, die für den Vorsitz kandidieren, wie sie sich ihre Arbeit vorstellen.“ Eine inhaltliche Auseinandersetzung der beiden findet vorher zumindest nicht offen statt. Am nächsten Dienstag stellt sich auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sarah Philipp aus Duisburg als Parlamentarische Geschäftsführerin zur Wahl.

Herter oder Kutschaty – für beide scheinen die Chancen derzeit gleich zu stehen. Der 43-jährige Herter gilt als Wunsch-Nachfolger des einflussreichen Strippenziehers Römer. „Ich habe keine Wünsche, es geht auch nicht um meine Wünsche“, versuchte der das zu entkräften. Und die Kandidatensuche? „Dabei habe ich nicht mitgewirkt.“ Zwar stehen wohl die meisten Abgeordnete aus dem mächtigen Bezirk Westliches Westfalen hinter Herter. Aber Römer konnte der Unmut vieler SPD-Abgeordneter nicht verborgen bleiben, die ihn als treibende Kraft des Kandidaten-Karussells sehen.

Denn mit den Kandidaturen von Herter und Philipp ist ein ausgeklügelter Regionalproporz verbunden, mit dem die Findungskommission der Partei das Personaltableau für den Neuanfang in Fraktion und Landes-SPD festlegen wollte. Nachfolger von Parteichef Michael Groschek soll, wie berichtet, der kaum bekannte Bundestagsabgeordnete Sebastian Hartmann (Rhein-Sieg-Kreis) werden, als Generalsekretärin wurde die Dortmunder Landtagsabgeordnete Nadja Lüders nominiert. Diese sorgsam austarierte Balance zwischen den drei größten Bezirken Westliches Westfalen, Mittelrhein und Niederrhein könnte allerdings kippen, wenn mit Kutschaty ein Niederrhein-Genosse gewinnt.

Derweil nahm sich mit Fraktionsvize Martin Börschel ein Rheinländer aus dem Rennen, er will künftig auch nicht mehr der Fraktionsführung angehören, sondern sich „auf Aufgaben in Köln konzentrieren“. Parteifreunde halten für denkbar, dass er als Oberbürgermeister kandidieren will.

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