IHK-Konjunkturumfrage
Di., 07.02.2012
Regionale Wirtschaft in robuster Verfassung – nur leichte Abkühlung erwartet
(Symbolbild)
Münster -
Konjunktureinbruch? Eurokrise? Bangemachen gilt nicht – derzeit schätzt fast die Hälfte der Unternehmen in der Region ihre Lage als „gut“ ein: 44,6 Prozent. Der Wert ist so gut wie vor der Finanzkrise.
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„Und der Großteil der Unternehmen, nämlich zwei Drittel, erwartet für die nächsten Monate eine gleichbleibende Entwicklung“, sagte Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen (IHK), gestern bei der Vorstellung der IHK-Konjunkturumfrage. „Wir erwarten für die nächsten Monate keinen tiefgreifenden Umschwung, sondern allenfalls eine leichte Abschwächung“, betonte er. Die Lage ist glänzend – aber die Unsicherheit beim Blick auf die Eurokrise groß.
Die Unternehmen stehen „robust“ da, sehen sich „gut aufgestellt, wenn es um die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen geht“, so Schulte-Uebbing. Dennoch sei ihnen klar, dass ihrer „Selbstbewussten Grundhaltung der Boden entzogen würde, sollte die Schuldenkrise nochmals eskalieren.“
Diese Unsicherheit betrifft zum Beispiel den Export – den Konjunkturtreiber der Region. Etwa 70 Prozent der nord-westfälischen Exporte gehen in europäische Staaten. „Wenn aber in Europa überall Sparprogramme aufgelegt werden, hat das Auswirkungen auf die Nachfrage“, erklärt IHK-Experte Prof. Dr. Bodo Risch. Nur noch 16 Prozent der Betriebe erwarten aktuell eine weitere Steigerung des Auslandsumsatzes.
Betriebe im Münsterland
Im Münsterland bezeichnen 48,2 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage als gut (Kammerbezirk: 44,6 Prozent), 46,8 (49,7) Prozent als „befriedigend“ und 4,9 (5,6) Prozent als „schlecht“. Die Zukunftserwartungen waren im Münsterland etwas weniger positiv als im gesamten Kammerbezirk – nur 11,9 Prozent rechneten mit einer „besseren“ Geschäftslage, im Kammerbezirk waren es 13,3 Prozent. Allerdings rechneten hier auch nur 18,6 Prozent mit einer Verschlechterung, im Gesamtbezirk aber 20,2 Prozent.
„Vor einem Jahr waren es noch knapp 40 Prozent“, so Schulte-Uebbing. Dagegen befürchte heute fast jedes fünfte Unternehmen, im Mittelstand sogar jedes vierte einen Rückgang. Aber auch beim Auslandsgeschäft gilt: Die Lage ist gut. Allein zwischen Januar und November 2011 wurden Waren im Wert von 15,8 Milliarden € aus dem Kammerbezirk exportiert – 17,6 Prozent mehr als im Vorjahr (Münsterland: 9,6 Mrd. € , plus 13,2 Prozent). 2010 war der Auslandsumsatz sogar um 23 Prozent gewachsen.
Noch mehr als um den Euro sorgen sich die 500 befragten Unternehmen um die Inlandsnachfrage sowie um Energie- und Rohstoffpreise. Zudem steigt die Befürchtung, nicht genug Fachkräfte zu bekommen. Doch dass es derzeit gut läuft, zeigt ein Blick auf den Einzelhandel. Hier erklärten rund die Hälfte der Unternehmen, es gehe ihnen gut – im Spätsommer waren es nur 26 Prozent. Der private Konsum habe deutlich angezogen. Gründe?
„Im Münsterland gibt es quasi Vollbeschäftigung“, so Schulte-Uebbing. „Und die Verbraucher sehen sich von der Euro-Krise nicht betroffen.“ Der Beschäftigungsboom hält derweil an – auf etwas niedrigerem Niveau: Nach wie vor will fast ein Fünftel der Betriebe weitere Mitarbeiter einstellen, nur jeder Achte Personal abbauen.