So., 05.02.2012

„Abschalten genügt nicht“ Atomausstieg: Gewerkschaft IGBCE kritisiert Umsetzung der Energiewende

„Abschalten genügt nicht“ : Atomausstieg: Gewerkschaft IGBCE kritisiert Umsetzung der Energiewende

Der Atomausstieg, hier das AKW Biblis, birgt große Herausforderungen. Foto: dpa

Haltern - Die Energiegewerkschaft IGBCE schlägt Alarm: Der Netzausbau „vollkommen unzureichend“. Eine Sonnenstrom-Förderung, die „als Beschäftigungsprogramm nach Fernost abfließt“. Und eine Bundesregierung, die offenbar aus den Augen verloren habe, wie groß die Herausforderungen durch den Atomausstieg seien. „Wenn das so weitergeht wie bislang, wird das nichts mit der Energiewende“, klagte der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis am Wochenende in Haltern.

Von Martin Ellerich

Bei der Umsetzung der Energiewende fehle es an „allen Ecken und Kanten“ an einem stringenten politischen Management, kritisierte Vassiliadis . „Es reicht eben nicht, einige Kernkraftwerke abzuschalten und für die anderen ein Auslaufdatum zu beschließen“, so der Chef der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. „Damit beginnt erst die eigentliche Arbeit.“

Beispiel Netzausbau : Von 24 Vorhaben, die nach dem Ausbaugesetz mit Vorrang umgesetzt werden sollten, seien zwölf bereits heute in ihren Realisierungsmöglichkeiten um Jahre verzögert. So trügen immer wieder Anwohnerproteste zum Stocken bei. Beispiel Fotovoltaik: „ Deutschland fördert mit sehr viel Geld den Absatz chinesischer Solarmodule, die zu Dumpingpreisen auf unseren Markt drängen“, meinte Vassiliadis.

Zugleich sei die mit Milliarden geförderte deutsche Solarindustrie bereits wieder in ihrem Bestand gefährdet, während die Strompreissteigerungen Verbraucher und Industrie träfen. Beispiel Kraftwerksneubau: Seit der Energiewende sei mit keinem einzigen Neubau begonnen worden.

„Die abgeschalteten Kernkraftwerke werden zu einem Gutteil durch Alt- und Uraltkraftwerke ersetzt.“ Teilweise habe sogar auf Strom aus alten österreichischen Öl-Kraftwerken zurückgegriffen werden müssen, um Versorgung und Netzspannung zu sichern. Die IGBCE kratzt daher am absoluten Einspeisevorrang für die Erneuerbaren Energien.

Derzeit haben sie „Vorfahrt“ bei der Einspeisung ins Netz. Die Netzspannung lässt sich aber mit der schwankenden Ausbeute der derzeitigen Windräder und Solarstrom-Anlagen schlechter stabil halten als mit konventionellen Kraftwerken.

Vassiliadis forderte daher einen gesicherten Sockel von Kraftwerken („Must-Run-Sockel), die zu jeder Zeit Strom liefern könnten – egal ob sie mit Gas, Kohle, Wasser, Biomasse, Geothermie oder Grubengas betrieben werden. Und dies so lange, bis das Netz ausgebaut und ausreichend Speichermöglichkeiten für Erneuerbare Energien geschaffen seien. Vassiliadis: „Wir brauchen einen doppelten Schutz vor Preis- und Frequenzschwankungen im Netz, die wirtschaftlich nicht mehr tragbar sind.“

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