Mi., 19.10.2016

Preisgalopp am Immobilienmarkt In deutschen Metropolen verteuern sich Wohnungen und Häuser

Hochwertige Eigentumswohnungen in Großstädten sind zurzeit besonders gefragt – entsprechend steigen die Preise.

Hochwertige Eigentumswohnungen in Großstädten sind zurzeit besonders gefragt – entsprechend steigen die Preise. Foto: dpa

Frankfurt/Münster - 

Die Gefahr einer Immobilienblase in Deutschland ist kaum noch zu leugnen. Der Anstieg der Immobilienpreise beschleunigt sich. Die Preise für bestehende Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen seien im zweiten und dritten Quartal noch stärker gestiegen als im Vorjahreszeitraum, teilte der Immobilienverband IVD am Dienstag bei der Vorlage seines neuen Wohn-Preisspiegel in Frankfurt mit. Besonders betroffen seien Großstädte. Auch 2017 dürften Immobilien im Schnitt teurer werden, glaubt der Verband.

Von dpa, Jürgen Stilling

Demnach verteuerten sich Eigentumswohnungen mit mittlerem Wohnwert im Schnitt um gut sechs Prozent. 2015 hatte die Rate bei solchen Standardobjekten in durchschnittlicher Lage bei knapp fünf Prozent gelegen. Einfamilienhäuser im Bestand kosteten 4,2 Prozent mehr, im Vorjahr waren es noch 3,1 Prozent. „Der 2010 begonnene Preisanstieg setzt sich fort“, sagte IVD-Präsident Jürgen Schick. Neu gebaute Eigentumswohnungen hätten sich indes mit einem Plus von sechs Prozent etwa so stark verteuert wie schon im Vorjahreszeitraum.

Am stärksten wuchsen die Preise in Metropolen. In Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern verteuerten sich Standard-Eigentumswohnungen im Schnitt um 9,4 Prozent. Das größte Plus verzeichnete Frankfurt mit fast 19 Prozent vor Köln (15) und Stuttgart (11). „Je größer die Stadt, desto höher der Anstieg“, sagte Schick. In Städten mit 250.000 bis 500.000 Einwohnern, zu denen auch Münster zählt, war der Anstieg auch gewaltig. Er lag bei durchschnittlich 8,6 Prozent.

Kommentar

Gefährlicher Trend

Niedrige Zinsen und die deutsche Alterspyramide bilden gemeinsam ein gefährliches Potenzial: Sie verleiten Investoren dazu, immer mehr Geld für Immobilien in Großstädten auszugeben. Klar: Der Anteil der Senioren an der deutschen Bevölkerung wächst und wächst. Deren Kinder sind aus dem Haus, die Mobilität schwindet, da ist eine zen­trale Wohnung in der Me­tropole attraktiv.

Geldanleger wissen das. Sie suchen mangels Zinsen eine rentable Anlagealternative. Gleichzeitig nutzen andere die Chance, um mit Hilfe eines günstigen Baukredits zu investieren. Beides führt in den Städten zu immer schneller kletternden Wohnungspreisen.

Doch irgendwann platzt die Blase. Spätestens, wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöht und damit alternative Geldanlagen wieder lukrativer macht. Aber auch vorher kann die Einsicht der Hauskäufer wachsen, dass die Immobilienpreise eine Schmerzgrenze erreicht haben. Dieser Risiken sollten sich Käufer bewusst werden.

von Jürgen Stilling

Bei Städten wie Bocholt, Rheine, Ahlen und Ibbenbüren (50 000 bis 100 000 Einwohner) lag das Preisplus für gebrauchte Eigentumswohnungen lediglich bei 5,2 Prozent nach noch 5,7 Prozent im Vorjahr. Kleinere Städte (30.000 bis 50.000 Einwohner) überraschen laut IVD in diesem Jahr mit einem Preisanstieg um im Schnitt 7,2 Prozent.

Ein Grund für den Preisgalopp sei neben den niedrigen Zinsen die Wohnraumknappheit: Am meisten mussten Käufer für Eigentumswohnungen in München zahlen – dort wurden im Schnitt 4200 €  pro Quadratmeter fällig.

Auch bei Einfamilienhäusern gibt es in den Großstädten die größten Preissprünge. Sie verteuerten sich dort mit rund sechs Prozent deutlich stärker als im landesweiten Schnitt. Hier gehören allerdings schon die Städte ab 250 000 Einwohner zur Top-Preis-Liga. „Günstige Finanzierungsbedingungen und eine Zunahme des verfügbaren Einkommens heizen die Nachfrage an“, erklärte Schick. Als günstigere Alternative würden Reihenhäuser zunehmend beliebt. Gerade in Städten mit 30 000 bis 50 000 Einwohnern sei das Interesse dafür gestiegen.

Immobilen
Foto: Grafik: dpa

Entspannung auf dem Wohnungsmarkt erwartet der IVD zunächst nicht. Weder an den niedrigen Zinsen noch an der Wohnungsknappheit werde sich Grundlegendes ändern. Die Politik solle daher den Wohnungsbau forcieren und Eigentum steuerlich fördern, erklärte der Verband.

Für die Studie hat der IVD gezahlte Immobilienpreise in rund 370 Städten und Gemeinden bundesweit ausgewertet.

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