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Chronischer Juckreiz

Donnerstag, 20.03.2008, 00:03 Uhr

Münster . Prof. Dr. Sonja Ständer weiß, wie man den Begriff „ Juckreiz “ plastisch-drastisch überbringt. „Denken Sie an einen Mückenstich. Wie der juckt. Und das dann am ganzen Körper . . .“ Und wirklich: Allein bei der Vorstellung kriegt man ja schon die Krätze. Die Zuhörer der Abendvisite kamen dieser Aufforderung denn auch nach – und schüttelten sich.

Doch für viele von ihnen war dies nicht nur eine Vorstellung. Sie kennen das Problem, leiden tagtäglich unter dieser Plage. Das Thema des Abends „Chronischer Juckreiz – Qual ohne Ende?“ beeinflusst ihre Lebensqualität, ihre Berufstätigkeit, ihre Freizeit. Eine Zuhörerin brachte es auf den Punkt: „Das Jucken macht mich wahnsinnig.“

Genau das hört Prof. Sonja Ständer täglich. In der Universitäts-Hautklinik, so berichtete die Fachmedizinerin, stellen sich täglich verzweifelte Patienten vor, die nur noch eins möchten: „Von diesem Jucken befreit werden.“ Viele greifen schon vorher zur Selbsthilfe: Sie kratzen und kratzen und übertünchen durch die Schmerzen ihr Jucken. „Dadurch entstehen natürlich neue Wunden“, erläuterte die Professorin.

Wichtig sei, und da müsse man ansetzen, wirklich der Ursache dieses Juckens auf die Spur zu kommen. Und gerade in den Fällen, in denen auf der Haut gar nichts zu erkennen sei, müsse man quasi wie Sherlock Holmes an die Arbeit gehen. „Der Juckreiz ist ein Signal dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Aber wo?“, machte die Dermatologin deutlich, dass es nicht damit getan ist, „nur“ auf die Haut zu gucken. „Wir müssen alles erforschen.“ Gebiete wie Innere Medizin, Neurologie, Gynäkologie, Urologie und Onkologie müssten mit abgedeckt werden. Ein eingeklemmter Nerv beispielsweise könne Juckreiz verursachen, Nieren- und Lebererkrankungen ebenso. Auch viele Medikamente zählen zu den Risikofaktoren.

Wer Juckreiz hat – und zwar chronisch – der ist nicht allein: Mindestens acht Prozent der Bewohner einer Großstadt seien betroffen, erläuterte Prof. Ständer. Wobei es (noch) keine verlässlichen Zahlen für Deutschland gebe. Deutlich spürbar sei aber, dass die Altersgruppe der Patienten über 65 Jahren sehr stark vertreten sei.

Doch was tun, wenn man betroffen ist? Gibt es Hilfe? Das wollten die Zuhörer natürlich in erster Linie erfahren. „Es gibt Medikamente, es gibt Cremes und Salben, aber wir sind noch nicht am Ende der Forschung angelangt“, betonte Sonja Ständer. Die Juckreizforschung sei ein noch sehr junges Gebiet, auf dem immer wieder neue Aspekte analysiert werden müssten.

Eins war der Fachmedizinerin dabei besonders wichtig: „Juckreiz wird nur selten von Psychosen ausgelöst. Psychische Probleme sind vielmehr die Folge dieses Leidensweges. Menschen schämen sich, ziehen sich zurück, mögen sich nicht zeigen, wenn auf der Haut deutlich sichtbare Veränderungen auftreten.“

Wer sich für eine Behandlung in der Spezialsprechstunde der Hautklinik interessiert, muss eine Wartezeit von rund drei Monaten einplanen. Weitere Informationen gibt es unter

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