Tiny House
Was hinter dem alternativen Wohnen in den Mini-Häusern steckt

Sie sind nachhaltig und mobil - gut designt und richtig eingerichtet, entpuppen sie sich als wahre Raumwunder: Tiny Houses. Immer mehr Menschen interessieren sich für dieses alternative Wohnkonzept im Mini-Eigenheim.

Donnerstag, 17.05.2018, 11:00 Uhr

Tiny House: Was hinter dem alternativen Wohnen in den Mini-Häusern steckt
Von Außen sehen Tiny Houses recht unspektakulär aus. Wagt man einen Blick ins Innere, zeigt sich ein geräumiges Mini-Zuhause. Foto: Patrick Pleul/dpa (Symbolfoto)

Es ist der Rückzug aufs Wesentliche: Was nicht wirklich gebraucht wird, gehört aussortiert. Minimalismus pur. In den USA boomt der Markt seit Jahren. Doch der Ursprung hat ernste Gründe: Viele Hausbesitzer haben sich wegen der Immobilienkrise von ihrem Haus trennen müssen und waren auf der Suche nach Alternativen. Im Laufe der Zeit haben sich immer mehr Interessierte für diese alternative Wohnform gefunden und sich ganz bewusst dafür entschieden.

Der Tiny-House-Trend schwappt nun auch nach Deutschland. Das haben viele Schreiner erkannt und bauen fleißig für ihre Kunden. Seit Mai vertreibt auch Tchibo die Mini-Häuser. Es gibt sie dort in drei Grundmodulen - zwischen 15 und 22 Quadratmetern.

Großes Raumgefühl

Die Tiny Houses von Tchibo verfügen über eine Deckenhöhe von 3,50 Metern (Im Vergleich: Eine normale Wohnung hat eine Raumhöhe von 2,50 Metern). Die Deckenhöhe, die bei fast allen Tiny-Houses höher als in normalen Wohnungen ist, hat gleich zwei Vorteile: In dem vermeintlich kleinen Raum entsteht ein großes Raumgefühl - und: im oberen Bereich bietet sich dadurch Platz für ein kleines Schlafzimmerloft, das über eine kleine Treppe erreicht werden kann, die wiederum Stauraum bietet. Durchdacht eben.

Die Deckenhöhe von 3,50 Metern birgt einen weiteren Vorteil: Wird die maximale Höhe von 3,50 Metern nicht überschritten, dürfen Tiny Houses auf Campingplätzen, die ein Dauercampen erlauben, abgestellt werden. Hier fällt dann auch die Stellplatz- und Baugenehmigung weg. Aber Vorsicht: Das dauerhafte Wohnen auf Campingplätzen legt die jeweilige Gemeinde fest.

Wieso Tiny Houses so beliebt sind:

  • Downsizing: Interessierte leben in vielen Fällen den Minimalismus. Sie wollen nur noch das besitzen, was sie wirklich brauchen
  • Nachhaltigkeit: Tiny Houses können komplett autark funktionieren
  • Flexibilität: Ein neuer Job in einer anderen Stadt ruft? Mit einem Tiny House ist der Umzug schnell erledigt - zumindest in der Praxis (s.u.)
  • Finanzielles: Tiny Houses sind in den meisten Fällen günstiger als Häuser und Wohnungen. So ist beispielsweise der Kredit fürs Mini-Eigenheim schneller abbezahlt

Was bei einem Tiny House in Deutschland zu beachten ist

  • Zunächst ist zu unterschieden, ob es sich um Tiny Houses auf Rädern (Tiny Houses on Wheels) oder feststehende Tiny Houses handelt und ob die Mini-Häuser zum dauerhaften Wohnen ausgerichtet sind oder lediglich als Wochenend- oder Ferienhäuser oder gar als reiner Wohnwagen dienen.
  • Den Standplatz und gültige Bestimmungen in der jeweiligen Gemeinde checken: Wird ein Tiny House zu Wohnzwecken genutzt und soll dauerhaft (in den meisten Fällen sind hier mehr mehr als drei Monate gemeint) auf ein Grundstück gestellt werden, müssen Besitzer von Tiny Houses eine Baugenehmigung beantragen. Empfohlen wird hier auch ein Gespräch mit dem Vertreter des Bauamtes. Zu unterscheiden ist, ob sich das Grundstück im Außenbereich (außerhalb der bebauten Ortsteile; hier ist es rechtlich nicht erlaubt zu bauen) oder im Innenbereich (innerhalb der bebauten Ortsteile; grundsätzlich ist hier bauen erlaubt) befindet.
  • Handelt es sich um ein Tiny House auf Rädern (Tiny House on Wheels), das mobil ist und transportiert werden soll, brauchen Käufer in Deutschland eine Straßenverkehrszulassung. Je nach Transportbedarf reicht hier auch eine Kurzzeitzulassung.
  • Damit böse Überraschungen gar nicht erst aufkommen, sollten Interessierte rechtliche Angelegenheiten mit der örtlichen Behörde schon vor dem Bau oder Kauf eines Tiny Houses klären.
  • Schwierig, aber nicht unmöglich, ist die Anmeldung des Erstwohnsitzes. Dies kann beispielsweise dann möglich sein, wenn ein Campingplatz als Stellplatz genutzt werden soll. Doch nicht jeder Campingplatz ist dafür geeignet und erlaubt einen dauerhaften Platz fürs Dauercamping. Hier müssen Tiny-House-Besitzer die Regelungen bei der jeweiligen Gemeinde erfragen.
  • Wie kommt das Tiny House nach seinem Bau zu seinen Besitzern? Das Auto muss 3,5 Tonnen ziehen können. Gegen einen Aufpreis liefern allerdings viele Anbieter zum gewünschten Ort.

Tiny-House-Trend im Netz

Der Tiny-House-Trend macht sich auch im Netz bemerkbar. Ob auf Instagram, Facebook oder YouTube: Das Thema schlägt hohe Wellen. Videos zum Thema werden auf YouTube millionenfach geklickt. Besonders bekannt in der Szene ist Bryce Langston aus Neuseeland. Seit Jahren zeigt er auf seinem YouTube-Kanal "Living Big In A Tiny House" (745.552 Abonnenten; Stand Mai 2018) verschiedene Tiny Houses, lässt sich von den Besitzern die Vor- und Nachteile des alternativen Wohnens erklären und hat zudem Tipps für bauliche Maßnahmen parat.

Weitere Informationen

Tiny-House-Fieber auf Instagram

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