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Coup um Coupe de Coeur

Dienstag, 08.04.2008, 19:04 Uhr

Münster/Riesenbeck. So etwas nennt man gemeinhin einen „Coup“: Ab sofort übernimmt Ludger Beerbaum den bisher von Rene Tebbel gerittenen Schimmelhengst Coupe de Coeur in seinen Beritt. Und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen verbessert er seine eigenen Chancen, für die Olympischen Reiterspiele in Hongkong nominiert zu werden, zum anderen hat er im Kampf um die begehrten vier Tickets seit gestern auch einen Konkurrenten weniger. Denn ohne Coupe de Coeur ist Tebbel kein Mann für Hongkong mehr. Das weiß der dreimalige Deutsche Meister auch selbst: „Dieser Zug ist ohne mich abgefahren. Das ist zwar traurig, aber nicht zu ändern.“

„Ja, das ist richtig, Coupe de Coeur wechselt in meinen Stall“, bestätigte Ludger Beerbaum gestern Mittag gegenüber unserer Zeitung den überraschenden Pferdewechsel. In der vergangenen Woche sei er von Rene Tebbel informiert worden, dass der Schimmel, der der aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stammenden Prinzessin Rasha Hareb gehört, verkauft werden solle. Er habe daraufhin mit seiner Sponsorin Madeleine Winter-Schulze gesprochen. Und die habe das Pferd schließlich erworben und stelle es ihm nun zur Verfügung. „Das ich darüber hocherfreut bin, versteht sich von selbst“, so der 44-Jährige, der Coupe de Coeur als „außergewöhnliches Pferd“ bezeichnet: „Was der Hengst kann, hat er in der Vergangenheit ja wirklich oft genug bewiesen.“

Wann genau der in Riesenbeck lebende viermalige Olympiasieger seine Neuerwerbung erstmals satteln wird, konnte er gestern noch nicht sagen „Ich gehe davon aus, dass der Hengst in den nächsten Tagen zu mir kommt. Gut möglich, dass ich ihn dann erstmals Ende des Monats in zwei kleineren Springen beim Turnier in Werne satteln werde“, blickt er nach vorne. Fest steht für ihn auf jeden Fall aber, dass er mit Coupe de Coeur eine Alternative mehr im Stall hat. Bisher hatte er mit Blick auf Hongkong in erster Linie auf All Inclusive, Enorm und Rubin Couleur gesetzt, nunmehr könnten (und werden sich vermutlich) die Prioritäten verschieben.

Das glaubt auch Rene Tebbel. „Frau Winter-Schulze hat Coupe de Coeur ja nicht gekauft, damit er die Nummer zwei, drei oder vier im Stall ist“, rechnet er fest damit, dass der Hengst unter Ludger Beerbaum in Hongkong an den Start gehen wird. Er selbst hat den Schimmel knapp drei Jahre geritten und in dieser Zeit zwei Mal (2006 in Münster und 2007 in Gera) die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Darüber hinaus gab es etliche weitere große Siege und Top-Platzierungen. Entsprechend hoch ist die Meinung, die Tebbel von Coupe de Coeur hat. „Ich bin in meiner langen Laufbahn viele gute Pferde geritten. Der Schimmel aber war das mit Abstand Beste, auf dem ich jemals gesessen habe“, sagt er rückblickend. Böse sei er Madeleine Winter-Schulze und Ludger Beerbaum, dass sie die Gunst der Stunde genutzt haben, nicht: „Es war klar, dass das Pferd im Falle eines entsprechenden Angebots verkauft werden würde. Das wusste ich und konnte mich also auch darauf einstellen. Trotzdem ist es natürlich ganz schön bitter, wenn man so kurz vor dem Ziel von heute auf morgen seine Felle davonschwimmen sieht.“

Ludger Beerbaumhat durchaus Verständnis für die Enttäuschung von Rene Tebbel, sagt aber: „Das Pferd war auf dem Markt. Da war es legitim, dass wir reagiert haben.“

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