Fr., 17.05.2013

Durchbruch bei Stammzellforschung? Klonexperiment Mensch - Interview mit münsterischem Forscher Hans Schöler

Durchbruch bei Stammzellforschung? : Klonexperiment Mensch - Interview mit münsterischem Forscher Hans Schöler

Stammzellenforscher Prof. Hans Schöler (Archivbild). Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - Seit Jahren beißen sich Forscher weltweit die Zähne daran aus. Nun ist es Biologen der Oregon Health & Science University in Portland nach eigenen Angaben gelungen, menschliche Klon-Embryonen herzustellen und Stammzellen daraus zu gewinnen. Über den Forschungserfolg der amerikanischen Wissenschaftler sprach unsere Redakteurin Karin Völker mit Professor Dr. Hans Schöler, Stammzellforscher am Max-Planck-Institut Münster.

Von Karin Völker

Ist Ihren US-Kollegen wirklich ein fundamentaler Schritt gelungen?

Hans Schöler : Sie haben in der Tat als Erste die Voraussetzungen geschaffen, aus einer Körperzelle einen Menschen zu reproduzieren. Zumindest theoretisch ist es jetzt möglich, Menschen zu klonen.

Wie bewerten Sie diesen „Fortschritt“?

Schöler: Sehr problematisch. Sollte es Verrückte geben, die Menschen klonen wollen, so würde dies viel Leid verursachen. Auf ein gelungenes Tierexperiment kommen erfahrungsgemäß viele Fehlversuche, abgesehen davon, dass nicht vorher gesehen werden kann, wie sich ein Klon entwickeln wird. Das reproduktive Klonen des Menschen hätte schon längst weltweit geächtet werden müssen.

Sehen Sie in der Entdeckung einen Vorteil für die Therapie bisher unheilbarer Krankheiten?

Schöler: Ich persönlich bezweifele den Vorteil gegenüber dem Einsatz künstlich hergestellter, sogenannter iPS-Zellen, wie wir sie hier erforschen. Aber man wird die Methoden vergleichen und dann wird sich zeigen, ob das Klonen zu besseren Zellen führt. Eine großes Problem des neuen Verfahrens ist, dass dafür viele Eizellen von Frauen benötigt werden.

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KOMMENTAR

Verantwortung

ie  US-Wissenschaftler haben Grundlagenforschung betrieben, als sie mit menschlichen Eizellen experimentierten. In der Praxis sind die Forscher also noch weit davon entfernt, tatsächlich Kopien einzelner Menschen zu erzeugen. Gleichwohl ist die Wissenschaft offenbar nun wieder ein Stückchen an dieses Ziel herangerückt, das für die meisten Menschen eher eine Horrorvision ist als segensreiche Aussicht.

Je größer der Fortschritt, desto stärker muss die Verantwortung in Wissenschaft  und Gesellschaft wachsen, mit dem gewonnenen Wissen umzugehen. Die Stammzellforschung muss einem Ziel dienen –  bisher unheilbare Krankheiten erfolgreich zu behandeln.

von Karin Völker

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