Di., 15.01.2013

José Morais kam über die Oberliga Westfalen und Regionalliga zu Real Madrid Mourinhos flüsternder Schatten

Flüsternder Schatten: José Morais (li.), einst Trainer bei Westfalia Herne in der Oberliga Westfalen, ist seit mehreren Jahren rechte Hand von Welttrainer José Mourinho.

Flüsternder Schatten: José Morais (li.), einst Trainer bei Westfalia Herne in der Oberliga Westfalen, ist seit mehreren Jahren rechte Hand von Welttrainer José Mourinho. Foto: imago

Münster - 

Die Wege von Fußball-Trainern sind mitunter unergründlich. Auch in der Oberliga Westfalen. Sagt Ihnen der Name José Morais etwas? Der Portugiese war vom 27. April bis zum 20. August 2002 Trainer von Westfalia Herne in der Oberliga, zu jener Zeit vierthöchste deutsche Spielklasse. Heute ist Morais die rechte Hand von José Mourinho. Und das nicht erst seit dem 31. Mai 2010, als „the special one“, wie Mourinho auch genannt wird, Chefcoach von Real Madrid wurde. Schon zuvor stand Morais seinem weltbekannten Landsmann als „Co“ von Inter Mailand zur Seite. Er ist Mourinhos flüsternder Schatten. Auch an jenem 22. Mai 2010, als Inter durch ein 2:0 gegen den FC Bayern im Madrider Estadio Santiago Bernabéu Champions-League-Sieger wurde.

Von Heiner Gerull

Ehrgeiz, Sachverstand und die Bereitschaft, sich auf Abenteuer einzulassen – das sind jene Komponenten, die Morais befähigt hatten, seinen Weg von der Oberliga Westfalen bis hinauf an die Spitze des internationalen Fußballs zu bewerkstelligen. „Der zweite Vorsitzende von Westfalia, Vjenchislav Mitov, hatte Morais in Portugal kennengelernt und mitgebracht“, erklärte einst ein Insider des Herner Fußballs gegenüber der „Sächsischen Zeitung“, auf welche Weise der heute 47-Jährige den Weg zum Oberligisten gefunden hatte.

Morais saß nur gut vier Monate auf der Herner Trainerbank und trug lediglich in sechs Oberliga-Spielen die sportliche Verantwortung. Doch während dieser Wochen lernte er das Münsterland intensiv kennen. So führte ihn der Weg am 5. Mai 2002 ins Rheiner Auto-Senger-Stadion, wo es beim FC Eintracht eine 1:3-Niederlage setzte. Mehr Glück beschied Morais der Auftritt im Lengericher Stadion an der Münsterstraße eine Woche später. Hätten die rund 200 Zuschauer dort geahnt, welch eine spätere Trainer-Koryphäe aufkreuzen würde, dann hätte die Mehrheit von ihnen auf die – zugegebenermaßen leckere – Stadionwurst an der etwas abseits des Hauptplatzes gelegenen Wurstbraterei wohl verzichtet. Herne gewann damals übrigens 4:3 – und besiegelte Lengerichs Abstieg aus der Oberliga.

Der FC Eintracht Rheine und die Lengericher Preußen sind von der Landkarte der Fußball-Oberliga verschwunden. Heute sind SuS Neuenkirchen, RW Ahlen und der 1. FC Gievenbeck die Platzhirsche der münsterländischen Amateur-Szene. Die Fußball-Bühnen dort sind überschaubar. Doch – wie das Beispiel Herne zeigt – bieten auch sie eine Plattform, um ganz nach oben zu kommen.

Morais’ Intermezzo in Herne endete schon im Spätsommer des Jahres 2002. Als sich der zweite Vorsitzende mit seinen Herner Vorstandskollegen zerstritten hatte, war auch für Morais das Kapitel Westfalia beendet. Allerdings kehrte er nur ein Jahr später ins Münsterland zurück. Als Trainer des Nord-Regionalligisten Dresdner SC verlor er am 5. April mit 0:1 bei Preußen Münster. Später übernahm er mit Assyriska FF den ersten Gastarbeiter-Verein in Schwedens höchster Fußball-Liga – ehe er dann in Portugal Mourinho kennenlernte. Aus einer zauberhaften Geschichte, die in der Oberliga Westfalen einst ihren Anfang genommen hatte, wurde für José Morais ein Fußball-Märchen.

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