Do., 24.08.2017

Diesel-Fahrzeuge CDU-Europaabgeordneter gegen schärfere Grenzwerte: „Keine deutschen Alleingänge“

Die Umweltbelastung durch Dieselabgase ist europaweit hoch. Der Europaabgeordnete Markus Pieper (kl. Bild) hält dennoch Fahrverbote nur für das letzte denkbare Instrument.

Die Umweltbelastung durch Dieselabgase ist europaweit hoch. Der Europaabgeordnete Markus Pieper (kl. Bild) hält dennoch Fahrverbote nur für das letzte denkbare Instrument. Foto: dpa

Münster - 

Diesel-Fahrverbote in Großstadtzonen sind für Markus Pieper nur ein letztes denkbares Instrument. „So etwas gäbe es dann für Euro-5- und auch neue Euro-6-Diesel wirklich nur in Deutschland“, betont der CDU-Europaabgeordnete. 

Von Wolfgang Kleideiter

Dabei werde vergessen, dass 23 von 28 Mitgliedsländern der EU Probleme mit den Stickoxid-Grenzwerten haben. Pieper: „Deshalb tragen auch alle europäischen Hersteller Verantwortung, nicht nur VW, Mercedes oder BMW.“ Es brauche nicht deutsche Alleingänge, sondern eine europäische Lösung, betonte er gegenüber unserer Zeitung.

Dieser Lösung kommt man aus Sicht des Europapolitikers bereits näher. „Wir müssen nicht über eine weitere Verschärfung der Grenzwerte diskutieren. Die vereinbarten Fahrpläne müssen eingehalten werden. Vor allem müssen die Angaben der Automobilindustrie dann wirklich den realen Werten entsprechen“, erklärte Pieper, der in Brüssel unter anderem Mitglied im Ausschuss für Verkehr und Tourismus ist. Seine Prognose: „Das Problem wächst sich raus.“

Konkret verweist Pieper auf die bereits beschlossene Umstellung der Testverfahren für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Ab September gilt in der EU zur Verbrauchsermittlung der WLTP-Test (Worldwide Harmonised Light Verhicle Test Procedure). Im Gegensatz zum inzwischen wieder überholten NEFZ-Test (Neuer europäischer Fahrzyklus) gibt es beim WLTC drei verschiedene Zyklen, die vom Leistungsgewicht des Fahrzeugs abhängig sind. Der Test für Neufahrzeuge dauert länger, simuliert eine doppelt so weite Strecke, weist eine höhere Maximalgeschwindigkeit auf und berücksichtigt Sonderausstattungen. Experten rechnen damit, dass die ermittelten Verbrauchswerte dadurch steigen werden.

Zudem werden laut Pieper ab September realistischere Straßente sts für die Zulassung von neuen Fahrzeugtypen vorgeschrieben. Partikel- und Stickoxidausstoß werden nicht mehr im Labor, sondern direkt auf der Straße ermittelt. Die mögliche Grenzwertüberschreitung für die Typenzulassung wird parallel stark abgesenkt.

Pieper plädiert für verbindliche stichprobenartige Nachprüfungen bei Jahres- und Zweijahreswagen, um zu sehen, wie sich die neuen Fahrzeuge im Alltag verhalten. Die jetzt in Deutschland diskutierten Nachrüstaktionen für Dieselmodelle müssten nach seiner Meinung europaweit erfolgen. „Hundertausende reisen täglich quer durch Europa. Wenn wir Fahrverbote vermeiden wollen, müssen wir das Problem auch gesamteuropäisch angehen.“

Von einer Zwangsquote für E-Autos hält Pieper nichts. Hohe Kaufpreise, fehlende Ladestationen und geringe Reichweiten sprächen dagegen. Es werde eine neue Abhängigkeit geschaffen. „Wir brauchen dafür Seltene Erden. Und diese besitzt vor allem China.“ Vergessen werde auch immer wieder, was „hinter der Steckdose steckt“. 45 Prozent der Energie stamme schließlich aus der Kohle-Verstromung.

Man sollte laut Pieper die Diesel- und Abgasfrage technologieoffen diskutieren. „Es gibt synthetische Kraftstoffe, Gas, Hybrid, neue Motogenerationen und Nachrüstungen im großen Stil.“

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