WM-Kolumne: Grüße aus Moskau
Böse Miene zum guten Spiel

Wenn Sie jemals die Charoitovaya ulitsa, eine gefühlt sechs- bis zehnspurigen Ausfallstraße im Süden von Moskau, rechts auf der Höhe von Watutinki verlassen, dann liegen Sie eventuell richtig: Dort geht es zum Hotel-Komplex des russischen Außenministeriums. 

Mittwoch, 13.06.2018, 20:30 Uhr

 Polizisten und Sicherheitskräfte beim Training der deutschen Nationalmannschaft in Watuniki.
 Polizisten und Sicherheitskräfte beim Training der deutschen Nationalmannschaft in Watuniki. Foto: dpa

Hoffen Sie nicht auf Straßennamen, es gibt sie nicht, orientieren Sie sich an dem rot-weißen Haus an der Ecke mit der russischen Flagge über der Tür. Könnte was werden, aber versprechen kann ich es nicht. 

Wenn Sie jemals die Charoitovaya ulitsa, eine gefühlt sechs- bis zehnspurigen Ausfallstraße im Süden von Moskau, rechts auf der Höhe von Watutinki verlassen, dann liegen Sie eventuell richtig: Dort geht es zum Hotel-Komplex des russischen Außenministeriums. Hoffen Sie nicht auf Straßennamen, es gibt sie nicht, orientieren Sie sich an dem rot-weißen Haus an der Ecke mit der russischen Flagge über der Tür. Könnte was werden, aber versprechen kann ich es nicht.

Die Gegend ist furchterregend, freiwillig zieht hier keiner hin. Weil die deutsche Mannschaft in dieser abgehalfterten Garnisonsstadt Residenz genommen hat, stehen aktuell an jeder zweiten Hauseinfahrt Polizisten und Sicherheitskräfte, die Straßen werden regelmäßig feucht durchgewischt, das ist tatsächlich kein Witz. Sicherheit zuerst heißt das Motto. Und die Securitykräfte gucken so richtig böse. Überall gibt es Türsteher. Charaktermerkmal: Die gehen nicht zum Lachen in den Keller, die haben noch nie gelacht.

Doch der Schein trügt. Da also, in dieser Brachlandschaft mit Wohnblöcken, trafen wir Polizist Sergej. Er wies uns den Weg, versuchte unsere Navigation zu richten, sprach tatsächlich ein paar Brocken Englisch – um uns dann im Putin-Style eine Eskorte zu besorgen. Plötzlich tauchte aus dem Nichts ein Ford Focus auf, blinkte uns an, wir sollen ihm folgen. Sergej lachte nicht, nickte kurz mit dem Kopf und sagte „Harascho“ oder so. Alles okay. Drei Minuten später waren wir am Ziel. Unfreundliche Russen gibt es nicht.

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