Behörden-Chef Jahn über die Stasi
„Wie ein Stück Vieh“ in den Westen abgeschoben

Donnerstag, 01.01.1970, 01:01 Uhr

Münster - „Aufklärung darf niemals aufhören“: Roland Jahn , neuer Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen , weiß, wovon er spricht, wenn es um die totalitären Praktiken der Staatssicherheit in der DDR geht.

Der deutsche Journalist geriet selbst als Demonstrant Mitte der 1970er Jahre ins Visier der Ermittlungsbehörde für „politische Straftaten“, wurde mehrfach inhaftiert und schließlich 1983 gegen seinen Willen in die Bundesrepublik ausgewiesen. Im Mittwochsgespräch der Villa ten Hompel berichtete der SED-Gegner über die menschenverachtende Denkweise des Unterdrückungs- und Überwachungsinstruments der SED.

Zunächst folgte Jahn dem Ratschlag seiner Eltern, „sich aus der Politik rauszuhalten“, und leistete den Grundwehrdienst. Während seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften in Jena wurde die Stasi auf ihn aufmerksam, weil er zu viele kritische Fragen stellte. „Obwohl mir die gesamte Seminargruppe Freundschaftsbekundungen ausgesprochen hatte, stimmten alle insgeheim für meine Exmatrikulation - aus Angst vor möglichen Konsequenzen.“

Von da an war der junge SED-Gegner im Visier der Staatssicherheit und litt unter deren Versuchen, seine Kritik am DDR-Regime auszuschalten. Wie „ein Stück Vieh“ sei sich Jahn bei seiner erzwungenen Ausreise in die Bundesrepublik vorgekommen: „Die Freiheit des Westens war nur eine halbe, solange die Mauer noch stand“, so Jahn.

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