Interview mit Botschafter von Fritsch
„Russland eine Chance geben“

Münster/Moskau -

Mit dem Botschafter Deutschlands in Russland, Rüdiger von Fritsch, sprach unser Redaktionsmitglied Claudia­­ ­Kramer-Santel.

Donnerstag, 14.06.2018, 08:48 Uhr

Rüdiger von Fritsch
Rüdiger von Fritsch ist Deutschlands Botschafter in Russland. Foto: dpa

Besuchen Sie während der Weltmeisterschaft ein Fußballspiel?

Von Fritsch: Selbstverständlich. Ich werde auf jeden Fall das erste Vorrundenspiel von Deutschland gegen Mexiko besuchen. Ob ich zu weiteren Spielen gehe, hängt natürlich vom Erfolg der deutschen Mannschaft ab. Ansonsten ist mein Terminkalender ziemlich offen. Wie WM ist für die ganze Botschaft ein Großprojekt, was wir seit Langem vorbereiten. Natürlich ein wunderschönes.

Welches Image hat die deutsche Mannschaft denn in Russland?

Von Fritsch: Vor unserer Botschaft steht ein Plakat mit der deutschen Mannschaft, das die russischen Organisatoren dort aufgestellt haben. Ähnliche Plakate gibt es in der ganzen Stadt. Das Team steht auf dem Plakat eng zusammen und freut sich. Nicht triumphierend, nicht jubelnd. Ein Team mit großen ­charakterlichen Tugenden, auf dem natürlich eine ­hohe Erwartungshaltung liegt. Man weiß, dass man sich als potenzieller Gegner warm anziehen muss. Doch das Image der deutschen Mannschaft ist sehr positiv.

Ich habe gehört, in Russland werde viel über Fußball geredet, doch kaum jemand habe richtig Ahnung – ein Vorurteil?

Von Fritsch: Der Stellenwert des Fußballs ist nicht ganz mit dem in Deutschland vergleichbar, weil es noch eine zweite Sportart gibt, die eine sehr große Rolle spielt: Eishockey. Hier war Russland immer Weltklasse. Die Erwartungen der Russen an das eigene Fußballteam sind nicht sehr groß. Man hofft sehr, dass es die Vorrunde überstehen wird. Die russische Mannschaft hat übrigens einen Trainer, der früher Stammtorhüter bei Dynamo Dresden war: Stanislaw Tschertschessow.

Gibt es eine Änderung der Stimmung durch die Weltmeisterschaft in Russland? Ein russisches Sommermärchen?

Von Fritsch: In Moskau kann man deutliche Ver­änderungen spüren. Allein schon durch die vielen Verschönerungen, durch Fahnen und Fan-Zonen. Die Spannung steigt schon spürbar. Die Sicherheit ist natürlich hoch. Auch in der Botschaft werden wir zu den Deutschland-Spielen Public Viewing veranstalten. Ich denke, dass ganz viele positive Effekte aus­gehen können von der WM in Russland. Auch bei uns war ja das Sommermärchen nicht nur vom Erfolg der eigenen Mannschaft bedingt, sondern von der positiven Stimmung im Land. Das kann in Russland auch gelingen. Die Russen sind stolz, sich mit der Weltmeisterschaft präsentieren zu können, und wollen sich als gastfreundliches, viel­fältiges Land zeichnen, das auch solche Großevents organisieren kann, und ich denke, wir sollten Russland eine Chance geben.

Wird Putin die WM denn nicht als Bühne nutzen, um von der Missachtung demokratischer Grundregeln im Land abzulenken?

Von Fritsch: Jedes große Sportereignis spiegelt natürlich auch auf das Land zurück, in dem es aus­getragen wird. Das wird hier nicht anders sein. Aber am Ende wird es darauf ­ankommen, ob Russland sich als guter Gastgeber zeigt – und davon bin ich überzeugt. Wir haben ja auch während der Olympiade in Sotschi gesehen, dass der Sport doch für eine gewisse Zeit im Vordergrund stand. Das wird hoffentlich auch hier so sein.

Was müssen die Fans, die zur WM fahren, beachten?

Von Fritsch: Russland hat sich auf die Weltmeisterschaft gut vorbereitet, auch darauf, dass der Be­sucher sich gut zurechtfinden kann. Es gibt nicht nur viele Sicherheitskräfte, sondern ein große Zahl freiwilliger, junger Helfer, die für dieses Ereignis brennen und sehr hilfsbereit sind. Natürlich spielt wie bei allen Großereignissen das Thema Sicherheit eine große Rolle. Wegen der Kontrollen ist es ratsam, früh zu einem Spiel zu gehen und Geduld mitzubringen. Ansonsten gibt es auch außerhalb der Austragungsorte tolle Dinge zu sehen. Russland ist einfach auch ein schönes und vielfältiges Land.

Was ist denn Ihr Tipp für den Ausgang der Weltmeisterschaft?

Von Fritsch: Als Diplomat sollte ich natürlich sagen: Möge der Beste gewinnen. Doch am Ende bin ich Fußballfan und hoffe natürlich sehr auf ein gutes Abschneiden der deutschen Mannschaft – auf den fünften Stern auf dem Trikot!

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