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Luxus und Glamour – BOSS will Image aufpolieren

Freitag, 16.05.2008, 16:05 Uhr

Metzingen – Luxus, Models, schicke Roben – das ist die Welt von Claus-Dietrich Lahrs . Seit fast 20 Jahren vermarktet der 44Jährige weltweit Luxusartikel von Nobelmarken wie Cartier, Louis Vuitton oder Kenzo. Vor vier Jahren schaffte es der gebürtige Bielefelder sogar als erster deutscher Manager an die Spitze eines französischen Modehauses – als Geschäftsführer von Christian Dior Couture.

In den nächsten Wochen sollen die Dior-Anzüge aber im Schrank verschwinden und gegen HUGO BOSS ausgetauscht werden. Als Chef bei Deutschlands größtem Modekonzern soll er spätestens von August an für Glamour sorgen und das angeschlagene Image nach turbulenten Zeiten wieder aufpolieren.

„Für mich bedeutet die Ernennung zum Vorstandsvorsitzenden der HUGO BOSS AG die Erfüllung eines Lebenstraums“, sagt Lahrs. Doch die Aufgaben, die in der schwäbischen Kleinstadt Metzingen auf den international erfahren Mode-Manager warten, sind nicht leicht. Seit der Finanzinvestor Permira im vergangenen Jahr erst die BOSS-Mutter Valention-Fashion Group und dann HUGO BOSS selbst übernommen hat, rumort es in dem Unternehmen. In der Vorstandsetage setzte heftiges Stühlerücken ein.

Als erster warf Vorstandschef Bruno Sälzer im Februar das Handtuch - nach Differenzen mit Permira. Die Chemie zwischen dem BadenWürttemberger und dem Finanzinvestor stimmte nicht, Sälzer ging auf Angriff: „Nach dem Aktienrecht ist immer noch der Vorstand für die Strategie des Konzerns zuständig. Da fällt uns sicherlich nicht alles neu ein, nur weil es einen neuen Großaktionär gibt.“

Das Fass zum Überlaufen gebracht hatte vor allem die großzügige Ausschüttungspolitik, die der neue Finanzinvestor im Aufsichtsrat durchgedrückt hat – für 2007 werden rund 450 Millionen Euro ausbezahlt. Es hagelte Kritik von Betriebsrat und Kleinaktionären. Neben Sälzer verließ auch Produktionsvorstand Werner Lackas den Konzern. Aufsichtsratschef Giuseppe Vita kündigte seinen Rücktritt an. Er will Ende Juni gehen.

Ähnliche Turbulenzen sind unter Sälzers Nachfolger nicht zu erwarten. Lahrs ist ein Mann ganz nach dem Geschmack von Permira. Mit ihm habe man für HUGO BOSS den „absoluten Wunschkandidaten gefunden“, sagte Martin Weckwerth am Freitag. Er ist Aufsichtsratsmitglied bei HUGO BOSS und betreut gleichzeitig bei Permira das Investment HUGO BOSS. Lahrs selbst sagt: „Ich habe vor, wieder Kontinuität und Ruhe in das Unternehmen hineinzubringen.“ Zu Permira geht er auf Kuschelkurs: Der Investor kenne sich im Luxusgütergeschäft aus und sei ein guter Partner.

Auch über den künftigen Kurs dürfte es zwischen Lahrs und dem Mehrheitseigner kaum Differenzen geben. Auf Druck der Investoren soll bei HUGO BOSS künftig das internationale Geschäft, besonders in Asien, schneller wachsen. Außerdem setzt der Modekonzern verstärkt auf eigene Läden – allein 60 neue sollen noch in diesem Jahr eröffnet werden – sowie die Gewinnbringer Schuhe, Accessoires und Damenmode. Lahrs trieb auch bei Dior vor allem den Ausbau des eigenen Filialnetzes voran und kurbelte das Geschäft mit Accessoires an.

Der 44-Jährige hat internationale Erfahrung in der Branche. Seit zwölf Jahren arbeitet er für den weltgrößten Luxusgüterkonzern Christian Dior/Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH). Zuvor war er beim Richmond-Konzern für Marketing und Vertrieb der Marke Cartier in Nordeuropa verantwortlich. Später leitete er in Deutschland Louis Vuitton, später auch in den USA und Kanada.

In Metzingen wird der Mode-Manager im Sommer ein gesundes Unternehmen vorfinden. Unter der Führung Sälzers hatte sich HUGO BOSS in den vergangenen Jahren von einem Herrenausstatter zu einer Lifestyle-Marke mit Damenmode- und Accessoire-Geschäft gewandelt. Lahrs kündigte an, den Wachstumskurs fortzusetzen und mehrere Jahre an der Spitze des Modekonzerns zu bleiben. „Ich könnte mir vorstellen, bei HUGO BOSS bis zum Rentenalter zu bleiben.“

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