Schuften für den Eismarathon
Mi., 08.02.2012
Niederländer fiebern der „Elfstedentocht“ entgegen - letzte Austragung vor 15 Jahren
Freiwillige schippen derzeit den Schnee von den Grachten und zugefrorenen Flüssen in Friesland, damit die „Elfstedentocht“ endlich wieder stattfinden kann.
Leeuwarden -
Ganz Europa bibbert vor Kälte – nur die Niederländer nicht. Die bibbern vor fiebriger Erwartung. Bleibt es, so die bange Frage, die sich Millionen Menschen stellen, bleibt es in den kommenden Tagen kalt? So frostig, dass die Eisdecke auf den Kanälen, Seen und Grachten in Friesland auf mindestens 15 Zentimeter anwächst? Sodass die „Elfstedentocht“, die Tour der Touren, endlich wieder stattfindet?
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15 Jahre schon hoffen die Niederländer auf eine Neuauflage des Schlittschuh-Marathons. Die Strecke führt auf Natureis über gut 200 Kilometer durch die elf Orte in der Provinz Friesland mit Stadtrecht. Die Tour ist ein nationales Ereignis, das selbst dem Fußball-Klassiker Holland – Deutschland den Rang streitig macht. Doch bislang hat der Vorstand der „Königlichen Vereinigung der elf friesischen Städte“ noch kein grünes Licht gegeben.
Immerhin kamen die 22 Vorsitzenden der regionalen Unterabteilungen, die „rayonhoofden“, am Sonntag zusammen, und zum ersten Mal seit 1997 lud der Vorstand zu einer Pressekonferenz. Doch der heiß ersehnte Spruch des Vorsitzenden Wiebe Wieling, „It giet oan“ (friesisch: „Sie findet statt“), fiel nicht. Dabei, so Wieling, sei die Qualität des Eises hervorragend, allerdings nur nördlich der Linie Sneek/Bolsward“. Die Hoffnungen aller Schlittschuhverrückten richten sich auf die Zusammenkunft am Mittwochabend.
Samstag und Sonntag sind die Tage, die als mögliche Tourdaten am heißesten gehandelt werden. Sollte die Tour an einem Werktag stattfinden, nimmt sich das halbe Land frei. Selbst das Parlament ist vom „Elfsteden“-Fieber angesteckt. Der Tag solle zum nationalen Festtag erklärt werden, fordert etwa Geert Wilders, der Chef der rechtspopulistischen „Partei für Freiheit“.
Ob er sich Rückenwind für seine schrumpfende Popularität erhofft? Ob Festtag oder nicht – das öffentliche Leben dürfte an diesem Tag sowieso zusammenbrechen. Bei der letzten „Elfstedentocht“ kam eine regelrechte Völkerwanderung in Richtung Friesland in Gang. Die Zaungäste feuerten die Helden des Eises an. Der Rest der Bevölkerung hing vorm Fernsehen. Sollte die Tour an einem Werktag stattfinden, bekommen Kinder schulfrei.
Die Friesen tun inzwischen alles, um die Strecke tourtauglich zu machen. Freiwillige schippen in den südlichen Teilen der Provinz den Schnee von den Grachten und Kanälen, um das Eis-Wachstum zu fördern. Auch Bahn und Busunternehmen dürften sich schon auf den Ansturm vorbereiten, der zwangsläufig ausbrechen wird, wenn die Tour tatsächlich stattfindet. Und es soll schon jetzt schwierig sein, in Friesland eine Unterkunft für die kommenden Tage zu bekommen.
Die schnellsten Teilnehmer der bislang 15 Touren seit 1909 genießen Heldenstatus. Doch auch alle anderen, bei denen der Spaß im Vordergrund steht, tragen stolz ihr „Elf-Städte-Kreuzchen“. Dieses Abzeichen erhält jedes Mitglied, das die 200-Kilometer-Tour bis Mitternacht vollendet hat. 1997 waren es gut 11 000.
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