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Fragenkatalog gehört zur Anmeldung

Mittwoch, 05.12.2007, 17:12 Uhr

Münster. Bevor im kommenden Jahr wieder tausende Marathonläufer in allein in Deutschland weit über 130 Veranstaltungen die 42,195 Kilometer lange Distanz in Angriff nehmen, sollten lebensrettende Signale gehört und befolgt werden. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Bei der Jahrestagung der German Road Races, der Interessengemeinschaft aus 45 Veranstaltern, einigten sich die Mitglieder nun jedoch auf einen Fragenkatalog zur Gesundheit für die Marathonis. Ralf Schomaker vom münsterischen Zentrum für Sportmedizin ( ZFS ) war als Referent bei der Tagung auf Mallorca an der Entwicklung des Konzeptes beteiligt. Schomaker ist Mitglied des Münster Marathon e.V.

Hintergrund sind die zu beklagenden Todesfälle bei zahlreichen Marathonveranstaltungen: zwei Tote beim Ruhr-Marathon im Mai, drei bei einem Langstreckenlauf in Japan Ende November, ein Toter und 14 Einlieferungen ins Krankenhaus beim Chicago-Marathon in diesem Jahr. Ein Todesfall beim Halbmarathon in Berlin. Die Liste ist leider nicht vollständig.

„Tote hat es beim Marathon immer gegeben. Nur wurden früher daraus keine Konsequenzen gezogen. Mittlerweile ist die öffentliche Aufmerksamkeit glücklicherweise eine höhere“, weiß Horst Milde . Der zweimalige Deutsche Meister mit der 3x1000m-Staffel (1964, 1965), Initiator des Berlin-Marathons und Mitglied des Welt-Marathonverbandes AIMS, ließ an der Notwendigkeit einer ganzheitlichen Initiative keinen Zweifel. Wie übrigens auch der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop, der mit Vehemenz bei den Marathon-Veranstaltern ein entsprechendes Konzept zur Prophylaxe einforderte.

Das liegt nun in Form eines „Fragenkatalogs zur Gesundheit“ vor, das während der GRR-Tagung auf der Baleareninsel auf Grundlage zweier anderer, schon bekannter Studien erstellt wurde. „Wir haben versucht, eine Synthese daraus zu formulieren“, schilderte Ralf Schomaker: „Eine Mischung aus Sensibilisierung und Risikobezug.“ Zudem wurde die Gründung eines medizinischen Kompetenzteams für Marathonveranstaltungen beschlossen.

Horst Milde weiß um die Notwendigkeit der medizinischen Vorbeugung und die Brisanz des Themas: „Ehrgeiz im Sport beflügelt nicht nur, er setzt auch Bremsmechanismen außer Kraft“, warnt Milde davor, Training und Wettkampf zu übertreiben.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Ralf Schomaker und könnte damit so manche Illusion abrupt beenden. „Wir kommen immer mehr zu der Erkenntnis, dass Marathon eben kein Breitensport, sondern Leistungssport ist“, sagt der Rettungs- und Sportmediziner. Horst Milde („Schomaker hat uns imponiert, wie fundiert er vorgetragen hat“) betont: „Marathon ist nichts für nebenbei. Das erfordert mindestens ein oder eineinhalb Jahre lange Vorbereitung“. Und eben die Beantwortung der 13 vom GRR zusammengestellten Fragen nach Über- und Untergewicht, Blutdruck- und -Fettwerten, nach Zuckererkrankungen und denen des Bewegungsapparates. Sollte auch nur eine Frage darauf mit „ja“ beantwortet sein, empfiehlt GRR eine ärztliche Untersuchung.

„Wir werden diesen Fragenkatalog den Anmeldungen zu unserem Marathon beifügen“, sagte gestern auch Michael Brinkmann, Vorsitzender vom Münster-Marathon. Wobei der Fragenkatalog zwar Bestandteil der Teilnahmebedingungen werden soll, aber dessen Beantwortung nicht zur Pflicht gemacht wird. Brinkmann: „Wir können nur sensibilisieren. Mehr geht nicht.“ Rechtsverbindlich ist der Katalog nicht: „Das ist ein Katalog zur Selbstüberprüfung, kein Attest“, sagt Milde.

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