IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land
Scheune sagte Konzert "gegen Rechts" nach Drohungen ab

Montag, 21.04.2008, 18:04 Uhr

Ibbenbüren. Die Anschuldigungen wurden im Verlauf des Montags schärfer: Von Übernahme der Kosten und einer öffentlichen Stellungnahme war da die Rede, von einer „Begründung zu dem Verbot des ,love music – hate facism‘“, einem Konzert gegen Rechts. Absender der anonym formulierten Forderungen war das sogenannte „Antifaschistische Netzwerk“, kurz „ Antifa “ – der Adressat das Ibbenbürener Jugendkulturzentrum Scheune .

Angefangen hatte alles am Donnerstag. Das Jugendkulturzentrum hatte ein Konzert gegen Rechts angekündigt, das am Samstagabend in der Scheune sein sollte. Am Donnerstag aber zog Rob Mulder , Leiter des Jugendkulturzentrums, die Reißleine und sagte das Konzert ab, nachdem es ungewöhnlich viele und heftige Drohungen von offenbar rechtsradikaler Seite gegeben habe. Mehr, als man es von ähnlichen Veranstaltungen gewohnt gewesen sei. Die Vermutung: Die Anfeindungen stammten auch daher, dass sich das sogenannte Antifaschistische Netzwerk für das Konzert stark machte. Erst am Donnerstag sei ihm überhaupt bekannt geworden, dass die Antifa für das besagte Konzert Werbung machte, sagte Mulder Montag im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir wussten gar nicht, dass die Antifa mit im Boot ist“, so Mulder weiter. „Wir haben gesagt: Das ist uns zu gefährlich.“

Veranstalter des Konzerts sei das Rockbüro des Pinkpop e.V., das ebenfalls dem Jugendkulturzentrum angegliedert ist, sagt Mulder. Die Antifa hingegen reklamiert seit einigen Tagen ebenfalls für sich, Veranstalter des Konzerts zu sein. Das sagte gestern ein Antifa-Aktivist, der jedoch anonym bleiben wollte, im Telefonat mit unserer Zeitung. Wie zum scheinbaren Beweis hing am Montag ein Plakat für das Konzert an der Scheune, auf dem tatsächlich eine „Jugendantifa Kreis Steinfurt “ vermerkt ist.

Nur: „Das ist nicht von uns“, sagt Rob Mulder. Und tatsächlich stand die Ankündigung des Konzerts noch in der Woche zuvor auf der Homepage der Scheune, ohne dass dabei mit einem Wort eine Beteiligung der Antifa genannt wurde, geschweige denn, dass sie Veranstalter sei. Auch auf einem Bild, das die „Jugendantifa“ im Internet auf ihrer eigenen Seite selbst zur Werbung für das besagte Konzert nutzte, ist sie selbst nicht genannt, sondern nur im Begleittext. „Die Antifa hat sich auf die Veranstaltung draufgesetzt“, glaubt Mulder.

Einigkeit besteht offenbar nur darin, dass Antifa und Jugendkulturzentrum am Donnerstagabend das Gespräch suchten. Mulders Entscheidung aber blieb bestehen, er wolle keinen Konflikt zwischen Gruppen in die Scheune holen, erklärte er unserer Zeitung. Und: „Wenn Organisationen sich solidarisieren wollen, sollen sie sich offen melden.“

Fakt ist auch, dass am Samstagabend die Scheune geschlossen blieb, es aber nahe dem Gebäude zu einer Protestkundgebung kam. Etwa 60 Personen hätten sich dort getroffen, zwei Bands hätten einige Lieder gespielt, schrieb die „Jugendantifa Kreis Steinfurt“ gestern in einer Pressemitteilung. Es sei eine „spontane Kundgebung“ gewesen, der Veranstalter hätte die Versammlung gegen 20.30 Uhr aufgelöst.

In der Version der Kreispolizeibehörde Steinfurt klingt die Geschichte ein wenig anders. Die Polizei wurde am Samstagabend wegen Ruhestörung zur Scheune gerufen. „Angeblich war es eine spontane Kundgebung der Jugendantifa“, sagte Polizeisprecher Udo Potthoff gegenüber unserer Zeitung. Das allerdings hätten die Beamten vor Ort bezweifelt und deshalb eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz gefertigt, so Potthoff. Spontan sind Kundgebungen, wenn es vorher keine Absprachen darüber gibt, lautete gestern eine weitere Auskunft aus der Kreispolizeibehörde. Spätestens am Freitag aber hatte die „Jugendantifa“ auf ihrer Homepage die „spontane Kundgebung“ angekündigt.

Sowohl Bürgermeister als auch Stadtverwaltung seien über die Vorgänge informiert, am Mittwoch wollen die Scheune-Mitarbeiter zudem in der Sitzung des Organisationsteams (Pro-Orga) die Vorgänge besprechen, so Mulder. Eines stellt er aber schon jetzt klar: Die Inhalte – ein Engagement und Informationen gegen rechtsradikales Gedankengut – seien unstrittig. Wenn aber eine Zusammenarbeit mit der Scheune gewünscht sei, müssten die jeweiligen Gruppen sich offener zeigen. „Es kann nicht angehen, dass ein Fremdveranstalter auftaucht.“

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