Archiv
Abitur mit Nachwehen

Donnerstag, 05.06.2008, 18:06 Uhr

Düsseldorf - Für zahlreiche Abiturienten in NRW wird das Zentralabitur zum blanken Horror – Schulministerin Barbara Sommer hingegen hält die Quote von zehn Prozent Nachprüfungen im Abitur 2008 für „nichts Ungewöhnliches“. Dabei müssen in einigen Schulen alle Schüler der Mathe-Kurse in die Nachprüfung.

Der Sprecher der Landesschülervertretung, Horst Wenzel , befürchtet, dass Tausende Schüler mit schlechten Noten für die Pannen, Ungereimtheiten und handwerklichen Fehler in der Aufgabenstellung der Abiturprüfungen bezahlen müssen. „Das ist der Super-GAU für die Ministerin und für uns Schüler“, klagt Wenzel. Dabei kritisiert Wenzel, dass die Bezirksregierung Arnsberg Druck auf Schulleiter ausgeübt habe, die negativen Ergebnisse nicht öffentlich zu machen.

Eine Befragung in der Schüler-Internetseite „spickmich.de“ bei Abiturienten hatte einige dramatische Ergebnisse erbracht. So mussten die Mathe-Kurse an der Willy-Brandt-Gesamtschule Bergkamen sowie der Rudolf-Steiner-Schule in Dortmund komplett in die Nachprüfung. In der Gesamtschule Kierspe müssen laut Befragung 18 von 20 Schülern im Leistungskurs Mathe in die Abweichprüfung, im Gymnasium Schloss Hagerhof Bad Honnef 80 Prozent. In der Gesamtschule Paffrath in Bergisch Gladbach müssen nur zwei Schüler im Leistungskurs Mathe nicht in die Nachprüfung. In etlichen Leistungskursen im Lande müssen 50 Prozent der Schüler und mehr in Nachprüfungen, weil ihre Abiturprüfung mehr als vier Punkte von der Vornote abweicht.

Die Schüler sehen einen Teil der Schuld in Fehlern bei der Aufgabenstellung. Im Mathe-Leistungskurs mühten sich viele Schüler an einer „Oktaeder-Aufgabe“ ab, die selbst Fachlehrer für kaum lösbar halten. In anderen Fächern mussten sich Schüler seitenweise durch Material kämpfen – dann fehlte Zeit.

Schulministerin Sommer sieht dennoch weiter keinen Grund zur Aufregung. Auch beim früheren dezentralen Abitur habe es in Einzelfällen 17 Prozent Abweichungen nach unten gegeben. 2003 seien 11,1 Prozent der Abiturienten am Gymnasium über alle Fächer hinweg um mindestens vier Punkte von der Vornote abgewichen. „Die bisherigen Rückmeldungen der Schulen legen nahe, dass sich die Abweichprüfungen im Zentralabitur im üblichen Rahmen zu bewegen scheinen“, glaubt Sommer.

Dagegen befürchtet Schülersprecher Wenzel, dass viele Schüler nach dem „bildungspolitischen Experiment“ der Ministerin wegen des schlechten Notenschnitts im Zeugnis nicht den gewünschten Studienplatz erhalten werden.

Der Chefredakteur von „spickmich.de“, Bernd Dicks, betont, dass über die Hälfte der befragten Schüler mit dem Abi zufrieden waren, an den Berufsschulen sogar deutlich mehr. „Die Anzahl der Fehler in der Aufgabenstellung war aber trotzdem viel zu hoch.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/410515?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F35537%2F596740%2F596972%2F
Nachrichten-Ticker