Weltkindertag
Kinderstars: Senkrechtstarter und Gescheiterte

Donnerstag, 20.09.2007, 00:01 Uhr

Münster - Als Lausbub vertrieb er Gauner, wurde mit „Kevin – Allein zu Haus“ 1991 zum Star, Eltern benannten den Nachwuchs nach seiner Filmrolle. Macauly Culkin (25) hatte wenig vom Ruhm. Vom Vater wurde er misshandelt, die Eltern lieferten sich eine Schlammschlacht ums Sorgerecht, er bekam psychische Probleme, lebte exzessiv und hat eine Liste von Straftaten von Trunkenheit am Steuer bis zu illegalem Drogenbesitz. 2004 stellte er sein Schicksal als „Party Monster“ im gleichnamigen Spielfilm dar, der kaum wahrgenommen wurde.

Das Phänomen der Kinderstars ist so alt wie die Filmgeschichte. Viele der kleinen Helden sind vergessen, haben frühen Ruhm nicht verkraftet, ihre Faszination verloren, andere den Übergang zum Berufsschauspieler fließend geschafft, wenige wurden Weltstars. Jodie Foster schlug sich als minderjährige Prostituierte durch „Taxi Driver“, brachte es mit „Angeklagt“ und „Das Schweigen der Lämmer“ zu Oscars. Drew Barrymore hatte nach „E.T.“ eine Phase von Alkohol, Kokain und Klinikaufenthalten, bis sie im Trio von „3 Engel für Charlie“ Fuß fasste.

Angefangen hat es mit Jackie Coogan. Der spielte sich in Chaplins „The Kid“ (1921) als Tausendsassa in die Herzen des Publikums, verdiente ein Vermögen und verklagte die Mutter und deren Mann, weil sie sein Geld verschleudert hatten. Der Prozess führte zum Coogan-Gesetz: Das Einkommen bleibt Eigentum des Kindes, 15 Prozent gehen bis zur Volljährigkeit auf ein Treuhandkonto. Manchmal werden die Kids verwöhnt, so etwa Dakota Fanning. „Klapperschlange“ Kurt Russell (56), ehemaliger Kinderstar, der mit elf Elvis ans Schienbein trat und im Geschäft blieb, schenkte ihr ein Pferd, und Tom Cruise, der ihr einen iPod und ein Handy schenkte, musste sie vertraglich während der Promotiontouren für „Krieg der Welten“ tragen, wann immer sie wollte.

Haben Frauen mehr Glück? Shirley Temple lockte mit Korkenzieherlocken von 1936 bis 1938 mehr Zuschauer als Clark Gable. Die Eltern brachten das Vermögen durch, was Shirley verschwieg. Sie zog sich vom Film zurück, baute sich eine Karriere in der Politik auf, wurde UN-Delegierte, US-Botschafterin in Ghana und Protokollchefin im Weißen Haus. Ein Gegenbeispiel: Inger Nilsson, bekannt als Pippi Langstrumpf, lebt von kleinen Theaterengagements und Sozialhilfe. Kirsten Dunst (24), von der Vampir-Lolita zu Spider-Mans Freundin, beklagt sich, wie wenig Liebe sie familiär erfuhr. Sind ehrgeizige Mütter schuld, die die Unerfahrenheit der Kinder ausnutzen? Woody Allen kommentiert in „Hollywood Ending“ sarkastisch und lässt Haley Joel Osment (18; „The Sixth Sense“, „A.I.“) zum „Lifetime Achievement Award“ gratulieren.

Enden wir in Grazie. Elizabeth Taylor, die mit Lassie in „Held auf vier Pfoten“ (1946) schmuste, sah man schon als Zwölfjährige an, wie bildschön sie mal werden würde. Natalie Portman (25) debütierte 1994 im Killerdrama „Leon – Der Profi“, war in der „Star Wars“-Saga Königin Amidala, strippte in „Hautnah“ und ist 2008 in Wong Kar-Wais „My Blueberry Nights“ dabei: Diesmal klaut sie dem Vater den Jaguar.

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