IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land
Mettingen: Ein ungewöhnlicher Zaubertrank

Montag, 19.05.2008, 18:05 Uhr

Mettingen . Etwas mehr als eine vergnügliche Stunde für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene, gab es am Sonntagnachmittag im Mettinger Bürgerzentrum. Mit der Einladung zur Oper „Rusalka“ von Antonin Dvorak , einem tschechischen Komponisten, der sonst weniger für seine Opern als für seine Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ berühmt ist, hatte der Kulturverein Mettingen als Veranstalter ganz besonders an junge und sehr junge Zuschauer und ihre Familien gedacht.

Wer denkt, da sei es den Klischees entsprechend ernst und langweilig zugegangen und man sei nur ewig dauernden, unverständlichen Gesängen ausgesetzt gewesen, der hat das Ensemble der Jungen Oper NRW noch nicht gesehen. Die drei Solisten verstanden es, ihre Zuschauer bestens zu unterhalten und ihnen nebenher noch einige theoretische Kenntnisse zum Thema Oper zu vermitteln. So lernten Kinder wie Erwachsene etwas über gesellschaftliche Einflüsse und so genannte „Hosenrollen“ und Frauenstimmen, während gleichzeitig die tschechische Variante (Libretto von Jaroslav Kvapil ) des dänischen Märchens „Die kleine Meerjungfrau“ von H.C. Andersen präsentiert wurde - auf eine auch für junge Opernfreunde angenehme Dauer gekürzt und mit sehr unterhaltsamen erzählenden Passagen versehen.

Jung und Alt hatte Spaß an der Aufführung, in der Andrea Kwade (Sopran) als Meerjungfrau Rusalka, Veronica Nemec (Tenor) als Prinz und Alexander V.H. Schubert (Bariton) in der Doppelrollle als Wassermann/König und Seehexe auf überzeugende Art und Weise zeigten, wie man Opern auch für Kinder interessant und spannend machen kann. Da reichen bei ausgeklügelter Planung wenige Requisiten, fantasievolle Kostüme, eine reich bebilderte Kulissenwand mit Hinweisen auf diverse Schauplätze und ein feines Gespür für kindgerechte Aktionen. Und all das brachte das Ensemble mit. Lediglich die Bühnenbeleuchtung, die zum Teil die Darsteller im Dunkeln ließ, hätte vorher besser überlegt werden sollen.

Ihren Vater neckend sprangen Wassernixen Wasser versprühend durch den Zuschauerraum und glänzende Kinderaugen verfolgten den hinterher rennenden Wassermann, dem (wie bedauerlich!) sein Dreizack, das Zeichen seiner Königswürde, ständig abhanden kam. Aber er konnte dafür gut erzählen und führte die Zuschauer mit Witz und munterem Spiel geschickt durch die Handlung und von Lied zu Lied. Aber nicht etwa als König gefiel Schubert seinem jungen Publikum am besten, sondern als Seehexe. In diesem Punkt waren sich unter anderem die noch ganz junge Ines Steinriede, die selbst gerne auf der Bühne agiert und seit kurzem auf eigenen Wunsch Gesangsunterricht nimmt, und auch die etwas älteren Jugendlichen wie Ruth Abenhardt einig. Ihnen gefiel alles gut, aber die Herstellung eines Zaubertranks aus „einem Haar eines in Würden ergrauten Herrn, einem Popel, grünem Ohrenschmalz und dem Dampf eines Pupses“ (selbstverständlich alles frisch beim Publikum gefunden) durch die lustig-frech vor sich hin brabbelnde und gut kostümierte Zauberin war einfach „toll“

Auch die mit kräftiger und sehr klarer Stimme ausgestattete Meerjungfrau (besonders eindrucksvoll das „Lied an den Mond“) hatte die Lacher auf ihrer Seite, als sie (als Meeresbewohnerin in Unkenntnis der eigentlichen Bestimmung eines solchen Utensils) ihrem Angebeteten eine auf dem Meeresboden gefundene Klobürste als Zeichen ihrer Wertschätzung überreichte. Und dem ebenfalls ansprechend dargestellten Prinzen blieb einfach nichts anderes übrig, als zum guten Schluss nach einigem Hin und Her und vielen Schwierigkeiten seine Welt zu verlassen und der kleinen Meerjungfrau, die Hingabe, Trauer und Freude trefflich zu vermitteln wusste, ins Meer zu folgen, wo der glückliche Vater nun endlich seinen Dreizack wiederfand und bei einem Festessen mit Korallenburgern und Seeigelauflauf Ruhe und Frieden wieder einkehrten.

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