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Ein zweites Standbein

Donnerstag, 17.01.2008, 17:01 Uhr

Ahlen . Seine Autoreifen haben nach diesem halben Jahr sicherlich Verschleißerscheinungen. Von Juni bis Dezember vergangenen Jahres absolvierte René Hecker wöchentlich die Strecke Ahlen - Köln und zurück. Zudem ging es im Oktober fürs Praktikum nach Nürnberg. Es sollte sich lohnen. Doch warum überhaupt die viele Fahrerei? René Hecker hat bei den ganz Großen gelernt. Angefangen bei Uli Stielike und Klaus Toppmöller bis hin zu Hans Meyer. Die Liste seiner Lehrmeister ist lang. Nun ist er seit Dezember selbst Fußball-Lehrer des DFB . „AZ“-Mitarbeiter Cedric Gebhardt hatte die Gelegenheit, mit dem aktuellen B1-Junioren-Coach RW Ahlens über seine Erlebnisse und die nahe Zukunft zu sprechen.

Herr Hecker, wie fühlt man sich als frisch gebackener Fußball-Lehrer?

Hecker: Natürlich fühlt man sich gut. Die Kenntnisse, die man im Rahmen der Fußball-Lehrer-Lizenz erworben hat, muss man aus meiner Sicht auch heute haben, wenn man sich im Fußball als Trainer etablieren möchte.

Ist es Ihnen denn schwer gefallen, noch einmal die Schulbank zu drücken?

Hecker: Nein, das nicht. Ich habe ja noch vor drei Jahren eine berufliche Umschulung zum Immobilienkaufmann abgeschlossen. Allerdings war der Zeitaufwand schon sehr intensiv.

Es galt in den Disziplinen Fußball-Theorie, Fußball-Praxis, Lehrpraxis, Methodik/Pädagogik, Sportmedizin – internistisch und orthopädisch – sowie Psychologie zu bestehen. Welches dieser sieben Fächer ist Ihnen am schwersten gefallen?

Hecker: Es ist mir nichts besonders schwer gefallen. Am schönsten waren aber natürlich die Einheiten auf dem Platz. Dort übernahmen dann verschiedene Leute die Trainingsarbeit.

Sie haben auch ein vierwöchiges Praktikum beim 1. FC Nürnberg unter Hans Meyer absolviert. Hat er Ihnen am meisten beigebracht?

Hecker: Auf jeden Fall. Es war eine super Erfahrung. Schade war nur, dass die Nürnberger zu dieser Zeit mitten im Abstiegskampf steckten. Da hat man allen Beteiligten den Druck angemerkt. Trotzdem war es ein großer Lerneffekt, auf einer ganz anderen Basis. Auch die Referenten, wie etwa Erich Rutemöller, waren hervorragend.

Sie waren selbst auch als Aktiver 14 Jahre Profi in Aue, Mannheim, Chemnitz, Zwickau und zuletzt bei LR Ahlen. Von welchem Trainer haben Sie als Spieler am meisten gelernt?

Hecker: Jeder Trainer ist unterschiedlich, von daher kann man von jedem etwas lernen. Jupp Tenhagen war ein super Typ. Bei meiner Zeit bei Waldhof Mannheim habe ich auch viele Erfahrungen von Uli Stielike und Klaus Toppmöller gesammelt. Beide sind absolute Koriphäen auf ihrem Gebiet. Leider habe ich von Peter Neururer aufgrund meiner langen Verletzung nur wenig mitgekriegt, was ich ein bisschen bedaure. Allerdings hat mir auch die Arbeit als Co-Trainer an der Seite von Frantisek Straka sehr gefallen, wo wir am letzten Spieltag in München den Klassenerhalt geschafft haben. Aber kopieren kann man ohnehin keinen Trainer, man kann von jedem das Positive mitnehmen.

Was unterscheidet den Fußballer René Hecker vom Trainer René Hecker?

Hecker: Die Zeit als Profi geht schnell vorbei. Das merkt man aber immer erst hinterher. Als Trainer sieht man die Dinge anders, betrachtet die Dinge aus einem anderen Blickwinkel. Das ist ausschließlich vorteilhaft.

Beginnt mit der Fußball-Lehrer-Lizenz jetzt ein neuer Abschnitt in Ihrem Leben?

Hecker: Absolut, dadurch habe ich mir ein zweites Standbein geschaffen und bin für die Zukunft sicherlich gut aufgestellt.

Wie geht es jetzt beruflich bei Ihnen weiter?

Hecker: Ich werde versuchen, im Fußball Fuß zu fassen. Ich bin offen für neue Aufgaben, das ist klar, denn ich muss mich persönlich weiterentwickeln.

Rot-Weiß Ahlen hat ein Leistungszentrum für Junioren entwickelt, welches weiter ausgebaut werden soll. Da ist ein hauptamtlicher Fußball-Lehrer Pflicht. Da müsste man doch eigentlich ganz schnell auf den Namen René Hecker kommen, oder?

Hecker: Normalerweise schon. Es wäre auch schön, wenn sich hier in Ahlen etwas ergeben würde, denn hier herrschen super Trainingsbedingungen und es macht eine Menge Spaß hier zu arbeiten.

Schwebt Ihnen eher ein Trainerposten im Junioren- oder Senioren-Bereich vor?

Hecker: Ich bin bei beidem nicht abgeneigt. Schön wäre es natürlich in der Dritten Bundesliga oder Regionalliga einen Platz zu bekommen. Vielleicht ja sogar in der Ersten oder Zweiten Bundesliga als Co-Trainer.

Zurück zur Gegenwart. Schaffen Ihre B1-Junioren in dieser Saison den Wiederaufstieg in die Bundesliga?

Hecker: Davon bin ich fest überzeugt. Die Entwicklung der Mannschaft ist vorangegangen, das Potenzial ist vorhanden. Im Übrigen wurde ich in meiner Abwesenheit von meinen Co-Trainern Dirk Reichstädter und Markus Zelke gut vertreten.

Gesetz dem Fall, Sie bleiben bei RW Ahlen, spielt Ihre künftige Mannschaft in der nächsten Saison in der Junioren-Bundesliga?

Hecker: Die jetzige Mannschaft hat mit Martin Hanskötter einen guten Trainer. Ich hoffe natürlich, dass die Mannschaft auch nächstes Jahr noch Junioren-Bundesliga spielt. Das wäre auch schön für meinen Jahrgang, der dann in die A-Jugend aufrückt. Für den Verein wäre es tödlich, wenn die A-Junioren absteigen würden.

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