Di., 21.01.2014

Dülmener Autobauer ist am Ende Bei Wiesmann fällt der Vorhang

Ein Bild aus besseren Tagen: Ein Mitarbeiter deckt 2009 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main einen Wiesmann Roadster MF5 mit einer Schutzhülle zu.

Ein Bild aus besseren Tagen: Ein Mitarbeiter deckt 2009 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main einen Wiesmann Roadster MF5 mit einer Schutzhülle zu. Foto: dpa

Dülmen - 

Hoffen und Bangen bis zum Schlussstrich: Am Montag um 14 Uhr trafen sich die wichtigsten Wiesmann-Gläubiger in Dülmen, um noch einmal über die mögliche Zukunft der Automanufaktur zu beraten. Geschlagene vier Stunden lang diskutierten sie, wie der insolvente Sportwagenhersteller vielleicht doch noch zu retten sein könnte.

Von Markus Michalak

Für sie alle geht es dabei um viel Geld: Allein bei den Banken steckt der Sportwagenhersteller mit mehr als zehn Millionen Euro in der Kreide, die Ansprüche der Zulieferer dürften sich zusätzlich auf etwa drei Millionen Euro aufaddieren.

Doch auch nach Ablauf der allerletzten Frist, Montag, 16 Uhr, sind die erhofften Millionen nicht auf dem Anderkonto eingegangen. Weder die neun Millionen  Euro, welche die neuen Aktionäre vertraglich zugesichert hatten, noch die eine Million Euro, die zumindest die vorübergehende Aufrechterhaltung des Betriebs sichergestellt hätte.

„Da die von den Gläubigern geforderte Liquidität des Unternehmens somit nicht gegeben ist, bleibt der Gläubigerbeschluss vom 10. Januar bestehen: Der Betrieb wird stillgelegt“, erklärte Insolvenzverwalter Dr. Norbert Küpper auf Anfrage unserer Zeitung.

Deshalb bleibt Küpper nun nichts anderes mehr übrig, als auch den Großteil der letzten rund 20 Wiesmann-Mitarbeiter, die ihm in der Manufaktur zuletzt noch zur Seite standen, ebenfalls nach Hause zu schicken. Es ist schlicht kein Geld mehr da, um sie entlohnen zu können. Und auch wenn Küpper versichert, dass die eine Million Euro jederzeit noch eingehen, und damit die Zerschlagung des Betriebes noch aufgehalten werden könnte, glaubt niemand mehr an ein solches Wunder. „Wir nehmen die Million Euro von jedem an“, versichert Küpper mit einer Portion Galgenhumor.

„Wir waren bis zuletzt überzeugt davon, dass Wiesmann eine Zukunft hat, da wir an die Marke, aber auch an unsere Produkte glauben“, zieht nun auch Markus Stevermüer, Betriebsratsvorsitzender, schweren Herzens einen Schlussstrich unter die Ära der Sportwagen aus Dülmener Produktion. „Jetzt geht es darum, die Insolvenzmasse genau zu beziffern, und für mich persönlich natürlich auch darum, einen Sozialplan für die rund 100 Beschäftigten mit der Geschäftsführung zu erarbeiten“, skizziert Stevermüer die Aufgaben der nächsten Wochen und Monate.

Damit dürfte die letzte Galgenfrist für die angestrebte Sanierung ergebnislos verstrichen sein. In den vergangenen 25 Jahren hat die von den Brüdern Martin und Friedhelm Wiesmann gegründete Firma 1650 exklusive Sportwagen gebaut.

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