Karneval in Münster
Neues Ich auf Zeit: Kostümverleih boomt

Donnerstag, 31.01.2008, 07:01 Uhr

Sie hat ein Studium der Sozialarbeit hinter sich, einen Gesellenbrief als Damenschneiderin in der Tasche und einen Job als „Psychologin“: Sabine Wittkowsky hilft der Kundschaft auf der Suche nach verborgenen Wünschen, einer zweiten Identität. Sie gibt Tipps, wer in welche Rolle schlüpfen sollte. Zumindest auf Zeit. Was die Kostümwahl über den eigenen Charakter aussagt, dessen sind sich die Männer und Frauen wohl nur selten bewusst, die den Kostümverleih am Kappenberger Damm betreten.

Und längst nicht alle wollen ihr Äußeres und damit ihre Wirkung wirklich verändern. Oder zieren sich zumindest. „Das ist bei den Westfalen stark ausgeprägt, dass sie sich erst mal nicht trauen“, lauten die Erfahrungen von Inhaber Christian Modersohn . Er und seine Mitarbeiterin wissen aber: Wenn das richtige Outfit für die Session oder die Motto-Party gefunden ist, „dann tauen die Leute auch auf“.

Frauen, so ihre Einschätzung, verkörpern lieber mal etwas, das sie sonst nicht sind. Für die Männer sei das häufiger eine Pflichtübung.

Die große Auswahl in dem kleinen Geschäft am Kappenberger Damm könnte den Verkleidungsfrust auch bei ihnen zu einer Lust werden lassen. Knapp 2000 Kostüme und festliche Abendgarderobe warten auf die Kundschaft.

Die kommt währen des ganzen Jahres. Zeit zum Verschnaufen finden Modersohn – ein entfernter Verwandter des berühmten Malers – und sein Team nur in den ersten Wochen der Sommerferien. Denn nicht nur die fünfte Jahreszeit, auch Bälle, Junggesellenabschiede oder das echte Oktoberfest und seine Ableger verlangen noch der richtigen Kluft. Standesgemäß-fesche Krüger-Dirndl hat der Unternehmer aus Münster verstärkt in Österreich geordert.

Denn: Stilecht sollte schon sein, was seinen Laden verlässt. Immerhin hat auch das Leihen seinen Preis. Bei 15 Euro für drei Tage oder ein Wochenende geht es los. Um die 40 Euro kostet es, als Pirat schönen Schrecken zu verbreiten. Für ein Bischofsgewand samt Mitra und Hirtenstab berappt ein Jeck rund das Doppelte. Reinigung, Reparaturen und hohe Anschaffungspreise schlagen zu Buche, macht der Verleiher geltend. Mit Kostümen aus Kaufhäusern, darauf pocht zumindest Christian Modersohn, sei sein Sortiment nicht zu vergleichen.

Der Erfolg gibt ihm Recht. Seit acht Jahren ist er in der Branche, seit vier Jahren am Kappenberger Damm. Ein größeres Domizil steht auf dem Wunschzettel.

Dabei war es Zufall, mehr noch: ein Fehler, der den Bahn-Bediensteten zum Unternehmer werden ließ. Bei Modersohn landeten Gespräche von Anrufern, die ein Kostüm leihen wollten. Angesichts der Häufigkeit dieser Irrläufer witterte der Münsteraner einen Markt.

Die Branche boomt – zumal zur fünften Jahreszeit. Während ein junger Mann den Frack für seine kirchliche Hochzeit anprobiert, halten gleich mehrere Jecken Sabine Wittkowsky auf Trab. Einer von ihnen ist Heinz-Georg Hessel von der KG Böse Geister. Ihn haben es die schmucken historischen Uniformen der Gendarmen oder Feuerwehr angetan. Erstmals ist er beim Kostümfest der „Altstädter“ in Köln mit von der Partie. Klar, dass er dem rheinischen Pomp und Protz Paroli bieten will.

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