Ahlener SG
Erneut am Limit bewegt

Sonntag, 20.04.2008, 21:04 Uhr

Ahlen / Emsdetten . Hätte man ASG-Trainer Diethardt von Boenigk im Vorfeld der Partie beim TV Emsdetten gesagt, er würde zwei Mal die gleiche Halbzeit sehen und sich zweimal über dieselben Fehler ärgern – er hätte vermutlich abgewunken.

Gute 60 Minuten später aber wirkte die vermeintliche Prophezeiung wie ein verlockendes Angebot, das Kapitän Dirk Schmidtmeier im Namen der heimischen Handballer kurz zuvor unfreiwillig abgeschlagen hatte.

Doch der Reihe nach: In der Ems-Halle zu Emsdetten ist es zunächst die ASG, die als Tabellenfünfter beim Vierten dominiert. Und während die drittbeste Offensivabteilung der Liga nur selten ein Durchkommen gegen die agressive 6:0 der ASG findet und Knudsen als vermeintliches Zentrum des TVE-Spiels sowohl in Abschluss als auch Abspiel zu überhastet agiert, führt Dirk Schmidtmeier auf der anderen Seite wie in alten Tagen glänzend Regie auf Rückraum-Mitte.

So wirft die ASG – mit einem variablen Angriffsspiel auf simple Weise kreativ – durch Kropp und zweimal Ganschow binnen zwei Minuten eine 8:5-Führung heraus. Ganz und gar nicht nach dem Geschmack von TVE-Coach Patrik Liljestrand, der bereits nach elf Zeigerumdrehungen das erste Mal die grüne Karte hebt – Team-Timeout TVE und Auszeit Henrik Knudsen.

Bitter nötig für den 255-Tore-Mann der Hallenherren und mit bitterer Wirkung für deren Gäste. Schließlich findet die ASG in der Folge kaum mehr ein Mittel gegen den wurfgewaltigen und nun auch spielfreudigen Dänen, der den TVE-Express als dessen Motor wieder ins Rollen bringt. Der pirscht sich flugs auf ein 10:11 heran und kann die Partie im Anschluss auch ergebnistechnisch wieder offen gestalten. Anders die ASG, deren Zielwasservorräte sich inmitten des ersten Spielanschnitts dem Ende entgegen neigen und einige Versuche aus dem Rückraum entweder hoch über das Emsdettener Gehäuse fliegen oder am überragenden Tormann Marcus Cleverly abprallen lassen. Und wieder ist es Knudsen, der mit vier Treffern maßgeblichen Anteil am 15:15-Ausgleich nach 26 Minuten hat und symbolischerweise auch zur 16:15-Führung für den TVE einnetzt, so dass der von Boenigk-Sieben nur noch bleibt, durch Wischniewski und Kropp zur Pause auf 17:17 zu egalisieren.

So kopiere man den Spielverlauf der ersten 30 Minuten und das was folgte, sei schnell erzählt: Wieder ist es die ASG, die besser aus der Kabine kommt und bis zum 23:22 nach 43 Zeigerumdrehungen die Führung inne hat. Und wieder ist es der folgende Ausgleich, der die Rot-Weißen kurzzeitig derart verunsichert, dass der Dauerrivale aus dem Münsterland über Weevers und Waltermann zumindest auf der Anzeigetafel das Kommando übernimmt.

„Da haben sich einige Unkonzentriertheiten bei uns eingeschlichen. Vermutlich auch eine Folge der letzten Partien, in der wir mit unserem schmalen Kader stets über die volle Distanz gehen mussten“, suchte der am Samstagabend glücklose Björn Wiegers nach einer Erklärung, warum seine Farben jeweils zur Hälfte der beiden Spielabschnitte ins Hintertreffen gerieten.

Sei’s drum, die ASG stemmt sich noch einmal gegen die 1200 Mann starke Zuschauerwand des TVE und deren Vertreter auf dem Parkett, Marcus Cleverly, und kann durch Phillip Klaus in Minute 58 ein letztes Mal egalisieren, ehe Cordes auf der anderen Seite zum 30:29 trifft.

Doch was wäre dieses verrückte Münsterland-Derby ohne 60 Minuten Handball pur. Kein Grund also, vorher abzuschalten. Hoffen und Bangen dominieren bis zur Schlusssirene in der Ems-Halle. Die darunter unaufhörlich tickende Hallenuhr zeigt 59:43 Minuten und es ist Dirk Schmidtmeier, der dem Belagerungszustand seiner ASG per Siebenmeter ein erfolgreiches Ende setzen kann. Doch Cleverly reckt die Arme in die Höhe, pariert glänzend und ballt die Hände zur Faust – eine Siegerpose, wie sie markanter nicht sein könnte.

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