IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land
Verdi legt Busse an die Kette

Freitag, 22.02.2008, 15:02 Uhr

Tecklenburger Land . Mit routinierter Gelassenheit startet kurz vor zehn Uhr Klemens Lampe seinen Setra der Linie R 24 Bockraden-Mettingen vom Ibbenbürener Busbahnhof: „Wir fahren unseren Törn wie immer.“ Der Forsmann-Mitarbeiter tourt im Auftrag der RVM – dort aber verließ am Freitag, wie angekündet, kein Bus den Betriebshof des öffentlichen Arbeitgebers.

Vor den Depots an der Laggenbecker Straße wehten dagegen die Streikfahnen der Gewerkschaft Verdi im Wind. „Wir streiken für Einkommensverbesserungen von acht Prozent oder mindestens 200 Euro monatlich mehr. Auf keinen Fall akzeptieren wir eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit“, begründet Gewerkschaftssekretär Karl-Heinz Brauer die Arbeitsniederlegung der Früh- und Spätschicht. Knapp 60 Mitarbeiter waren im Ausstand.

„Wir hoffen, dass die Warnstreiks bundesweit dazu führen, dass die Arbeitgeber am Montag und Dienstag ein verbessertes Angebot auf den Tisch legen, das dann in ernsthafte Verhandlungen münden kann. Seit drei Jahren hat es im öffentlichen Dienst keinen prozentualen Zuwachs bei den Einkommen gegeben“, kritisiert Brauer. Und was die Situation der Busfahrer betreffe: „Das Anfangsgehalt liegt zurzeit bei 1700 bis 1800 Euro brutto. Je nach Berufsjahren ist bei 2000 Euro Ende der Fahnenstange“, so Brauer weiter. Damit rangierten Busfahrer sicherlich im unteren Drittel der Lohnskala.

Verdi gibt sich kämpferisch und rechnet nicht damit, dass es bei der gestrigen Kraftprobe bleibt. Offen ist, inwieweit es durch den Warnstreik zu Störungen im Linienverkehr kam – die Schülerbeförderung war, so das Ergebnis einer Umfrage unserer Zeitung – nicht gravierend beeinträchtigt.

„Es wurden einige Linien nicht befahren, auch von der Stadt Osnabrück“, berichtet Franz-Josef Schlie , Leiter der Realschule Westerkappeln. Seine Schule habe bereits am Donnerstag auf die Situation hingewiesen und Eltern gebeten, nach Möglichkeit Fahrgemeinschaften zu bilden. Der Appell sei offenbar beherzigt worden: „Wir konnten ganz regulär Unterricht erteilen. Höchstens fünf Prozent unserer Schüler fehlten streikbedingt am Freitag“, schätzt Schulleiter Schlie.

Als „extrem unterschiedlich“ bezeichnet der Leiter des Berufskollegs Tecklenburger Land in Ibbenbüren, Lutz Kornau, die Situation: „Wir haben Klassen, in denen kein einziger Schüler fehlte. In einem anderen Extremfall waren nur vier Schüler erschienen. In der Gesamtbilanz war die Hälfte aller Klassen betroffen, es fehlten etwa 15 Prozent unserer Schüler.“ Rund 900 hätten es gestern insgesamt sein müssen.

Unabhängig vom öffentlichen Personennahverkehr ist der Leiter des Ibbenbürener
Goethe-Gymnasiums: „Ich bin zu Fuß zur Schule gekommen“, verrät Andreas Tangen. Von den Unterstufen mit hohem Busschüler-Anteil hörte er: „Alle Kinder da. Entweder hat der Streik nicht stattgefunden, oder die Eltern haben die Fahrten selbst organisiert“, kommentiert der „Goethe“-Chef salopp. Auch bei den Klausuren habe es streikbedingt keine Probleme gegeben. „Soviel ich weiß, hat sich der Streik auf unser Gymnasium nicht negativ ausgewirkt“, so Andreas Tangen abschließend.

„Weitgehend normal“ verlief am Freitag nach übereinstimmender Auskunft der Mettinger Kardinal-von-Galen-Schulen (Gymnasium und Realschule) der Unterricht.

„Wir haben viel Schülerspezialverkehr. RVM-Busse nutzen nicht viele Schüler. Nennenswerte Ausfälle sind mir nicht bekannt geworden“, zieht der Leiter der Hüberts‘schen Schule in Hopsten, Alfons Ahlers, Bilanz.

„Ein gut Teil der Schülerbeförderung an unserer Schule erfolgt über Vertragsunternehmen,“ erläutert Ernst Krug von der Fürstenberg-Realschule in Recke – auch dort keine Ausfälle.

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