Schachverein Ahlen 1954
Eine Fahrstuhlmannschaft wie sie im Buche steht

Freitag, 11.01.2008, 00:01 Uhr

David gegen Goliath heißt es in der Bibel. Im Schach lautet diese ungleiche Begegnung seit einigen Jahren immer wieder Ahlen gegen Essen, Bochum oder Erkenschwick. Als totaler Außenseiter präsentiert sich alle zwei Jahre die erste Mannschaft des Schachvereins Ahlen, und zwar immer in dem Jahr, in dem die Ahlener wieder gegen den Abstieg aus der Regionalliga kämpfen – meist vergeblich. Denn die erste Mannschaft des Schachvereins Ahlen ist eine Fahrstuhlmannschaft wie sie im Buche steht: In einem Jahr steigen sie ab, in dem anderen wieder auf.

In der Saison 1987/88 schafften sie das erste Mal den Aufstieg in die vierthöchste Spielklasse. Dafür verantwortlich war das Team bestehend aus Dirk Rüschenschmidt, Rafael Torres-Kuckel , Andreas Karmainski, Karl-Heinz Volesky, Carsten Steinle, Jobst Rüberg, Georg Regis und Klaus Busche . Nach diesem einmaligen Erlebnis und einem sehr kurzweiligen Aufenthalt in dieser Liga folgten allerdings wieder einige Jahre in der Verbandsliga. Erst im Jahr 1996 schafften die Ahlener die Rückkehr, um dieses Mal auch etwas länger zu bleiben. Und nicht nur das: Sogar höhere Ziele schienen plötzlich erreichbar: So verhinderte nur ein einziger Stichkampf vor fünf Jahren den Aufstieg in die NRW-Liga. Während die Ahlener nämlich beschlossen, kein Geld in das Projekt Aufstieg zu stecken, rüsteten die Gegner aus Dortmund-Brakel ihr Team kurz vor der Begegnung noch einmal mit zwei Großmeistern nach und gewannen.

Der Entscheidung, die die Wersestädter damals den Aufstieg kostete, blieben sie bis heute treu: Lediglich Ahlener spielen in ihrer ersten Mannschaft. Niemand Auswärtiges wurde hinzugekauft. „Die meisten gegnerischen Mannschaften bezahlen ihre Spieler, zumindest die an den ersten Brettern“, klärt Spielführer Klaus Busche über die Konkurrenz auf. Gegen solche Mannschaften ist das Bestehen natürlich schwierig, und so steht der SV Ahlen 1954 wieder auf einem Abstiegsplatz. Allerdings punktgleich mit dem größten Konkurrenten um den Nichtabstiegsplatz: dem SV KS Hamm. Es ist also noch alles offen!

„Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr den Klassenerhalt schaffen können. Es belastet uns allerdings nicht“, beschreibt Busche die Situation in der Mannschaft, die an den ersten beiden Brettern zwei sehr erfahrene Spieler vorzuweisen hat.

Heinz-Dieter Ueter, in Ahlen am ersten Brett gesetzt, beispielsweise spielte einige Jahre in der Bundesliga bei Bochum 31. Mit seinen inzwischen 60 Jahren ist er zwar immer noch ein sehr guter Spieler. Die Spitzenklasse von früher hat er allerdings verloren. Dennoch, so ist sich Busche sicher, könnte Ueter auch heute noch im bezahlten Schachsport spielen. Auch Rafael Torres-Kuckel, der in seiner Karriere den Titel eines Fidemeisters erreicht hat, traut er dies zu. Dass sie trotzdem den Ahlener Verein unterstützen, lässt sich vor allem mit dem persönlichen Verhältnis begründen. Die gute Stimmung im Team ist immer noch mehr wert als ein bisschen Taschengeld. Denn über dies ginge die Bezahlung auch bei anderen Vereinen nicht hinaus.

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