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„Notstand stürzt das Land in Unruhe“

Donnerstag, 09.08.2007, 18:08 Uhr

Münster. Mit dem Pakistan-Experten Christian Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik sprach unser Redaktionsmitglied Claudia Kramer-Santel .

Droht eine militärische Konfrontation in Pakistan?

Wagner: Es wäre ein schwerer Fehler, den Notstand zu verhängen! Damit sind neue Unruhen programmiert. Musharraf geht es dabei wohl um die Erhaltung seiner Macht. Er will die lautstarke Opposition schwächen. Musharraf will sich im Herbst vom Parlament – in dem ihm eine Mehrheit sicher ist – erneut als Präsident wählen lassen. Doch die Opposition kritisiert heftig seine Doppelrolle als Militärchef und Präsident. Im Fall eines Notstands könnte Musharraf die Wahl um ein Jahr verschieben und eine Abfuhr vermeiden.

Durch den Notstand wird aber sein Image als zwielichtiger Staatsmann gestärkt.

Wagner: Das stimmt. Sicherheitspolitisch ist der Notstand zwar immer zu rechtfertigen. In den Nordwest-Grenzprovinzen herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Doch mit seinem Verhalten geht ein internationaler Ansehensverlust einher.

Warum hat Musharraf die Friedenskonferenz mit afghanischen Stämmen in dieser Woche abgesagt?

Wagner: Er hat Zweifel genährt, die Pakistanis würden sich nur halbherzig für den Kampf gegen den Terror engagieren – um es sich nicht mit den Taliban zu verderben. Denn diese benötigt Musharraf noch, um seinen Einfluss in Afghanistan zu stärken, wenn die internationalen Truppen abziehen. Dieses halbherzige Engagement nehmen ihm die USA sehr übel. Sie haben Raketenangriffe gestartet und drohen mit einem militärischen Eingriff. Denn sie vermuten weiter Osama bin Laden im Grenzgebiet.

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